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StartseiteHörspielkalenderNachrufe im Juni14.06.2003

Nachrufe im Juni

Zum Tode von Gerhard Rentzsch, Friedrich W. Bauschulte und Dieter Carls

Er sei "ein reizender Bursche: begabt, witzig, mit Esprit" – so beschrieb Brigitte Reimann den am 1. Juni 2003 verstorbenen Gerhard Rentzsch in ihrem Tagebuch. Wie Heiner Müllers und Rolf Schneiders Radioarbeit, Bernd Schirmers und Manfred Bielers akustisches Wirken hat Gerhard Rentzsch auch ihr hörspielerisches Werden nachhaltig betreut. Geboren wurde der Sohn eines Milchfahrers im Jahr 1926 in Leipzig, wo der gelernte Schreiner, Schlosser, Buchhändler und Lehrer im Alter von 22 Jahren als Autor auffiel und von der Literaturabteilung des örtlichen Senders zur Mitarbeit aufgefordert wurde. Im Jahr 1952 ging er nach Berlin und avancierte zum Chefdramaturgen – für knapp neun Jahre. Denn nach dem 11. Plenum des ZK der SED im Dezember 1965 musste Gerhard Rentzsch seinen Chefsessel aus politischen Gründen wieder räumen. In seiner Zusammenarbeit mit zahlreichen Autoren erwarb er sich den Ruf, ein Nestor des ostdeutschen Hörspiels gewesen zu sein. Seine Stücke schildern häufig die Welt der kleinen Leute. Zu den bekanntesten zählen "Altweibersommer"(1960), "Nachtzug" (1962), Jugendweihe" (1976), "Darf ich wieder zu Napoleon? Nachmittagsplaudereien aus St. Helena" (1985), "Traudel und Luise" (1991) und seine 1989 begonnene Reihe "Augenblickchen", deren sechster und letzter Teil 2001 für MDR Kultur entstand.

Agnieszka Lessmann und Frank Olbert

Die Professor-Van-Dusen-Fangemeinde trauert um Friedrich W. Bauschulte. Vor allem in dieser Rolle hat sich der 1923 geborene Schauspieler eine Anhängerschaft erobert, die den Titelhelden der gleichnamigen Hörspielserie geradezu in den Kultstatus erhob. Bauschulte war nicht allein als Hörspielstimme präsent. Er wirkte in zahlreichen Fernseh-Produktionen mit, stand auf der Bühne und war auf der Leinwand zu sehen. Die markante Stimme aber war es, die zu seinem Markenzeichen wurde – Bauschulte war in ungezählten Radiostücken zu hören, aber auch als Synchronsprecher bei TV-Ereignissen wie "Die Straßen von San Francisco", für die er Karl Malden seine Stimme lieh. Im Alter von 80 Jahren ist Bauschulte vor wenigen Tagen gestorben.

Mit dem Hörspiel "Wer Sie sind" errang Peter Jacobi im Jahr 1988 den Hörspielpreis der Kriegsblinden. Regisseur des Stückes war Dieter Carls, der vor drei Wochen verstorben ist – "plötzlich und unerwartet", wie es heißt. Seit 1960 arbeitete Carls für den Westdeutschen Rundfunk, wo er nicht nur zahlreiche Hörspiele und Krimis umsetzte, sondern auch als Dramaturg und zeitweise als stellvertretender Abteilungsleiter wirkte. Er wurde 64 Jahre alt.

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