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StartseiteForschung aktuellDie Bodenwassersituation entspannt sich23.12.2019

Nach zwei HitzesommernDie Bodenwassersituation entspannt sich

Nach den beiden Hitzejahren 2018 und 2019 seien die Grundwasserpegel fast flächendeckend in Deutschland gefallen, sagte Klimaforscher Andreas Marx im Dlf. Dennoch seien beide Jahre nicht vergleichbar. In diesem Jahr gebe es eine bessere Ausgangssituation dafür, dass sich die Dürre auflöse.

Andreas Marx im Gespräch mit Arndt Reuning

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Auf einem sehr trockenen Feld in der Region Hannover sind Risse im Boden zu sehen (dpa / Julian Stratenschulte)
In vielen Regionen Deutschlands waren die Böden lange viel zu trocken. Weil es seit September regelmäßig regne, entspanne sich die Lage allmählich, erklärte Klimaforscher Andreas Marx im Dlf (dpa / Julian Stratenschulte)
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Arndt Reuning: Zwei Sommer lang haben wir geklagt über Hitze und Trockenheit. Doch diese Zeiten dürften nun der Vergangenheit angehören - denn Niederschläge sind in den vergangenen Wochen reichlich gefallen. Aber hat der Regen tatsächlich genügt, um den Boden wieder komplett zu durchfeuchten? Das wollte ich wissen von einem Wissenschaftler, der zuständig ist für den Dürremonitor Deutschland: von Dr. Andreas Marx vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung UFZ am Standort Leipzig. Ich habe ihn gefragt, ob wir mittlerweile nach all dem Regen wieder im grünen Bereich angelangt sind, was die Bodenfeuchte angeht.

Andreas Marx: Na, ich würde sagen, wir sind im gelben Bereich angelangt. Es ist dieses Jahr tatsächlich so, dass wir seit September wieder überdurchschnittliche Niederschläge in Deutschland haben und der sehr trockene Boden, der 2018 langsam ausgetrocknet ist und eigentlich bis September 2019 immer trockener geworden ist, ist jetzt langsam wieder deutlich nasser geworden. Die oberen Bodenschichten sind wieder nass, wenn man aber den gesamten Boden bis in tiefere Tiefen, bis ungefähr zwei Meter, schaut, da fehlt doch noch einiges an Wasser.

Reuning: Die beiden zurückliegenden Jahre, 2018 und 2019, die waren ja eben von einer lange anhaltenden Trockenheit im Sommer geprägt. Gab es da trotzdem Unterschiede im Verlauf der Dürre?

Marx: Die Dürre ist in ihren Auswirkungen sehr unterschiedlich gewesen. Das hängt damit zusammen, dass 2018 der Boden von oben ausgetrocknet ist. Dadurch, dass zu wenig Niederschlag vom Himmel gefallen ist, ist das Wasser im Boden nach unten gesickert und oben ist es immer trockener geworden. Das ist ganz grob gesagt schlecht für die Landwirtschaft, hat fast ganz Deutschland betroffen - 2018 über die gesamte Vegetationsperiode, also ungefähr von April bis Oktober große Verluste in der Landwirtschaft.

Ausgetrockneter Boden (dpa / Federico Gambarini)Im Norden und Osten Deutschlands war die Landwirtschaft 2019 besonders von der Dürre betroffen (dpa / Federico Gambarini)

2019 hat diese Dürre immer noch angehalten. 2019 waren aber die Niederschläge vor allem im Süden und im Westen Deutschlands deutlich höher als 2018, sodass im Oberboden zum Teil da doch ganz ordentlich Bodenfeuchte zusammengekommen ist. Deswegen ist die Landwirtschaft 2019 in Deutschland eher nur im Norden und im Osten betroffen gewesen. Da aber jetzt über diese sehr lange Zeit wir diese trockenen Böden hatten und 2019 der Boden insgesamt bis in größere Bodenschichten sehr trocken war, waren dann 2019 die großen Wasserverbraucher, also Bäume, Wälder sehr stark betroffen.

Bessere Ausgangposition als nach 2018

Reuning: Jetzt verbessert sich die Situation wieder, sagen Sie. Wie sieht es denn aus, wenn wir auf das Grundwasser schauen? Hat denn der Regen die Vorkommen dort auffüllen können?

Marx: Wenn es so wenig regnet und die Böden so trocken sind, wie das in den letzten beiden Jahren war, dann gibt es fast keine Grundwasserneubildung. Da das Grundwasser ja aber gleichzeitig zur Seite wegläuft und dann normalerweise zu den Flüssen läuft und dann zum Meer, sind die Grundwasserpegel in den letzten beiden Jahren fast flächendeckend in Deutschland gefallen. Das ist aber ein Problem, das wir in vielen Bereichen Deutschlands schon seit ungefähr fünf Jahren haben - also sinkende Grundwasserpegel. Jetzt muss quasi zuerst der Boden nass werden und dass über den Boden wieder von oben Wasser ins Grundwasser reinlaufen kann.

Es ist aber so, dass grundsätzlich im Winter die Böden in Deutschland deutlich nasser sind als im Sommer. Das hängt damit zusammen, dass die niedrigen Temperaturen dazu führen, dass die Verdunstung im Winter fast keine Rolle spielt. Und dann kann man jetzt eigentlich sagen, man muss erwarten, dass über den Winter sich die Bodenwassersituation entspannt und dass wir nächstes Jahr wahrscheinlich nicht mit Dürre zu rechnen haben und dass die Grundwasserpegel dann auch langsam wieder steigen.

Reuning: Das heißt, Sie sehen die Ausgangssituation für den kommenden Sommer eher entspannt?

Marx: Na, entspannt, das kann man so nicht sagen, weil wir keine Glaskugel haben - diese mittelfristigen Wettervorhersagen sind in Europa sehr schwierig. Was man aber sagen kann, ist, im Vergleich zu 2018, wo es bis Weihnachten doch sehr trocken war, also wo die Trockenheit bis zum Ende des Jahres angehalten hat, die Situation haben wir jetzt 2019 nicht, weil seit September ungefähr die Böden eben von oben wieder feuchter geworden sind. In fast ganz Deutschland sind die Böden in den obersten 25 Zentimetern noch ganz ordentlich nass geworden, und deswegen ist die Ausgangssituation dafür, dass die Dürre sich auflöst, deutlich besser, als das 2018 war.

Seit mindestens 1951 keine solche Dürreperiode in Deutschland

Reuning: Sie hatten gerade erwähnt, dass wir schon seit ungefähr fünf Jahren sehr niedrige Grundwasserspiegel haben. Woran liegt das denn, wenn nicht an der Dürre?

Marx: Das liegt schon an dem Thema Dürre, weil wir insgesamt in den letzten Jahren sehr häufig zu wenig Niederschlag hatten und Probleme mit Dürren. 2018 und 2019 war das sehr extrem und es gab eine sehr große mediale Aufmerksamkeit, einfach weil wir so viele Sektoren hatten, die betroffen waren. Neben der Landwirtschaft und der Forstwirtschaft war die industrielle Produktion beeinträchtigt, wir hatten Probleme mit der Frachtschifffahrt auf dem Rhein. Damit verbunden war, dass der Heizölpreis gestiegen ist letztes Jahr im Oktober, die Benzinpreise an den Tankstellen - am Rhein entlang hatten wir Tankstellen, wo es überhaupt kein Benzin und Diesel mehr zu tanken gab.

Das heißt, die Aufmerksamkeit war da sehr groß, wir hatten aber in den letzten Jahren auch schon vorher trockene Jahre. Zum Beispiel 2015 war ein Jahr, wo wir sehr schlimme Maisertragszahlen hatten, also deutschlandweit hatten wir mehr als 20 Prozent weniger Maisertrag als im langjährigen Mittel. Das ist eine Aufeinanderfolge von Dürrejahren, die dazu geführt haben, dass diese Probleme mit den Grundwasserständen sich entwickeln konnten.

Reuning: Mit dem Dürremonitor haben Sie ja Jahrzehnte von Daten im Blick zur Dürresituation in Deutschland. Die Situation 2018/2019, ist die denn einzigartig gewesen in der Geschichte?

Marx: Ja, das ist tatsächlich so. Es gab natürlich auch vorher schon trockene Jahre - 1959 und 1976 gab es eine sehr große, auch flächenhafte Betroffenheit in Deutschland, auch mit gemeldeten Schäden vor allem im Agrarbereich. Dass wir aber zwei Jahre in Folge diese große Trockenheit hatten und dann auch über die Vegetationsperiode, das hatten wir in dem Maße mindestens zurück bis 1951 nicht.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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