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StartseiteInterview"Wir vertrauen unseren Geheimdiensten"18.07.2018

Nach Kritik am Helsinki-Gipfel"Wir vertrauen unseren Geheimdiensten"

Donald Trump will sich bei seinem Auftritt mit Putin versprochen haben. Dennoch stünden die Republikaner immer noch hinter dem US-Präsidenten, sagte Ralph Freund von den Republicans Overseas Deutschland. Allerdings sagten sie klar: "Wir vertrauen unseren Sicherheitsdiensten."

Ralph Freund im Gespräch mit Philipp May

Ralph Freund, Vizepräsident der Republicans Overseas Germany, zu Gast in der Talkshow von Anne Will im Ersten. (imago / Jürgen Heinrich)
Ralph Freund sagt, Trump werde immer seinen eigenen Stil haben (imago / Jürgen Heinrich)
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Philipp May: Am Telefon ist jetzt Ralph Freund, stellvertretender Vorsitzender der Republicans Overseas Deutschland, der deutschen Abordnung der US-Republikaner. Herr Freund, schönen guten Morgen.

Ralph Freund: Guten Morgen!

May: Kann man als aufrechter Republikaner noch für Trump sein?

Freund: Ja. Trump und die Republikaner haben ja mehr zu bieten als ein Gipfeltreffen. Selbstverständlich kann man das sein, auch wenn Trump immer Trump bleiben wird. Er wird immer seinen eigenen Stil gehen. Wir Republikaner haben ja auch schon eine Pressemitteilung rausgegeben, gestern im Laufe des Abends, in der wir gesagt haben, dass diese Werte wir so nicht vertreten. Wir vertrauen unseren Sicherheitsdiensten, wir vertrauen unseren Geheimdiensten.

Aber es geht auch darüber hinaus. Es geht um die Zukunft und nicht nur um die Vergangenheitsbewältigung, ob der amerikanische Präsidentschaftswahlkampf Einfluss genommen hat durch russischen Einfluss, durch Hacker-Angriffe. Die Frage ist ja viel globaler: Wie geht das Verhältnis mit den Russen weiter? Wir hatten ja ein sehr eingefrorenes Verhältnis. Es gab ja mal die amerikanische Administration unter Obama, die gesagt hatte, Russland wäre eine Regionalmacht. Von diesem etwas frostigen Niveau ist man doch jetzt abgekommen. Man möchte mit Russland den Blick nach vorne wagen.

"Man darf sich unter Freunden durchaus die Wahrheit sagen"

May: Nichts desto trotz: In Deutschland fiel man bisher der Vorstellung anheim, das seien immer unverrückbare Werte der Republikanischen Partei, das Bekenntnis zum Freihandel, das westliche Bündnis und auch tatsächlich der Glaube an die eigenen Geheimdienste. Sie haben jetzt schon gesagt, das sehen Sie auch so. Aber dennoch ist das ja problematisch, wenn der Präsident das offenbar alles anders sieht.

Freund: Er sieht nicht alles anders. Er sagt, er sieht auch den Freihandel. Aber wir Deutschen müssen uns beim Thema Freihandel auch ein bisschen an die eigene Nase greifen, denn natürlich hat sich im Laufe der Jahre dort der Warenkorb verschoben und in der Tat zahlt Amerika für seine Exporte mehr in Europa, als wir Europäer in Amerika. Es gibt einige Dinge, auch Verteidigungsausgaben. Auch da gibt es eine gewisse Verschiebung. Dort muss man den Finger anlegen. Man darf sich in der Familie unter Freunden durchaus mal die Wahrheit sagen, auch in der Öffentlichkeit, wenn der Druck der vergangenen Jahre dort nicht gelangt hat, um eine Annäherung zu erreichen. Nichts desto trotz: In Sicherheitsfragen sollte Amerika und Europa an einem Strang ziehen. Und ich glaube, dass Präsident Trump gut daran getan hat, diese Aussagen vom Gipfel zu relativieren.

May: Nichts desto trotz: Auch die engsten verbündeten Staaten in der NATO – Sie haben es angesprochen –, allen voran Deutschland, sind ja sehr besorgt, weil sie das Gefühl haben, der US-Präsident behandelt Putin und auch den nordkoreanischen Diktator Kim besser als sie. Er bezeichnet die EU sogar als Gegner.

Freund: Na ja. Im Tun liegt die Wahrheit. Das mit der Gegnerschaft sehe ich anders. Er sprach davon, dass es Leute sind mit anderen Interessen. Ich denke, dass auch innerhalb einer Wertegemeinschaft, wie Nordamerika und Europa es ist, man sich nach wie vor auch die Wahrheit sagen darf. Aber noch mal: Im Tun liegt die Wahrheit. Ich glaube, die Handlungen mit Europa, auch die Handlungen im Rahmen der WTO, im Rahmen der Sicherheitskonferenzen funktioniert tadellos auf Verwaltungsebene. Nur mit Russland muss jetzt irgendwann mal ein Anstoß stattfinden, wie wollen wir weiter vorgehen. Wollen wir immer und ewig Sanktionen haben, Stichwort Krim, Stichwort Naher Osten? Oder soll es irgendwann mal den Dialog geben, wo wir uns die Bälle gegenseitig zuspielen?

"Das ist eine Sache der deutschen Wahrnehmung"

May: Sie als deutscher Vertreter der Republikanischen Partei, wie gehen Sie damit um, wenn die USA hierzulande zusehends nicht mehr als Partner, sondern feindlich wahrgenommen wird?

Freund: Das ist natürlich eine Sache der deutschen Wahrnehmung. Natürlich haben wir uns daran gewöhnt, dass Verteidigungsausgaben mehr bei den Amerikanern geschultert werden, dass, sage ich mal, die Erträge des Welthandels mehr bei uns stattfinden, und dass wir uns dann im Laufe der Jahre gesagt haben, dass das für uns eine sehr angenehme Entwicklung ist, da wird freiwillig nichts passieren. Andere Administrationen, Obama, selbst Clinton seinerzeit schon hat das immer wieder moniert und es ist nichts passiert. Da muss man auch mal ein bisschen Rücksicht auf die amerikanischen Partner nehmen. Aber noch mal: Man ist im Handel, man ist im Dialog. Mit Russland ist man weder im Handel, noch im Dialog. Die Ausgangsvoraussetzungen sind ganz verschieden.

May: … sagt Ralph Freund, stellvertretender Vorsitzender der Republicans Overseas in Deutschland. Herr Freund, vielen Dank für das Gespräch.

Freund: Gern geschehen.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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