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Nach Suizid eines FansFIFA will Stadionzugang iranischer Frauen "prüfen"

Weibliche iranische Fans im Oktober 2018 in Teheran bei einem Spiel gegen Bolivien - damals gab es eine der seltenen Ausnahmen des Ausschlusses von Frauen. (AP Photo/Vahid Salemi)
Weibliche iranische Fans im Oktober 2018 in Teheran bei einem Spiel gegen Bolivien - damals gab es eine der seltenen Ausnahmen des Ausschlusses von Frauen. (AP Photo/Vahid Salemi)

Die FIFA will Vertreter in den Iran schicken, nachdem eine Frau sich aus Protest gegen ihre Festnahme nach einem verbotenen Stadionbesuch selbst angezündet hatte und an den Verletzungen starb.

Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf einen FIFA-Sprecher. Der Besuch im Iran sei allerdings Teil der Vorbereitung der WM-Qualifikationsspiele des Iran und keine konkrete Reaktion auf den Tod von Sahar Khodayaris gewesen. Die iranische Mannschaft spielt am 10. Oktober gegen Kambodscha. Die FIFA-Verantwortlichen wollen dem Bericht zufolge jedoch prüfen, ob der iranische Verband Frauen den Zugang zu dem Spiel ermöglicht. FIFA-Präsident Infantino hatte zuvor die iranischen Behörden aufgefordert, "konkrete Schritte" zu unternehmen, damit iranische und ausländische Frauen zu den Spielen gehen können.

Seit der islamischen Revolution ist es iranischen Frauen verboten, Spiele von Männermannschaften zu besuchen. Ausländische Frauen haben eingeschränkt Zutritt. Laut eines Sprechers habe sich die Regierung nun darauf verständigt, dass Frauen künftig bei "allen nationalen Spielen" anwesend sein dürfen. Das berichtete die Nachrichtenagentur ISNA.

Ruf nach einer Suspendierung

Es gibt Forderungen, den iranischen Verband zu suspendieren und von internationalen Wettbewerben wie der kommenden WM-Endrunde in Katar 2022 auszuschließen. Diesen Schritt könnte der FIFA-Rat vollziehen, was er seit 2017 beispielsweise bei Sierra Leone, Pakistan, Mali und Sudan tat - meist wegen politischer Einflussnahme der jeweiligen Regierungen. Die FIFA-Statuten besagen unter Artikel 4 allerdings auch: "Jegliche Diskriminierung (...) von Personengruppen aufgrund von (...) Geschlecht (...) ist unter Androhung der Suspendierung oder des Ausschlusses verboten."

Der Tod der Frau hat international für Proteste gesorgt. Die 30-Jährige sollte sich am 2. September wegen Störung der öffentlichen Ordnung und Beleidigung der Polizei vor Gericht verantworten. Die Anhörung wurde zwar verschoben, dennoch soll Khodayari bei dem Termin erfahren haben, dass ihr bis zu sechs Monate Haft drohen. Sie hatte im März versucht, bei einem Spiel ihres Lieblingsvereins Esteghlal Teheran in der asiatischen Champions League als Mann verkleidet ins Azadi-Stadion zu gelangen. Als Reaktion auf die drohende Gefängnisstrafe zündete sich Khodayari vor dem Gerichtsgebäude an und erlitt dabei schwere Verbrennungen.