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StartseiteVerbrauchertippWeniger Fisch essen18.06.2020

Nachhaltige ErnährungWeniger Fisch essen

Zahlreiche Fischarten der Weltmeere sind aktuell in ihrem Bestand gefährdet. Die Gründe: Überfischung, illegale Fischerei und schädliche Aufzucht von Tieren in Fischfarmen. Doch dagegen können Verbraucher etwas tun - durch den bewussten, nachhaltigen Umgang mit Fisch.

Von Hilde Braun

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Sardinen in einem Fischernetz (imago/blickwinkel/R. Martin)
Der WWF empfiehlt beim Fischkauf: Auf die Fangmethoden achten (imago/blickwinkel/R. Martin)
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Thunfisch oder Sardine Fangquoten in Zeiten des Klimawandels

Der wichtigste Tipp ist: weniger Fisch essen, denn viele Arten wachsen nicht so schnell nach, wie wir Menschen den Fisch verzehren. Würde jeder Deutsche nur einmal pro Woche Fisch auf dem Teller haben, sänke der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch um fast die Hälfte auf acht Kilogramm pro Person, rechnet der World Wide Fund for Nature vor. Er empfiehlt, Fisch als nicht alltägliche Delikatesse nur selten zu genießen. Silke Schwartau ist Abteilungsleiterin für Lebensmittel und Ernährung der Verbraucherzentrale Hamburg. Entscheidend für nachhaltigen Fisch sind beispielsweise die Fangmethoden: 

"Fangmethoden sind in Ordnung, wenn sie relativ selektiv sind. Das heißt, es werden nur die Zielfische gefangen, es gibt wenig Beifang wie z. B. Schildkröten oder Delphine. Und hier ist immer das Fanggebiet auch immer entscheidend, da muss man gucken, das findet man auf der Verpackung."

Auf MSC Siegel achten

Denn dort muss die Herkunft des Fisches angegeben werden. Wer wissen will, dass die Fangmethoden umweltverträglich sind, dass ein Fisch aus einem gesunden, nicht überfischten Bestand kommt, kann mit dem MSC Siegel auf "Nummer sicher" gehen und die Herkunft des Fisches von der Fischtheke lückenlos bis zu einer nachhaltigen Fischerei rückverfolgen. Folgende Fische empfiehlt deshalb auch die Verbraucherschützerin: "Dazu gehören alle mit MSC Siegel, wie zum Beispiel Alaska Seelachs, aber auch der Hering, die Scholle oder auch der Zander."

Fischer sortieren, wiegen und verarbeiten den Fang des Tages - rund 15 Kilo Schollen und Flundern am Hafen von Flensburg.  (imago / Tim Riediger)Der Bestand an Schollen ist nicht gefährdet - aber da haben deutsche Fischer nur kleine Quoten (imago / Tim Riediger)Fangquoten in der Ostsee - Ausgefischt?
Eigentlich wollen Fischer und Forscher das Gleiche: gesunde, nachhaltige und große Fischbestände. Aber wenn es konkret um erlaubte Fangmengen geht, sind die Fronten verhärtet: Dorsch und Hering droht der Kollaps, warnen die Biologen. Doch die Fischer sagen: Es ist immer noch genug da. Wer hat recht?

Abstand nehmen sollten Verbraucher von Fischen aus bestimmten Gebieten, die überfischt sind. Je nach Fischsorte sollten diese gemie

"Beispiel ist der Thunfisch, da ist der Gelbflossenthunfisch im indischen Ozean überfischt, während er im atlantischen Ozean in einem guten Zustand ist. Beim weißen Thunfisch ist es dann genau umgekehrt, da geht es dem Fischbestand im indischen Ozean gut, während der Bestand im Atlantik an der Grenze zur Überfischung steht."

Bestände in Mittelmeer und Ostsee gefährdet

Im pazifischen Ozean werde illegal gefischt, auch in Mittelmeer und Ostsee seien Bestände gefährdet, erklärt die Sprecherin des MSC. Die Verbraucherzentrale rät aktuell von folgenden Fischsorten ab – Silke Schwartau: "Der europäische Flussaal, alle Hai und Rochenarten oder der atlantische Lachs."

Fisch aus Aquakultur, also aus Fischzucht, ist nicht unbedingt eine Alternative. Nicht immer werden die Tiere artgerecht gehalten, unter Umständen werden sie auch mit Wildfisch gefüttert. 

"Häufig schwimmen sie auf engstem Raum, bekommen Antibiotika und auch hier sollte man wieder die bevorzugen, die nachhaltiger produziert worden sind und zum Beispiel ein ASC Siegel tragen."

Das Siegel steht für nachhaltige Aquakultur. Nachhaltigen Fisch erkennt man außerdem an den Siegeln: Bioland und Naturland. Die Verbraucherzentrale Hamburg hat einen Fischratgeber veröffentlicht, der beim Einkauf helfen kann.

Generell gilt: bei den Herkunftsgebieten der Fische gibt es keine, die völlig tabu sind. Einige stehen allerdings unter Naturschutz, bei anderen sind die Bestände überfischt, da besser beim Einkauf zurückhalten. Wer Urlaub an der Küste macht, darf aber gerne mal frischen Fisch genießen.

"Dort kann man guten Gewissens Fisch essen, weil es meistens kleinere Schiffe sind, die regional fischen und da gibt es nicht solche Probleme wie mit Fabrikfischen, die beim Fischen zum Beispiel den ganzen Boden umpflügen."

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