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StartseiteVerbrauchertippBei grünen Geldanlagen genau hinsehen26.11.2019

Nachhaltiges WirtschaftenBei grünen Geldanlagen genau hinsehen

Der Markt für nachhaltige Geldanlagen wächst, denn immer mehr Menschen wollen ihr Geld nicht nur anlegen, sondern damit auch noch etwas Gutes tun. Allerdings: Nicht überall, wo "nachhaltig" draufsteht, ist auch 100 Prozent Nachhaltigkeit drin. Daher sollte man vor Vertragsabschluss einiges beachten.

Von Tobias Volke

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Einige 50-Euro-Steine stecken in einem Blumentopf mit einer Sukkulente (picture alliance / dpa / Lehtikuva Marja Airio)
Viele Anleger wollen ihr Geld nicht mehr in Firmen investieren, die Waffen liefern oder der Umwelt schaden (picture alliance / dpa / Lehtikuva Marja Airio)
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Immer mehr Anleger möchten mit ihrem Geld keine Unternehmen unterstützen, die beispielsweise auf fossile Energieträger setzen oder die in Branchen wie Tabak- oder Waffenhandel aktiv sind. Deshalb wächst der Markt für nachhaltige Geldanlagen. Diese Kategorisierung ist jedoch gar nicht so eindeutig, erklärt Sara Zinnecker vom Verbraucherratgeber "Finanztip".

"Es ist sehr schwer genau zu definieren, was mit "nachhaltig" gemeint ist. Es gibt auch für die Fondsindustrie und die Investmentindustrie keine einheitliche Definition."

Es gibt eine breite Palette von mehr oder weniger nachhaltigen Anlageprodukten. "Finanztip" empfiehlt nachhaltige Indexfonds. Also nach bestimmten Mindestkriterien vorausgewählte und an einem Börsenindex orientierte Wertpapierbündel. Durch die breite Aufstellung sind diese sogenannten ETFs relativ risikoarm und versprechen eine gute Rendite. Allerdings liegt in ihrer Vielfalt auch der entscheidende Nachteil:

"Man braucht einen günstigen und genügend breiten Fonds. Und das ist dann genau die Krux, weil dann kann man eigentlich nicht mehr sagen, der ist wirklich 100 Prozent nachhaltig. Das heißt, Sparer müssen da einen gewissen Kompromiss eingehen, können dann also einen Fonds nehmen, der so grün wie möglich, aber noch so risikomindernd wie auch nötig ist."

Braunkohlenkraftwerk von RWE , Braunkohlekraftwerk, Neurath in NRW | Verwendung weltweit (chromorange) (chromorange)Nachhaltiges Wirtschaften – Gütesiegel für grüne Geldanlagen gesucht
Geld anlegen – aber nicht in Unternehmen, die mit Atomenergie, Rüstung oder Kinderarbeit in Verbindung gebracht werden. Solche nachhaltigen Geldanlagen liegen im Trend. 

Konkret heißt das, dass in einem als nachhaltig klassifizierten ETF beispielsweise auch Unternehmen wie McDonald’s oder Total auftauchen können.

Nachhaltigkeitsbanken bieten viele Vorteile

Wer sich nicht auf diesen Kompromiss einlassen will, ist bei den sogenannten Nachhaltigkeitsbanken besser aufgehoben. Sie können einem bei der Auswahl des entsprechenden Produkts helfen. Was diese Banken genau anders machen, erklärt Agnes Dieckmann vom gemeinnützigen Verein urgewald:

"Sie legen sehr viel strengere Kriterien an. Das sieht man letztendlich auch schon in der Bandbreite von Produkten, die sie haben, die gar nicht so breit sind, wie das bei konventionellen Banken ist."

Nachhaltigkeitsbanken legen großen Wert auf Transparenz. Für Anleger, bei denen soziale und ökologische Aspekte einen hohen Stellenwert einnehmen, sind sie laut Agnes Dieckmann eine gute Anlaufstelle.

"Grundsätzlich kann ich sagen: Vier Nachhaltigkeitsbanken gibt es auf dem deutschen Markt und alle vier haben gute Standards. Wo ich als jemand, der vielleicht auch nicht in die Tiefe einsteigen möchte sicher sein kann, dass hier nach strengen Anlagekriterien Geld angelegt wird."

Verbraucherschützer warnen vor Einzelinvestments

Wovon Verbraucherschützer abraten, sind Einzelinvestments wie Windpark- oder Wald-Aufforstungsprojekte. Es gibt meist keinen Rechtsanspruch auf die versprochene Rendite. Wenn man Pech hat, geht man am Ende leer aus – oder es kann noch schlimmer kommen:

"Wenn Sie Pech haben, müssen Sie sogar noch nachschießen. Das heißt, es könnte auch zu einem Totalverlust oder darüber hinaus auch noch zu einer Nachschusspflicht kommen, je nachdem, wie dieses Anlageprodukt rechtlich eingeordnet ist."

Mitdenken und abwägen

Man muss also abwägen, wie grün das Investment wirklich sein soll und vielleicht im Namen der eigenen Überzeugung auf ein paar Prozent Rendite verzichten. Risiko und Rendite müssen schließlich nicht nur finanziell gedacht, sondern könnten ja zum Beispiel auch auf langfristige Kosten durch Folgen der Klimakrise bezogen werden. Eine nachhaltige Geldanlage ist auf jeden Fall kein Selbstläufer. Mitdenken ist angesagt. Also stets kritisch zu hinterfragen, wo das Geld genau hingeht.

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