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StartseiteVerbrauchertippSaubere, gesunde Zähne ohne Plastikmüll28.09.2018

Nachhaltige ZahnpflegeSaubere, gesunde Zähne ohne Plastikmüll

Wer seine Zähne ordentlich pflegen will, produziert meist eine ganze Menge Plastikmüll: Zahnpasta-Tube, Bürste und selbst Zahnseide bestehen in der Regel aus Kunststoff und stecken oft zusätzlich noch in Plastik-Verpackungen. Es gibt aber mittlerweile adäquate nachhaltige Alternativen.

Von Astrid Wulf

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Zahnbürste aus Bambus mit Naturborsten und Zahnpasta in Form von Kautabletten (Deutschlandradio / Heiner Kiesel)
Nachhaltige Zahnpflege: Zahnbürste aus Bambus mit Naturborsten und Zahnputz-Tabletten (Deutschlandradio / Heiner Kiesel)
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Statt sich Zahncreme auf die Bürste zu schmieren, steckt sich Anna Mühlhaus eine Zahnputztablette in den Mund und zerbeißt sie. Die Tablette schäumt etwas auf, damit putzt sie sich die Zähne. Die Tabletten bekommt sie in einem Unverpackt-Laden. Die Umweltaktivistin vom Bund für Umwelt und Naturschutz BUND versucht, Plastikmüll zu vermeiden - auch bei der Zahnpasta-Tube.

Was sie an Verpackungsmüll spart, zahlt sie allerdings an der Kasse drauf: Je nach Hersteller sind Zahnputztabs bis zu viermal teurer als Zahncreme. Und es dauert etwas, bis man sich an die Tabs gewöhnt hat, sagt Anna Mühlhaus: "Die schäumen weniger, aber das reicht aus. Und man hat jetzt nach dem Zähneputzen ein frisches Gefühl. Das hält vielleicht kürzer, als wenn man eine richtig scharfe, ordinäre Zahnpasta nimmt."

Zahnputztabs – so gut wie normale Zahncreme

Die Tabs reinigen genauso gut wie normale Zahncreme, sagt die Lübecker Zahnärztin Susann Stein-Ziehfreund. Sie empfiehlt allerdings dringend: "Dass man darauf achtet, dass da Fluorid enthalten ist. Man muss natürlich auch darauf achten, dass man diese Tabs gut zerkleinert, damit auch wirklich überall so ein Reinigungsschaum entsteht. Aber es ist sicherlich, für die Leute, die darauf achten, dass sie wenig Verpackungsmüll haben, eine ganz gute Alternative."

Im Internet gibt es viele Mischanleitungen für selbstangerührte Zahnpasta, unter anderem mit Kokosöl und Natron. Zahnärztin Susann Stein-Ziehfreund rät von solchen Rezepten allerdings dringend ab und empfiehlt stattdessen Zahncremes von Naturkosmetik-Herstellern. Die schützen so gut vor Karies wie normale Zahncremes. Immer vorausgesetzt, es ist Fluorid in der Rezeptur.

Öko-Bürste aus Bambus und Bio-Nylon

Anna Mühlhaus‘ Zahnbürste ist - natürlich - nicht aus Plastik, sondern aus Bambus. Komplett plastikfrei ist sie allerdings auch nicht, die Borsten bestehen aus Bio-Nylon. Aber das zerfällt laut Hersteller nicht zu Mikroplastik, sondern verrottet irgendwann. "Alle sechs Wochen soll man die Zahnbürste wechseln, das ist dann ja auch eine Menge Zahnputzmüll, und Bambus ist ja ein schnellnachwachsender Rohstoff."

Auch die Zahnärztin hat nichts gegen die Öko-Bürsten einzuwenden: "Ich denke, die sind auch gut, was ich gesehen habe. Der einzige Nachteil wäre vielleicht, dass es nicht so viel Auswahl da gibt. Bei den Plastikzahnbürsten gibt es mehr verschiedene Modelle, Kurzkopf, planes Borstenfeld. Aber ich denke, das ist auf jeden Fall ein guter Ansatz."

Plastikfreie Zahnseide: teure Bio-Alternative

Einzelne Zahnseidesticks aus Plastik hat Anna Mühlhaus schon längst aus ihrem Badezimmer verbannt. Alternativ nutzt sie Zahnseide aus – was könnte naheliegender sein – Seide, überzogen mit Bienenwachs. Nicht vegan, aber immerhin plastikfrei: "Die ist dicker und richtig teuer, ich habe sie mal eine Weile benutzt, dann habe ich aber immer nur ein ganz kurzes Stück genommen, weil die so kostbar war. Ich habe sie noch, aber ich benutze sie nicht so regelmäßig."

Susann Stein-Ziehfreund ist froh, wenn ihre Patienten überhaupt Zahnseide benutzen – egal, ob aus Nylon oder Naturseide: "Da kann man sicher auch die ganzen Bio-Alternativen nehmen. Wobei ich da eine Alternative gefunden habe, die in einem Glasröhrchen geliefert wird, da frage ich mich natürlich auch wieder, ob das nachhaltig ist."

Anna Mühlhaus hat ihre Zahnhygiene weitestgehend auf nachhaltig umgestellt. Das sei nicht nur besser für die Umwelt, in ihrem Bad sehe es auch einfach ordentlicher aus: "Wir haben einen kleinen Mülleimer, in dem sozusagen der Gelbe Sack-Müll reinkommt im Bad und den muss ich viel weniger ausleeren."

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