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StartseiteUmwelt und VerbraucherClark: Niemand darf abgehängt werden04.06.2018

NachhaltigkeitsberichtClark: Niemand darf abgehängt werden

Der Rat für Nachhaltige Entwicklung lässt regelmäßig von außen begutachten, wie nachhaltig Deutschland ist. In diesem Jahr leitet die ehemalige neuseeländische Ministerpräsidentin Helen Clark die Expertengruppe. Anlass zur Sorge gebe vor allem, dass die soziale Schere in Deutschland immer weiter auseinandergehe.

Von Nadine Lindner

Die frühere neuseeländische Premierministerin Clark bewirbt sich um die Nachfolge von Ban Ki Moon als Generalsekretärin der UNO.
Die frühere neuseeländische Premierministerin Helen Clark ist Chefin einer Expertengruppe, die die Umsetzung von Nachhaltigkeitszielen der deutschen Politik überprüft.
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Er erscheint nur alle paar Jahre – der Peer Review Report des Rates für Nachhaltige Entwicklung. Er untersucht, wie gut - oder wie schlecht - Deutschland bei der Umsetzung seiner Nachhaltigkeitsziele, den sogenannte SDGs vorankommt. Hierbei geht es nicht nur um Umweltziele, sondern auch nachhaltige Sozial-, Finanz- oder Bildungspolitik. In diesem Jahr ist die ehemalige neuseeländischen Premierministerin Helen Clark Chefin der Expertengruppe.

Für sie gab es bei der Untersuchung, die heute in Berlin vorgestellt wird eine neue, überraschende Entwicklung: Die soziale Schere gehe auch in einem reichen Land wie Deutschland auseinander. "Es gibt die Sorge, dass mehr Menschen auch in Deutschland zurückgelassen werden. Wir müssen mehr in die Stärkung der sozialen Sicherungssysteme investieren, aber auch in die Qualität der Arbeit und die Höhe der Löhne. Damit niemand abgehängt wird", sagt Clark.

Nachhaltigkeit ist kein reines Umweltthema

Das betreffe sowohl Deutsche als auch Migranten oder Flüchtlinge. Das ist in sofern wichtig, als dass es bei der Nachhaltigkeitspolitik nicht nur um Umweltthemen, sondern auch wirtschaftliche und soziale Belange geht. Zu den deutschen Nachhaltigkeitszielen zählen unter anderem, dass Armut durch gute Löhne vermieden werden soll, der Welthandel fairer gestaltet werden soll oder die Artenvielfalt in der Landwirtschaft besser berücksichtigt werden soll.

Deutschland kann im internationalen Kontext eine Schlüsselrolle spielen, davon ist Helen Clark überzeugt: "Es hat die institutionellen Voraussetzungen, um das zu schaffen, Deutschland hat den Wohlstand, die Technologie und die Kreativität, um das zu schaffen. Aber es muss halt schneller gehen."

Wo es in Deutschland besonders hakt

Die deutsche Nachhaltigkeitsstrategie wurde im Jahr 2016 neu verfasst, und 2017 verabschiedet. Nun folgte die Evaluierung – das Peer Review – durch die Expertengruppe unter Helen Clarks Führung. Aber - so Clarks Appell an Regierungschefin Angela Merkel - die Bundesregierung müsse dafür sorgen, dass auch in den Ministerien mehr getan werde. "Wir hatten in der Expertengruppe das Gefühl, dass die Ministerien mehr für die Umsetzung der Ziele tun, dass sie mehr Verantwortung für ihr Handeln übernehmen müssen."

Der Staatssekretärsausschuss unter der Leitung des Chefs des Bundeskanzleramtes dient als zentrale Schaltstelle der Nachhaltigkeitsstrategie. Besondere Sorgenkinder gibt es in Deutschland auch. Dort hakt die Umsetzung der Ziele besonders. "Wenn man sich anschaut, wo die Strategie besonders negativ bei den Indikatoren abweicht. Das ist bei der Energie, Landwirtschaft, aber auch beim Verkehr und der Biodiversität." Hier müsse mehr für erneuerbare Energien getan werden. Bundeskanzlerin Merkel wird am Nachmittag bei der Jahreskonferenz des Rates erwartet.

Was die Bürger tun können

Der Rat für Nachhaltige Entwicklung wurde erstmals im April 2001 von der Bundesregierung berufen. Dem Rat gehören 15 Personen des öffentlichen Lebens an. Die Aufgaben des Rates sind die Entwicklung von Beiträgen für die Umsetzung der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie, die Benennung von konkreten Handlungsfeldern und Projekten. 

Damit der Begriff Nachhaltigkeit nicht nur abstrakt und sperrig bleibt, findet derzeit dazu eine Aktionswoche statt. Bürger sollen mit praxisnahen Projekten für einen nachhaltigeren Lebensstil begeistert werden, also zum Beispiel weniger Müll produzieren. Das geht zum Beispiel mit Ideen wie Kleidertausch oder Repair Cafés, um Elektrogeräte länger nutzen zu können. Denn schließlich könne auch jeder einzelne etwas tun.

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