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StartseiteVerbrauchertippInsolvenzschutz bei Pauschalreisen mit Lücken27.09.2019

Nach Thomas-Cook-PleiteInsolvenzschutz bei Pauschalreisen mit Lücken

Pauschalreisen sind in der Regel rechtlich gut abgesichert. Nach der Pleite des Reiseveranstalters Thomas Cook könnten Urlauber jedoch das Nachsehen haben. Denn noch ist unklar, ob alle Betroffenen ihr Geld für bereits gebuchte Reisen im vollen Umfang erstattet bekommen.

Von Ludger Fittkau

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Die Maschine mit der aufgedruckten Internetadresse des Konzerns steht auf dem Flughafengelände. Im Hintergrund Hangars und ein anderes Flugzeug. (Peter Byrne / PA / AP / dpa)
Auch Pauschalreise-Versicherungen können gedeckelt sein, sodass nicht alle Urlauber ihr Geld im Falle einer Insolvenz zurück bekommen (Peter Byrne / PA / AP / dpa)
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Robert Nieß wollte im November mit Thomas Cook in die Türkei fliegen – in den Urlaub. Gebucht hatte er die Pauschalreise mit Flug und Hotel schon vor einigen Tagen – doch von seinem Konto wurde noch nichts abgebucht:

"Ich habe noch nichts bezahlt! Ich habe heute Morgen geguckt, es ist noch nichts abgezogen worden. Noch keine Anzahlung. Und der Restbetrag wird ja erst vier Wochen vorher abgezogen."

Dass Robert Nieß noch keine Anzahlung für die Pauschalreise geleistet hat, ist nach der Thomas-Cook-Insolvenz ein Glücksfall für ihn. Denn Pauschalreisen müssen zwar grundsätzlich gegen Insolvenz versichert sein. Doch es gibt eine Maximalsumme, die ein Versicherer auszahlen muss:

"Das Problem ist, dass dieser Insolvenzschutz gedeckelt ist. Es besteht eine Möglichkeit, den Betrag der Versicherung auf 110 Millionen Euro zu deckeln. Das ist im Fall von Thomas Cook offenbar auch geschehen, wenn die Berichte soweit zutreffen. Und jetzt muss man abwarten, wie viele Urlauberinnen und Urlauber betroffen sind und um welche Summen es geht. Es könnte leider sein, dass dieser Betrag überschritten wird", sagt Kai-Oliver Kruske, Jurist bei der Verbraucherzentrale Hessen in Frankfurt am Main.

Bei den einen fällt der Flug aus, andere starten gar nicht erst in den Urlaub: Welche Rechte haben Kunden nach der Pleite von Thomas Cook, wenn sie eine Pauschalreise gebucht haben? (dpa / Stephan Persch)Sandstrand in der Provinz Samana in der Dominikanischen Republik (dpa / Stephan Persch)

Urlauber könnten das Nachsehen haben

Wenn also die 110 Millionen Euro Versicherungssumme im Fall der Thomas-Cook-Insolvenz überschritten wird, dann bekommen die Käuferinnen und Käufer der Pauschalreisen nicht mehr ihre vollen Reisekosten ersetzt:

"Das könnte dann dazu führen, dass man prozentual einen gewissen Abschlag hinnehmen muss bei den Erstattungszahlungen. Das wäre natürlich bitter."

Pauschalreisen in der Regel gut abgesichert

Grundsätzlich ist die Pauschalreise jedoch vergleichsweise gut abgesichert, so Verbraucherschützer Kruske. Bei Mängeln etwa im Hotel können Reisende ihre Ansprüche wie eine Zahlungsminderung oder Schadensersatz gegenüber dem Veranstalter geltend machen. Die Verjährungsfrist beträgt in solchen Fällen zwei Jahre und darf vom Reiseveranstalter auch nicht durch seine Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) verkürzt werden.

Für Individualreisende gelten andere Rechte

Für Individualreisende ist die Durchsetzung ihrer Rechte oft weniger einfach. Wer etwa nur ein Ferienhaus oder eine Wohnung bei einem Reiseveranstalter bucht, bekommt den Versicherungsschutz des Pauschalreisenden nicht mehr. Denn dann gilt das Mietvertragsrecht, das dem Reisenden aber weniger Rechte gibt. Auch ein einzeln gebuchter Flug sei nicht so gut versichert, so der Verbraucherberater Kai-Oliver Kruske:

"Bei Flugreisen tragen Sie selbst das Risiko, dass der Flug stattfindet. Falls die Gesellschaft insolvent gehen sollte, haben Sie eine Forderung im Rahmen des Insolvenzverfahrens. Aber wie viel davon prozentual übrig bleibt, in der Regel nicht sehr viel."

Sicherungsschein lesen und am besten mitnehmen

Bei Pauschalreisenden müssen die Reiseveranstalter bereits vor Buchung  dem potentiellen Kunden ein Infoblatt überreichen, in dem über Rechte und die gesetzlichen Regelungen informiert wird. Befindet sich ein Reisender in Schwierigkeiten, muss das Reiseunternehmen ihm außerdem in angemessener Weise Hilfe leisten, indem er zum Beispiel Infos über Gesundheitsdienste, Behörden oder andere Reisemöglichkeiten bereitstellt. Ein sogenannter "Sicherungsschein" gehört nach der Buchung zu den Reiseunterlagen. Er wird etwa bei der Insolvenz des Pauschalreiseanbieters wichtig, so Kai-Oliver Kruske von der Verbraucherzentrale Hessen:

"Also – wer Ihr Ansprechpartner im Fall der Insolvenz ist, das finden Sie im Sicherungsschein. Der Sicherungsschein liegt Ihren Reiseunterlagen bei. Sollten Sie den Sicherungsschein verloren haben und nicht mehr finden können, ist das aber nicht schlimm. Gerade im Fall von Thomas Cook können Sie sich an den Anbieter wenden, der da bekannt ist. Das ist der Dienstleister Kaera – Kaera Aktiengesellschaft. Und der Versicherungsschein hat insofern nur die bestätigende Bedeutung, dass der Insolvenzschutz existiert. Aber der Versicherungsschutz existiert – unabhängig davon, ob ich den Versicherungsschein vorlegen kann oder nicht."

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