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StartseiteUmwelt und Verbraucher"Die Anbieter müssen sich dem Thema stellen"29.08.2018

Nachhaltigkeit in der betrieblichen Altersvorsorge"Die Anbieter müssen sich dem Thema stellen"

Menschenrechtsverletzungen, Kinderarbeit, Waffenproduktion - ob diese ethisch-ökologischen Aspekte bei der Geldanlage für die Altersvorsorge berücksichtigt werden, darüber bieten viele Anbieter nur unzureichend Informationen, findet Monika Pietsch von der Verbraucherzentrale Bremen. Viele Angaben seien "schwammig", sagte sie im Dlf.

Monika Pietsch-Hadré im Gespräch mit Georg Ehring

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Das gestellte Foto zeigt einen Rentenbescheid miot Euro-Geldscheinen und Euro-Geldmünzen, Illustrationsfoto zum Thema Renten, Geld, Alter, Einkommen vom 29.01.2007. Etwa jeder sechste Bundesbürger rechnet im Alter mit Armut. Gut jeder fünfte der heutigen Berufstätigen unter 30 Jahren erwägt dann die Auswanderung. Dies sind Ergebnisse einer neuen Umfrage zur Altersvorsorge in Deutschland. Laut Allensbacher Untersuchung im Auftrag der Postbank hat inzwischen jeder dritte Deutsche "gar kein Vertrauen" mehr in die Stabilität des staatlichen Rentensystems. Foto: Hans Wiedl +++(c) dpa - Report+++ | Verwendung weltweit (dpa-Zentralbild)
Bei der betrieblichen Altersvorsorge spielen oft ethische oder ökologische Kriterien bei der Geldanlage kaum eine Rolle (dpa-Zentralbild)
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Georg Ehring: Wieviel Rendite eine Geldanlage bringt, das lässt sich gut in Kennzahlen fassen. Auch für die Sicherheit gibt es Maßstäbe. Was unter nachhaltiger Geldanlage zu verstehen ist, darüber gehen die Ansichten auseinander. Umso wichtiger wäre es, wenn der Anbieter wenigstens im Kleingedruckten erläutert, was er darunter versteht. Die Verbraucherzentrale Bremen hat in dieser Beziehung die betriebliche Altersvorsorge unter die Lupe genommen. Das ist ja auch eine Form der Geldanlage. Am Telefon ist dazu Monika Pietsch von der Verbraucherzentrale Bremen. Guten Tag, Frau Pietsch.

Monika Pietsch-Hadré: Guten Tag, Herr Ehring.

Ehring: Wie konkret waren denn die Antworten?

Pietsch-Hadré: Da geht es eigentlich schon los, dass wir häufig von den Anbietern nicht konkrete Antworten bekommen. Zum einen kriegen wir dort manchmal keine Rückmeldung, und die Ergebnisse zeigten dann auch, dass die Antworten der Anbieter, die uns zurückgemeldet haben, was sie denn an Informationen bereitstellen zum Thema nachhaltige, ethisch-ökologische Kriterien, häufig sehr schwammig sind. Da wird häufig nur von allgemeinen Baustellen gesprochen, dass ethisch-ökologische Kriterien Berücksichtigung finden, wenn sie nicht der Rendite und Sicherheit entgegenstehen. So allgemein gesprochen ist das häufig, nicht konkret, und Verbraucher würden doch eigentlich manchmal ganz gerne sich was darunter vorstellen können, dass tatsächlich Kinderarbeit, Menschenrechtsverletzungen oder bestimmte Waffenproduzenten ausgeschlossen sind aus ihrer Geldanlage.

"Die Anbieter müssen sich dem Thema einfach stellen"

Ehring: Einige Anbieter haben Ihnen ja doch dann aber auch konkret geantwortet. Welche Kriterien berücksichtigen die denn?

Pietsch-Hadré: Die tatsächlich dazu Auskunft geben, Kriterien zu berücksichtigen, da geht es zuvorderst häufig um Waffen, vor allen Dingen geächtete Waffen. Das sind dann Bereiche oder Waffengattungen wie Landmienen und Streumunition. Dazu gibt es auch internationale Verträge, die die völkerrechtlichen Staaten unterschrieben haben, die solche Produzenten tatsächlich ächten. Da gibt es eine große Gemeinsamkeit, solche Produzenten nicht noch mit finanziellen Kapitalanlagen zu fördern. Natürlich ist auch der Bereich Menschenrechte, Arbeitsrechte und auch ganz wichtig Kinderarbeit ein großes Thema. Da ist man sich irgendwo in gewisser Weise einig, dass das tatsächlich nicht noch mit Kapital unterstützt werden soll.

Ehring: Was meinen Sie denn, ist das Thema wichtig für die Anbieter? Nehmen sie das wichtig?

Pietsch-Hadré: Darüber möchte ich jetzt keine konkrete Aussage treffen. Das ist teils teils. Es wird schon beachtet, es kommt immer mehr in die Diskussion mittlerweile, in die Öffentlichkeit. Es ist aber durchaus individuell. Es gibt manche Anbieter, die tatsächlich dieses Thema auf höchster Ebene im Vorstand, in der Geschäftsführung diskutieren, und ich finde auch, da gehört es hin. Es gibt wiederum auch Anbieter, die können mit dem Begriff nachhaltig, ethisch-ökologisch - die sitzen noch dort und denken darüber nach, was das denn bedeutet. Da ist die ganze Bandbreite vertreten. Allerdings ist durchaus auch ein Prozess angestoßen, durch verschiedene Initiativen auf EU-Ebene zum Beispiel, dass Geldanlagen und auch Versicherungsangebote, wo ja auch Geld angelegt wird, sich diesem Aspekt ethisch-ökologisch nachhaltige Ausrichtung mittlerweile immer mehr annehmen und dieses Thema immer mehr in die Diskussion kommt und sich Anbieter dem einfach stellen müssen. Da werden sie nicht drum herumkommen.

"Lebensmitteln, Landwirtschaft sind dem Verbraucher einfach näher"

Ehring: Wollen denn die Arbeitnehmer – das sind ja die Endkunden von Anbietern auch betrieblicher Altersvorsorge – das denn überhaupt so genau wissen?

Pietsch-Hadré: Ich würde sagen, seit der Finanzkrise vor zehn Jahren fragen Verbraucher sich ja immer mehr, was mit ihrem Geld passiert in Versicherungen und Geldanlagen der Banken. Insofern ist es durchaus in der Bevölkerung auch schon verankert. Aber tatsächlich ist es in vielen Bereichen oder vielfach noch ein bisschen ein Nischenthema, weil Geld und Versicherung ist für Verbraucher häufig etwas abstrakter. Es ist einfacher, mit Lebensmitteln, Landwirtschaft, biologisch oder wie wird was hergestellt, oder Kleidung. Das ist dem Verbraucher einfach näher und diese Geld-Versicherungs-Debatte, die ist dann einfach ein bisschen abstrakt. Deswegen ist es ganz wichtig, dass das Thema gepusht wird und in die Öffentlichkeit kommt. Da arbeiten wir auch dran. Wir haben ein Informationsportal seit einem Jahr online, www.geld-bewegt.de. Da sind all diese Ergebnisse und Erkenntnisse zusammengetragen worden und da gibt es auch einen Bereich Altersvorsorge, unter dem auch die Ergebnisse unserer jetzigen Arbeit zu finden sind, aber auch zu den anderen Themen in Bezug auf Geldanlage und ethisch-soziale Ausrichtung finden Verbraucher dort Informationen. Da müsste einfach viel mehr öffentlichkeitswirksame Arbeit wie auch durch eine Sendung wie Ihre passieren. Das wäre wünschenswert.

Ehring: Wenn ich als Arbeitnehmer Einfluss nehmen will, was kann ich tun?

Pietsch-Hadré: Als Arbeitnehmer? – Gerade zu dem Punkt betriebliche Altersvorsorge, muss man leider gestehen, haben Arbeitnehmer es nicht ganz einfach, denn der Arbeitgeber entscheidet darüber, welchen Anbieter er dort nimmt, mit wem er einen Vertrag schließt und dieses Angebot dann an seine Mitarbeiter weitergibt. Aber es ist ja nicht so, dass Mitarbeiter dann einfach nicht auch selbst handeln können, sich informieren können. Der Betriebsrat ist sicherlich ein guter Ansprechpartner. Betriebsrat und Gewerkschaften wären da sicherlich noch mal gefordert, wünschenswerterweise sich einzubringen. Arbeitnehmer können vielleicht als erstes sich informieren, was habe ich für ein Angebot, was ist das überhaupt, wer macht das und was bietet mir dieser Anbieter an Informationen zu dem Punkt sozial-ethische Kriterien. Entweder beim Anbieter selbst nachschauen auf der Webseite. Auch auf unserem Informationsportal finden Sie schon mal erste Hinweise, was es dort zu finden gibt, nämlich was wir gefunden haben, was uns mitgeteilt wurde.

Ehring: Ich muss Sie leider unterbrechen; die Zeit läuft uns ein bisschen davon. Herzlichen Dank! – Das war Monika Pietsch von der Verbraucherzentrale Bremen. Wir sprachen über Nachhaltigkeit bei der betrieblichen Altersvorsorge.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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