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StartseiteUmwelt und VerbraucherNachgehakt: Zwischenstand zum Superkraftstoff E1026.08.2011

Nachgehakt: Zwischenstand zum Superkraftstoff E10

E10 sollte dafür sorgen, dass Deutschland die Vorgaben der Europäischen Union bei der Einführung von Agrartreibstoffen einhält. Im Winter kam der neue Kraftstoff dann auf den Markt, doch kaum ein Autofahrer wollte ihn tanken. Sorgen um die Motorverträglichkeit und Umweltbedenken waren die Gründe. Umwelt und Verbraucher hat nachgehakt:

Bamdad Esmaili

E10-Schild an einer Tankstelle (picture alliance / dpa)
E10-Schild an einer Tankstelle (picture alliance / dpa)

Seit März 2011hat der ADAC einen Opel Signum mit E10 betankt, obwohl er dafür explizit nicht freigegeben war. Damit wollte der Autoclub testen, was passiert, wenn in ein nicht E10-fähiges Auto der neue Kraftstoff getankt wird. Und nach 27.000 gefahrenen Kilometern kam die Quittung, sagt Sprecherin Maxi Hartung.

"Der Fahrer merkte auf einmal einen intensiven Benzingeruch und dann hat er die ADAC-Pannenhilfe angerufen und er stellte eine undichte Benzinhochdruckpumpe fest. Und dadurch entstand eine extreme Feuergefahr. Und dann haben wir alles ausgebaut und uns ganz genau angeschaut und die bis zu 7 Millimeter dicke Seitenwand aus Leichtmetallguss ist durchgerostet."

Fazit der Experten: Ein Auto, das nicht für E10 zugelassen ist, darf auch tatsächlich nicht damit betankt werden.

"Also uns war ja nicht immer ganz sicher, ob diese Teile durch nur 5 Prozent mehr Ethanol im Benzin wirklich Schaden nehmen können. Und wir haben jetzt festgestellt, es ist tatsächlich so. Allerdings hat Opel jetzt gesagt, sollte man nur einmal aus Versehen E10 in den Tank schütten, dann reicht es, wenn man das nächste Mal E5 tankt. Selbes gilt auch für Ford. Alle anderen Hersteller, die bestehen weiter darauf, dass man nur bei einer Fehlbetankung das Auto abschleppen und auspumpen muss."

Doch auch in Fahrzeugen, die anerkanntermaßen E10 vertragen, fließt der neue Kraftstoff bisher nur selten. Nach diversen Liefer- und Startschwierigkeiten gibt es zwar an immer mehr Tankstellen in Deutschland das neue Superbenzin. Doch nach Angaben des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle wurden im ersten Halbjahr in Deutschland nur rund 744.000 Tonnen E10 verkauft. Fast die zehnfache Menge wurde mit herkömmlichem "Superbenzin" umgesetzt.

In einer Siegburger Tankstelle gibt es seit August das neue Benzin. Herkömmliches Super kostet 1,50, E10 ist drei Cent günstiger. Doch nur rund sieben Prozent der Autofahrer tanken hier E10, sagt der Betreiber. Die Gründe der Autofahrer ähneln sich.

"Ich denke, das ist eine Abzocke, weil das Auto mehr verbrauchen soll und der Sprit kostet dasselbe.
Tja, man hört so viel Negatives.
Also wenn VW mir sagt, ist in Ordnung mit dem Motor, da geht nix kaputt und mir das garantiert, dann tanke ich das auch. Aber von Listen, die irgendwo hängen, wo das Fahrzeug mit dem Baujahr drauf ist, da gehe ich nicht nach, dafür ist meine Garantie zu schade.
Wat soll ich damit? Ist doch Schwachsinn. Ich weiß, nicht warum ich Essen vertanken soll, ich weiß nicht, warum die uns so ein Zeugs wieder andrehen. Also für mich macht das alles keinen Sinn."

ADAC-Sprecherin Maxi Hartung hält dagegen. Für die Zurückhaltung gebe es überhaupt keinen Grund. Die meisten Autos seien dafür freigegeben und man könne das Auto völlig bedenkenlos damit tanken. Außerdem sei E10 günstiger und man fördere die Unabhängigkeit vom Erdöl.

"Also E10 ist sicherlich kein schlechter Kraftstoff. Also alles, was man hört an Horrormeldungen, das stimmt einfach nicht. Wir finden das ist ein Weg und alle Rufe, dass man Lebensmittel tankt und Brot tankt, kann man auch Entwarnung geben. Also Biosprit in Deutschland ist zertifiziert. Da werden Flächen, die bisher brachgelegen sind, genutzt, das ist auch keine Monokultur, sondern da wird auch drauf geachtet, dass unterschiedliche Pflanzen angebaut werden, dass die Bauern unterschiedliche Felder benutzen. Also auch das Argument passt für Deutschland nicht."

Fakt ist: Die Akzeptanz der Verbraucher ist bei E-10 noch nicht da. Eine Sprecherin des Shell-Konzerns bestätigte dem Deutschlandfunk, dass sie die Ablehnung der Verbraucher nicht verstehen können, obwohl im Vorfeld viel Aufklärung dafür betrieben wurde.

Für die deutschen Autofahrer könnte diese Ablehnung teuer zu stehen kommen. Denn drohende Strafzahlungen für die Mineralölkonzerne würden diese wohl an die Verbraucher weiterreichen, sagte der Europachef des britischen Ölkonzerns BP, Uwe Franke, in einem Zeitungsinterview. Die deutschen Tankstellen sind verpflichtet, in der Summe 6,25 Prozent Biosprit mit dem herkömmlichen Treibstoff zu verkaufen. Eine Quote, die sie wohl nicht erreichen werden. Nun schätzt Franke, dass die Kosten für die Nichterfüllung von 300 bis 400 Millionen Euro zumindest zum Teil auf die Autofahrer umlegt wird.

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