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StartseiteVerbrauchertippKleidung leihen oder weitergeben25.05.2021

Nachhaltige KleidungKleidung leihen oder weitergeben

Über 12 Kilogramm Kleidung im Jahr kauft im Durchschnitt jeder in Deutschland. Ein Fünftel davon wird nie getragen, das geht zu Lasten von Umwelt und Natur. Und in vielen Ländern leiden besonders Frauen unter menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen in Nähfabriken. Doch man kann auch nachhaltig mit Kleidung umgehen.

Von Hilde Braun

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Garment employees work in a sewing section of a Textile Mills Limited in Gazipur, Bangladesh on Tuesday, February 16, 2021. (Photo by Kazi Salahuddin Razu/NurPhoto) (NurPhoto / Kazi Salahuddin Razu)
Näherinnen arbeiten oft unter menschenunwürdigen Bedingungen (NurPhoto / Kazi Salahuddin Razu)

Industriell hergestellte Kleidung ist eine Umwelt- und Sozialkatastrophe. So bezeichnet sie Tristan Jorde, von der Verbraucherzentrale Hamburg:

"Die Dinge werden unter ganz schlimmen Bedingungen sowohl ökologisch – Stichwort Pestizideinsatz, giftige Färbungsmittel, Sandstrahlen unter furchtbaren Bedingungen – Stichwort Rana Plaza der Einsturz dieses Fabrikgebäudes ..." 

Diese Herstellung ist mehr als bedenklich. Und Kleidung: ein Konsumgut, das im Überfluss verfügbar ist, kurzlebig auf dem Markt ist und oft zu Billigpreisen verschleudert wird.

  (imago images / Mint Images) (imago images / Mint Images)Textilbranche - Zweifelhafte Nachhaltigkeit
Bio boomt nicht nur bei Gemüse, sondern auch bei T-Shirts, Blusen und Hosen. Große Textilkonzerne haben das Thema für sich entdeckt. Kritiker bezweifeln aber die Nachhaltigkeit und halten viele Bio-Aktionen eher für PR - und werfen den Unternehmen Greenwashing vor.

Doch viele Menschen sehen auch die Schattenseiten: Hungerlöhne in der Textilbranche, verschmutzte Flüsse und Böden und Nachrichten über Gift in unserer Kleidung. Vor dem Kauf sollte deshalb immer die Frage stehen: Brauche ich dieses neue Kleidungsstück?

"Am besten Kleidung selbst lange tragen, reparieren, die Kleidung im persönlichen Umfeld weitergeben. Dann als nächste Stufe wären lokale Weitergabemöglichkeiten wie Flohmärkte, Kleidertauschparties oder so etwas in der Art. Das ist natürlich aufgrund von Corona stark eingeschränkt." 

Je länger die Lebensdauer von Hose, Pulli oder T-Shirt ist, desto besser

Relativ neu im Trend sind Kleiderleihbörsen. So kann das festliche Abendkleid einen Abend lang getragen werden, genauso wie ein Smoking, der sonst jahrelang ungenutzt im Schrank hängen würde. Das Gleiche gilt für Umstandsmode oder Babykleidung. Vorteil: Der Schrank bleibt leer, CO2 und Wasserverbrauch bei der Herstellung sinken. Denn das ist besonders belastend für die Umwelt, sagt Mark Starmanns, Präsident von "get changed", des Vereins für faire Mode:

"Bei der Umwelt ist sicherlich das augenscheinlichste, dass die Abwässer nicht gefiltert in die Umwelt gelangen und dass sie das Grundwasser damit und die Böden zerstören und damit die Lebensgrundlage der Menschen zerstören."

Je länger die Lebensdauer von Hose, Pulli oder T-Shirt ist, desto besser ist das für Mensch und Umwelt. Was man selbst nicht mehr tragen möchte, mag vielleicht jemand anderes tragen. Mülltonne oder Altkleidercontainer sollten erst dann aufgesucht werden, wenn andere Möglichkeiten, die Kleidung zu verwerten, gescheitert sind.

Lieber selten ein hochwertig nachhaltig produziertes Lieblingsstück kaufen

Wer Kleidung weitergeben möchte, kann sie auch gemeinnützigen Organisationen spenden. Wer Kleidung sucht, hat auch gebraucht eine riesige Auswahl, sagt Tristan Jorde von der Verbraucherzentrale Hamburg:

"Mit Hilfe von Second Hand, Flohmärkten, Kleidertausch sind Unmengen im Umlauf an Kleidung. Es gibt da ganz viel auch ganz hochwertiges auf Second Hand-Schienen. Da kann man seinen Geldbeutel dramatisch entlasten damit." 

Soll unbedingt ein neues Kleidungsstück her – dann gilt auch nachhaltig die Faustregel hier: Lieber selten ein hochwertig nachhaltig produziertes Lieblingsstück kaufen als öfter Billigware. Hier können Siegel dem Verbraucher helfen.

"Es gibt tausende davon, es ist für Verbraucherinnen und Verbraucher ganz schwer herauszufinden, was ein taugliches Siegel ist. Das wäre eben GOTS, IVN oder auch der grüne Knopf in gewisser Hinsicht. Als Hilfestellung gibt es zwei zu nennende Labelportale: Das wäre Label-online.de und das andere heißt Siegelklarheit.de."

Für die Klimabilanz eines jeden Kleidungsstücks ist auch seine Lebensdauer und Verwertung wichtig. Wie Textilien getragen werden und wie sie gepflegt werden, hat auch Auswirkungen auf ihre Ökobilanz.

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