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StartseiteKultur heuteNachlassverwalter der Kunstszene18.11.2012

Nachlassverwalter der Kunstszene

Tagung des Deutschen Künstlerbundes über den richtigen Platz für Künstlernachlässe

Wer als Künstler zu wenig Geld oder Publikum hat, dessen Nachlass ist nach seinem Ableben in Gefahr. Auf einer Tagung des Deutschen Künstlerbundes wurde versucht, Lösungen zu finden. Ein Beispiel ist das "Forum für Nachlässe" in Hamburg.

Von Carsten Probst

Nachlässe von Künstlern müssen begutachtet und bewertet werden, bevor sie verwaltet werden können.  (picture alliance / dpa / Victoria Bonn-Meuser)
Nachlässe von Künstlern müssen begutachtet und bewertet werden, bevor sie verwaltet werden können. (picture alliance / dpa / Victoria Bonn-Meuser)
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"Jeder Künstler möchte zunächst sein eigenes Atelier dort wo es steht, in eine Stiftung umwandeln, die von ganz vielen Leuten besucht wird, wo jeder Nagel dableibt, wo er hängt und wo jedes Bild an diesem Nagel auch hängen bleibt, so wie es hing. Dieses funktioniert überhaupt nicht."

Sagt Gerhard Pfennig, bis Ende letzten Jahres Vorsitzender der Verwertungsgesellschaft Bild-Kunst. Inzwischen sitzt er im Vorstand der einflussreichen Stiftung Kunstfonds, die seit 2010 ein Archiv für Künstlernachlässe im rheinischen Brauweiler bei Köln betreibt - ein Modellprojekt auf noch ziemlich unerforschtem Terrain. Denn Künstlernachlässe haben in der Regel, abgesehen von den wenigen Berühmtheiten, derer sich die Museen annehmen oder die sich eine eigene Stiftung leisten können, keine große Lobby.

Die Mühen, einen Künstlernachlass aufzuarbeiten, sind erheblich, die meisten rechtmäßigen Erben scheuen vor den damit verbundenen Zeit- und Geldbelastungen zurück, viele verfügen auch über nicht genügend Expertise für eine fachgerechte Aufbewahrung und Katalogisierung von Kunst. Das möchte Gerhard Pfennig ändern. Für das Nachlassarchiv in Brauweiler schwebt ihm für die Zukunft der Rang eines "Marbach für die Kunst" vor, eines Zentralarchivs, in dem unabhängig von künstlerischen Moden, die qualitativ beste Produktion archiviert werden kann. Künstler können formlose Anträge stellen, eine unabhängige Jury entscheidet. Und abgesehen von der Frage, wer denn die Qualität eines Nachlasses überhaupt "objektiv" zu beurteilen vermag, möchte Pfennig diese Archivierung auch in die Breite ausdehnen auf all jene Künstler, die vielleicht nicht jeder kennt, die aber regional durchaus ihre Bedeutung haben. Dafür wirbt er derzeit aktiv beim Kulturstaatsminister.

"Wir haben jetzt also mit Herrn Neumann über die Bedeutung eines Modellprojekts auf Bundesebene gesprochen, dass auch in Regionen Künstler eine ganz große Bedeutung haben. Und wir sind ja dabei, ein Netz aufzubauen, in dem wir solche regionale Bewusstwerdung für die Bedeutung von Künstlernachlässen fördern wollen. Da gibt es ja Ansätze im Saarland, in Heidelberg, in Berlin und in Potsdam, weil inzwischen doch das Bewusstsein steigt, dass man die Künstler und die Einschätzung von Kunst nicht allein dem Markt überlassen kann."

Da es immer mehr Künstler gibt und die Kunstproduktion ständig steigt, sind die öffentlichen Museen schon lange nicht mehr in der Lage, ganze Künstlernachlässe aufzunehmen. Viele Künstler wollen das auch gar nicht, weil sie den Methoden der Archivierung in Museen misstrauen. Oft genug verschwinden diese Nachlässe auf Nimmerwiedersehen in den Depots. Und natürlich gibt es auch immer noch jene ehrpusseligen Endsechziger, die ihre Kollektion selbstgemalter Strandaquarelle jedem Museum als gehobenes Kulturgut anbieten. Irgendwo zwischen diesen Polen von Qualität und Hobby agieren Institutionen wie das "Forum für Nachlässe" in Hamburg.

Man versteht sich als "Streetworker" in der Kunstszene. Rührend und professionell bemüht man sich, den oft verkannten, stillen, selten oder nie öffentlich gezeigten Künstlern ab der dritten Reihe eine angemessene Aufnahme ihres Lebenswerkes in Aussicht zu stellen, Ausstellungen zu organisieren, vielleicht gar den einen oder anderen Verkauf oder eine wissenschaftliche Bearbeitung zu ermöglichen.

Für manche, die nicht genug Geld haben, eine Stiftung in eigener Sache zu gründen, ein Hoffnungsschimmer, dass der eigene Name nach dem Ableben vielleicht doch nicht nur Schall und Rauch gewesen sein könnte. All jenen mit zu wenig Kapital für die Pflege des eigenen Angedenkens empfiehlt Verena Staats vom Bundesverband Deutscher Stiftungen ein Kooperationsmodell: ein Modell privater Künstlervorsorge, das in Zukunft auch Schule machen könnte.

"Was man sich wirklich vielleicht auch überlegen kann, ist, dass man sich mit anderen auch zusammentut, dass man vielleicht auch nur einen Teil des Werkes einbringt, auch wenn dann nicht der Wunsch erhalten bleiben kann, dass das Gesamtwerk erhalten bleibt und dass man sich zu Dritt zusammentut und auch das Vermögen zu Dritt zusammentut. vielleicht ist es dann einfacher, dass man dann auch den entsprechenden Zweck erfüllt. "

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