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StartseiteComputer und KommunikationWie intelligente IT das Klima schützen kann04.01.2020

NachhaltigkeitWie intelligente IT das Klima schützen kann

Digitale Technologien verbrauchen einerseits sehr viel Energie, bieten aber andererseits auch große Einsparpotenziale. Damit Letztere genutzt werden können, braucht es aber einen ganzheitlichen Ansatz. Die Technologie braucht die richtigen wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen.

Von Peter Welchering und Manfred Kloiber

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Mehrere Netzwerk-Kabelstecker leuchten in einer Netzwerkzentrale. (dpa)
Damit Technologie nachhaltig wirken kann, braucht es das richtige Umfeld (dpa)
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"Eine Zukunft, die davon abhängen wird, dass es uns gelingt, Wirtschaft und Gesellschaft innerhalb der planetaren Grenzen dieser ökologischen, globalen Ökosysteme zu gestalten. Die Digitalisierung stellt uns dafür mächtige Werkzeuge zur Verfügung."

Das sagt Stephan Ramesohl, Co-Leiter des Forschungsbereiches Digitale Transformation am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie. Gleichwohl stehen viele Umweltexperten der Digitalisierung recht zwiegespalten gegenüber. Denn der Einsatz von digitalen Werkzeugen kostet Energie und Rohstoffe, erzeugt eine Menge CO2 - bietet aber eben auch Einsparmöglichkeiten. Möglichkeiten, die man nutzen sollte, meint Stephan Ramesohl:

"Digitalpolitik ist im 21. Jahrhundert auch Nachhaltigkeitspolitik und muss auch als solche verstanden werden. Die Digitalisierung ist die mächtigste Transformationsdynamik dieses Jahrhunderts. Als werteorientierte Digitalisierung ausgestaltet, bietet sie die Chance, dass die Menschheit die Aufgaben lösen kann und die fundamentalen Systemtransformation angehen kann, die jetzt angepackt werden müssen. Eine Menschheit, die vielleicht vor dem kritischen Jahrzehnt ihre Entwicklungsgeschichte steht."

Informationstechnologie muss vernetzt gedacht werden

Damit IT helfen kann, eine weitere Erderwärmung zu vermeiden, muss sie aber ganzheitlich gedacht werden. Beispiel Plastikrecyling:

"In Deutschland werden bislang weniger als 20 Prozent des gesamten Ressourcen Bedarfs durch Kreislaufführung vermieden. Europaweit liegt der Anteil des Sekundärmaterials an der Kunststoffproduktion gerade mal bei sechs Prozent. Die Kommission beziffert oder schätzt die Wertverluste dieses Materials auf bis zu 100 Milliarden Euro. Für eine klimaschonende Ressourceneffiziente und letztendlich auch global wettbewerbsfähige Industrie müssen wir deswegen Stoffströme schließen und Datenströme schließen, um dadurch Wertschöpfungsketten komplett neu zu organisieren", sagt Ramesohl.

Joaquin Quiñonero Candela, Leiter der KI-Entwicklung bei Facebook (Foto: Facebook) (Foto: Facebook)KI-Experte / "Künstliche Intelligenz ist ein sehr mächtiges Werkzeug"
Immer mehr Verstöße gegen Facebooks Richtlinien würden mithilfe künstlicher Intelligenz aufgedeckt, sagte Joaquin Quiñonero Candela, Leiter der KI-Entwicklung bei Facebook, im Dlf. 

Für diese neue Organisation werden Plattformen benötigt. So arbeitet seit gut einem Jahr eine digitale Plattform sehr erfolgreich, die die Erzeuger und Recycler von Plastikprodukten zusammenbringt. Natürlich verbraucht so eine Plattform Ressourcen. Auch die datengesteuerte Müllsortieranlage verbraucht Ressourcen. Umweltexperten verlangen deshalb ganzheitliche und ressortübergreifende Konzepte, damit so eine Gesamtberechnung angestellt werden kann. Da haben Umweltexperten, Ökonomen und Informatiker auch bereits Modellrechnungen durchgeführt. Aber diese Modellrechnungen zeigen eben auch, dass Digitalisierung nicht nur als bloßes Bereitstellen von IT-Werkzeugen gesehen werden darf, sondern als soziotechnisches System.

Ruf nach einer vernetzten Regulierung

Denn von den RFID-Chips über die Barcodes zum Aufdruck, von den Scanning-Stationen bis hin zur Echtzeitdatenbank für die Sortieranlage, von den intelligenten Recycling-Mülltonnen bis hin zu den Handelsplattform für die sogenannten Sekundärrohstoffe ist alles an Informationstechnik vorhanden. Aber trotzdem führt das nicht zu einer besseren Wiederverwendung oder zum klimaschonenderen Umgang mit den Ressourcen.

Das liegt daran, dass die Informationstechnik dafür bislang immer isoliert gesehen wurde. Solange zum Beispiel der Müllexport immer noch die besseren Gewinne abwirft, auch weil die Gesetzeslage einfach so ist, wie sie ist, solange werden die informationstechnischen Werkzeuge einfach nicht oder nur sehr unzureichend eingesetzt. Deshalb wird auch der Ruf nach einer vernetzten Regulierung so laut, die unsere unterschiedlichen Lebensbereiche und somit ganz unterschiedliche Zuständigkeitsbereiche in der Politik verbindet.

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