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StartseiteVerbrauchertippDen Kleiderkauf reduzieren16.01.2020

Nachhaltiger KonsumDen Kleiderkauf reduzieren

Wer sich über nachhaltige Kleidung informieren will, ist mit dem Textilratgeber der Umwelt-NGO Greenpeace gut aufgestellt. Für das Bedürfnis nach Abwechslung bei der Garderobe sind Neukäufe nicht unbedingt nötig. Es gibt Secondhand-Läden, man kann Kleider tauschen oder vorhandene Teile neu kombinieren.

Von Susanne Kuhlmann

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Textilien, Schuhe und Polster liegen neben einem Container für Altkleider auf der Straße. (imago/ Hermann J. Knippertz)
Selbst nachhaltige Kleidung wird oft weggeschmissen (imago/ Hermann J. Knippertz)
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Farbstoffe, Lösungsmittel, Schwermetalle – viele Textilien enthalten gesundheitsschädigende Substanzen. Prüforganisationen, die Textilsiegel vergeben, kennzeichnen Hemd oder Hose, bei deren Herstellung auf solche Chemikalien verzichtet wurde. Professor Jochen Gutmann leitet das Deutsche Textilforschungszentrum Nord-West in Krefeld.

"Die gucken drauf, ob das wirklich die Farbstoffe sind, in einer Qualität und in einer Reinheit, frei von Schadstoffen, die zugesagt worden ist, dem deutschen Lieferanten, der das hier verkaufen will."

Greenpeace-Siegel für schadstofffreie Kleidung

Die Umweltorganisation Greenpeace hat einen Textilratgeber verfasst, in dem sie sieben unabhängige Siegel für schadstofffreie Kleidung auflistet. Viola Wohlgemuth von Greenpeace:

"Die drei besten, die wir mit drei Sternen gerankt haben, ist einmal das IVN Best. Das ist ein Siegel, das sich ausschließlich mit Naturfasern, Naturtextilien beschäftigt. Dann das GOTS Siegel, da dürfen bis 30 Prozent Synthetik oder recycelte Fasern rein. Das findet man mittlerweile sogar schon mal bei Discountern. Und dann ist neu auf dem Markt, von der Ökotex-Familie, das Made in Green."

Vor dem Kleiderkauf: Brauch ich das oder will ich das?

Hinzu kommen zwei Siegel für fair hergestellte Kleidung, die die Arbeits- und Sozialbedingungen in den Produktionsländern bewerten.

Brauche ich etwas oder will ich es haben? Das ist die zentrale Frage vorm Kleiderkauf, meint Jochen Gutmann. Denn:

"Jedes Textil, dass ich nicht produziert habe, macht auch keinen Dreck. Jeder von uns kennt das, dass man in den Kleiderschrank guckt, und der ist voll, und trotzdem fragt man sich: Was ziehe ich denn heute an? Man sollte sich kritisch fragen: Werde ich das auch in Zukunft anziehen?"

Kleider kaufen, um die Stimmung zu heben oder weil alle zwei Wochen eine neue Kollektion billig zu haben ist – Abwechslung geht auch anders, regt Viola Wohlgemuth von Greenpeace an:

"Es gibt in Deutschland Second Hand, von Kleider leihen, Kleider tauschen, von lokalen Angeboten vor Ort als auch im Netz bis zur Designer-Kleidung mit persönlicher Beratung alle Möglichkeiten, sich täglich neu einzukleiden nach Lust und Laune, ohne dass man neue Produkte dafür produzieren muss."

Abwechslung auch ohne Neukäufe ist möglich

Secondhand-Textilien, Kleidertausch, vorhandene Teile neu kombinieren, selten Getragenes wiederentdecken – auch ohne Neukäufe kommt Abwechslung in die Garderobe. Abgetragene Lieblingsstücke können vielleicht repariert werden.

Wie lange Kleidung in Form bleibt und hält, hängt auch von der Pflege ab. Vor allem eins zählt, erklärt Jochen Gutmann:

"Nicht zu heiß waschen. Wir waschen Textilien häufig, weil sie sich nicht mehr frisch anfühlen. Weil sie zerknittert sind, vielleicht unangenehm riechen. Nicht wirklich, weil hartnäckige Flecken drin sind. Und wenn Sie jetzt nicht krank sind und deswegen starke Hygienevorschriften einhalten müssen, dann tut es sicher auch eine 60 Grad Wäsche statt 90 Grad bei weißen Textilien."

Schonend mit Textilien umgehen und beim Kauf auf Siegel für Schadstofffreiheit und faire Arbeitsbedingungen in den Produktionsländern achten – das ist gut und richtig, meint Jochen Gutmann vom Deutschen Textilforschungszentrum Nord-West in Krefeld. Die Wurzel des Problems liege aber bei uns:

"Nachhaltig handeln bedarf einer Änderung in unserem Konsumverhalten. Es wird nicht funktionieren, dass wir denken, nur mit technischem Fortschritt leisten wir uns alles noch, was wir uns angewöhnt haben, zu leisten, ohne zu hinterfragen, ob wir das wirklich brauchen. Das Umdenken beginnt in jedem Kopf."

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