Sonntag, 20.09.2020
 
Seit 13:30 Uhr Zwischentöne
StartseiteSport AktuellViktor Tichonov gestorben24.11.2014

NachrufViktor Tichonov gestorben

Er ist eine Legende: Viktor Tichonov, langjähriger Trainer der sowjetischen Eishockeymannschaft. Unter seiner Führung wurde die Sbornaja zwischen 1978 und 1992 achtmal Weltmeister und dreimal Olympiasieger. Am Montag ist er in Moskau gestorben.

Von Gesine Dornblüth

Die sowjetische Nationalmannschaft hat am 28.04.1986 bei den 52. Eishockey-Weltmeisterschaften in Moskau für ein Gruppenfoto Aufstellung genommen: Untere Reihe v.l.n.r.: Jewgeni Beloscheikin, Andrei Chomutow, Sergei Makarow, Alexei Kasatonow, Cheftrainer Viktor Tichonov, Trainer Wladimir Jurzinow, Spielführer Wjatscheslaw Fetisow, Wladimir Krutow, Igor Larionow und Torhüter Sergei Mylnikow. Obere Reihe v.l.n.r.: Sinatulla Biljaletdinow, Viktor Tjumenew, Sergei Starikow, Alexei Kamenski, Sergei Jaschin, Sergei Swetlow, Anatoli Semjonow, Alexei Gusarow, Igor Stelnow, Michail Warnakow, Sergei Ageikin, Wassili Perwuchin, Juri Chmylew, Wladimir Konstantinow, Jewgeni Dawidow, Wjatscheslaw Bykow. (picture alliance / dpa / TASS)
Der Eishockey-Weltmeister von 1986 mit Cheftrainer Viktor Tichonov. (picture alliance / dpa / TASS)
Weiterführende Information

Das "Miracle on Ice"
(Deutschlandfunk, Sport am Wochenende, 20.02.2010)

Der Tod Viktor Tichonovs, der Trainerlegende des sowjetischen Eishockeys, ist der Aufmacher in vielen russischen Nachrichtensendungen. Seine Karriere war eng mit dem Armeesportclub ZSKA Moskau verbunden, dort begann er als Spieler, später wurde er dort Trainer, zugleich Trainer der sowjetischen Nationalmannschaft und Oberst der Sowjetarmee. Ein Reporter des russischen Staatsfernsehens bemerkte heute:

"Die militärischen Qualitäten haben ihm geholfen, die Ziele zu erreichen, die er sich und der Mannschaft gestellt hat."

Als Trainer knallhart

Die Fernsehbilder zeigen einen lächelnden, freundlichen Mann. Als Trainer aber war Tichonov knallhart, seine rüden Methoden nennen einige sogar diktatorisch. Widerspruch zwecklos. Über seine Zeit Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre bei dem Eishockeyclub Daugava Riga in der damaligen lettischen Sowjetrepublik sagte Tichonov dem russischen Fernsehsender NTW einmal:

"Ich ging durch Riga. Da traf ich einen der Gewerkschaftschefs. Ich zog den Hut. Er sagte: Viktor Vasiljewitsch, ich höre, was Sie den Spielern alles zumuten. Das ist schrecklich. Unsere Letten sind das nicht gewöhnt. Ich habe nur gefragt: Warum haben Sie mich dann als Trainer eingeladen? Sie wollen ja wohl, dass die Mannschaft aus der zweiten in die erste Liga aufsteigt."

Clubs aus aller Welt wollten ihn

Die Erfolge schienen ihm Recht zu geben. Mit der sowjetischen Nationalmannschaft wurde Tichonov acht Mal Weltmeister, drei Mal Olympiasieger, zehn Mal Europameister. Kein Wunder, dass Clubs aus aller Welt versuchten, ihn abzuwerben. Auch aus der NHL.

"Wie hätte ich das annehmen können? Ich bin Russe. Mein Vater ist hier gefallen. Meine Mutter hat mich allein großgezogen. Das Land hat mir alles gegeben."

Dann gab es das Land nicht mehr. Die Sowjetunion brach auseinander, und damit auch Tichonovs autoritäres Trainingssystem. Denn viele Spieler gingen nun in die NHL. Der Abstieg ließ nicht lange auf sich warten. Als die russische Eishockeymannschaft bei den Olympischen Winterspielen 1994 nur auf den vierten Platz kam, musste Tichonov gehen. Ein kurzes Comeback 2004 scheiterte. Viktor Tichonov ist im Alter von 84 Jahren an einer Herzkrankheit gestorben.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk