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StartseiteVerbrauchertipp(Ver-)erben geht auch ohne Streit12.02.2020

Nachlass regeln(Ver-)erben geht auch ohne Streit

Dass es bei einer Erbschaft zu Streit kommt, ist gar nicht so selten. Dabei kann man als Erblasser einige Punkte beachten, damit sich die Kinder und Verwandten nach dem eigenen Tod immer noch in die Augen sehen können und auch das Erbe erhalten bleibt.

Von Susanne Lettenbauer

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Wie schreibe ich ein Testament? Zu sehen ist ein offener Füllfederhalter mit dem Schriftzug "Testament!" auf einem weißen Blatt Papier.  (imago / Panthermedia)
Wie schreibe ich ein Testament? (imago / Panthermedia)
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Testament Enterben ist nur im Extremfall möglich

Der wichtigste Punkt, um einen Streit in der Familie nach einem Todesfall zu vermeiden, ist erstmals grundsätzlich, dass überhaupt ein Testament geschrieben wird. Das sei heute noch immer nicht selbstverständlich, sagt Klaus Michael Groll, Erbrechtler aus München und Gründer des Forum Erbrecht: "Also was nach meinem Tod ist, ist mir egal, das ist nicht nur verantwortungslos, es ist auch lieblos, und ich meine auch, es ist ein Zeichen von Unkultur. 'Nach mir die Sintflut' - danach sollte wirklich niemand handeln."

Beachtet man einige Punkte, lassen sich Unstimmigkeiten recht gut vermeiden, so Anwalt Groll.

Punkt eins: "Hände weg vom Erbvertrag. Nur dann, wenn ich mir total sicher bin, dass diese Person auch wirklich Erbe werden soll, dann einen notariellen bindenden Erbvertrag schließen. mein Rat geht immer dahin: Machen Sie lieber ein Testament, denn das kann man jederzeit ändern."

Sogenannte Nacherben einsetzen

Und das sollte man auch, so der nächste Tipp. Denn Eigentum kann sich ändern, Beziehungen zu Verwandten oder Freunden können sich ändern.

Punkt zwei: Man sollte auf jeden Fall testamentarisch festlegen, dass es nicht zu einer Erbengemeinschaft kommt. Besser sei es, im Testament  bereits den Nachlass zu verteilen zum Beispiel dass eine Mutter ihr Haus dem einen Sohn und die Firma dem anderen Sohn vermacht, rät Groll: "Sollten die Gegenstände einen unterschiedlichen Wert haben, hat ein Geldausgleich zu erfolgen. Einigen sich meine Söhne über diese Werte nicht, entscheidet ein von der Industrie- und Handelskammer XY zu bestimmender Sachverständiger verbindlich. "

Es kann auch bestimmt werden, dass kein Geldausgleich stattfindet. Dagegen kann man als Erbe nicht vorgehen, so Groll. Man kann sowieso grundsätzlich nicht den handschriftlich oder von Erbrechtsanwälten erstellten Willen des Erblassers anfechten, betont der Rechtsanwalt. Punkt drei: Am besten bereits im Testament sogenannte Nacherben einsetzen:

"Ich muss in einem solchen Fall meine Tochter als sogenannte Vorerbin einsetzen im Testament und gleichzeitig bestimme ich einen Nacherben. Das heißt für den Fall, dass meine Tochter stirbt, geht alles, was ich ihr vererbt habe und dann noch da ist, an meine Enkel zum Beispiel. Oder an die Cousine, wie auch immer. Und nicht an den Schwiegersohn. Ja, selbst wenn meine Tochter ihren eigenen Mann enterben würde, hätte er ja einen Pflichtteil."

Testamentsvollstrecker billiger als Rechtsstreit

Die beste Möglichkeit, einem Streit von vornherein aus dem Weg zu gehen, ist die Einsetzung eines Testamentsvollstreckers, der bereits vorab schriftlich im Testament festgelegt werden muss, empfiehlt Erbrechtsexperte Groll. Dieser Vermittler sollte am besten kein Mitglied der Familie sein, das als befangen gelten könnte, sagt auch der Münchner Rechtsanwalt Anton Steiner: "Natürlich versuchen wir die Beteiligten an einen runden Tisch zu bringen und wenn das nicht gelingt oder wir den Eindruck haben, das würde den Streit noch verschärfen, dann eben Einzelgespräche mit jedem Beteiligten." Steiner ist seit 30 Jahren als Testamentsvollstrecker tätig.

Das Argument, ein Testamentsvollstrecker würde nur extra viel kosten, lässt Steiner nicht gelten. Ein Streit vor Gericht komme alle Parteien viel teurer und könne sich über Jahre hinziehen, gibt er zu bedenken.

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