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Nach Festnahme von "Sea-Watch 3"-KapitäninFinanzielle Hilfe für Seenotretter

Weil sie unerlaubt mit Migranten an Bord in den Hafen von Lampedusa eingefahren ist, drohen der "Sea-Watch 3"-Kapitänin Carola Rackete nicht nur eine Geld-, sondern möglicherweise auch eine Haftstrafe. Um ihr zu helfen, haben zwei TV-Moderatoren einen Spendenaufruf gestartet.

Von Volker Finthammer

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Die Kapitänin des Flüchtlingsrettungsschiffs "Sea-Watch 3" wird von der Polizei festgenommen. (AFP / Localteam / Anaelle Le Bouedec)
Kapitänin Carola Rackete kurz vor der Festnahme durch die italienische Polizei im Hafen von Lampedusa (AFP / Localteam / Anaelle Le Bouedec)
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In dem gut sechsminütigen Video, das die beiden Fernsehmoderatoren Jan Böhmermann und Klaas Heufer-Umlauf in der vergangenen Nacht auf Youtube gepostet haben, zeigen sie sich erschüttert von den Geschehnissen auf der italienischen Insel Lampedusa. Mit den Ereignissen der letzten Tage, habe diese unmenschliche, kaltblütige und skrupellose Politik der italienischen Regierung einen neuen Tiefpunkt erreicht, erklärt Jan Böhmermann.

Kapitänin droht Geld- und Haftstrafe

Der italienische Innenminister Matteo Salvini hatte einen Zusammenstoß der "Sea-Watch 3" beim Einlaufen in den Hafen von Lampedusa mit einem Boot der italienischen Finanzpolizei als Beweis dafür gewertet, dass es sich bei den Seenotrettern um "Kriminelle" handele. Die deutsche Kapitänin Carola Rackete, wurde daraufhin festgenommen und das Schiff beschlagnahmt. Der Kapitänin droht nicht nur eine Geldstrafe, sondern möglicherweise auch eine Haftstrafe. Ihr werden unter anderem Beihilfe zur illegalen Einwanderung sowie die Verletzung italienischer Hoheitsgewässer vorgeworfen.

"Wir sind der Überzeugung, wer Menschenleben rettet, ist kein Verbrecher. Der kann kein Verbrecher sein. Wer sein Leben einsetzt, um das Leben anderer zu retten, wird niemals ein Verbrecher sein. Niemals auf der Welt und schon gar nicht in einem freundlich freien demokratischen und den Menschen zugewandten Europa", sagt Jan Böhmermann in dem gemeinsamen Video, in dem die beiden Moderatoren zu einer Spendenaktion, zur Unterstützung der Seenotretter aufrufen.

"Wir können jetzt in diesem konkreten Fall mal wieder helfen mit Geld. Wir können die Kollegen vor Ort, die Menschen, die dort helfen unterstützen. Wir können einen Fonds einrichten und den so flexibel gestalten, dass sie mit dem Geld das machen können, was für sie am notwendigsten ist und das verändert sich von Tag zu Tag."

So Klaas Heufer-Umlauf. Bis 11 Uhr an diesem Sonntagmorgen waren bereits über 11.000 Menschen dem Aufruf gefolgt und haben knapp 288.000 Euro gespendet.

Kritik von Außenminister Maas an Festnahme

Die Kapitänin der "Sea-Watch 3", Carola Rackete, hat unterdessen in einem Zeitungsinterview ihre Entscheidung, unerlaubt in den Hafen von Lampedusa einzufahren verteidigt. Die Situation sei hoffnungslos gewesen und Ihr Ziel habe darin gelegen, erschöpfte und verzweifelte Menschen an Land zu bringen, so Rackete gegenüber der italienischen Tageszeitung "Corriere della Sera". Auch Bundesaußenminister Heiko Mass hatte die Festnahme kritisiert und auf Twitter erklärt, das die Seenotrettung nicht kriminalisiert werden dürfe, sondern eine humanitäre Verpflichtung bleiben müsse.

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) verurteilte die Festnahme gleichermaßen. Diese mache ihn "traurig und zornig", erklärte der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm. Eine junge Frau werde in einem europäischen Land verhaftet, weil sie Menschenleben gerettet habe und die geretteten Menschen sicher an Land bringen wollte. Dies sei "eine Schande für Europa, sagte der EKD-Ratsvorsitzende.

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