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Nachhaltiger Verkehr Carsharing lohnt sich laut Studie derzeit kaum

Fahrzeuge der Car Sharing Unternehmen Car2Go und DriveNow stehen auf einem Parkplatz in Köln. (picture-alliance / dpa / Horst Galuschka)
Autos der bekannten Anbieter Car2Go und DriveNow (picture-alliance / dpa / Horst Galuschka)

Bei der Autonutzung gilt Carsharing für viele als Modell der Zukunft - eine Studie meldet allerdings Zweifel an.

Unter dem plakativen Titel "Der Carsharing Mythos" lautet das Fazit der Unternehmensberatung A.T. Kearny, dass die Leihfahrzeuge nur für fünf Prozent der Deutschen eine potenzielle Alternative zum eigenen Auto darstellen. Auch seien nur wenige Städte in Deutschland dicht genug bevölkert, um Carsharing wirtschaftlich betreiben zu können. Mindestens 3.000 Personen pro Quadratkilometer seien den Berechnungen zufolge für ökonomisch sinnvolle Margen notwendig. Diese formale Voraussetzung erfüllten lediglich elf Städte - wirklich lukrativ aber sei der Markt derzeit nur in Berlin, Hamburg und München. Ähnlich Probleme gebe es überdies nicht nur hierzulande, sondern auch in zahlreichen anderen europäischen Flächenstaaten.

"Option, aber kein Ersatz"

Auf deutschen Straßen könnten die per Handy buchbaren Mietwagen demnach höchstens zwei Millionen private Autos ersetzen - und das auch nur, wenn alle potenziellen Kunden von ihren eigenen Fahrzeugen auf Sharing-Dienste umstiegen. Die deutschen Autofahrer aber schätzten das eigene Auto nach wie vor, vor allem wegen der ständigen Verfügbarkeit. Carsharing werde daher vor allem als zusätzliche Option, weniger aber als vollwertiger Ersatz für das eigene Auto wahrgenommen. In Berlin beispielsweise ständen 5.000 Autos zur kollektiven Nutzung bereit, die Hälfte davon sei elektrisch betrieben. Aber genauso wie in anderen Städten seien die Zulassungszahlen bei privaten PKW nicht gesunken.

"ÖPNV leidet"

Weiter hieß es, gerade einmal ein Prozent der Carsharing-Mitglieder nutzten das Angebot täglich, ein Drittel von ihnen ein bis zwei Mal im Monat. Dass das eigene Auto im Straßenverkehr langfristig durch Sharing-Angebote ersetzt wird, zeichne sich also derzeit noch nicht ab. Durch die nur komplementäre Nutzung gehe regelmäßiges Carsharing sogar vielmehr zu Lasten des ÖPNV. Dadurch verschärften sich Probleme wie Staus und fehlende Parkplätze in Städten eher noch. Als Ausweg empfehlen die Autoren, Sharingdienste besser in den öffentlichen Nahverkehr zu integrieren.

So sehen es die Anbieter

Der Carsharing-Marktführer in Deutschland, Sharenow, sieht sich durch die Studie dennoch bestätigt. Sie zeige, dass das private Fahrzeug in Deutschland nach wie vor eine viel zu große Rolle spiele, um die Mobilitätswende zu schaffen. Es sei Aufgabe der Politik, das zu ändern. Sharenow verfolgt das sogenannte free-float-Verfahren. Dabei können die Autos innerhalb des Geschäftsgebiets überall gemietet und abgestellt werden. Die Deutsche Bahn etwa setzt dagegen mit ihrem Dienst Flinkster auf stationsbasiertes Sharing mit festen Stellplätzen.

Basis der Untersuchung

Für die Studie befragte die Unternehmensberatung unter anderem mehr als 1.000 Menschen in Deutschland, Großbritannien und den USA - die Hälfte davon waren Kunden eines Carsharing-Anbieters.