Thema 20.11.2020

Nachweis über COVID-19-ErkrankungCoronatest: Wie man sich freiwillig testen lassen kann

Eine Frau lässt sich testen (picture alliance/Geisler-Fotopress/Christoph Hardt)In Deutschland gibt es laut RKI im Moment mehr als eine Million Coronatests pro Woche (picture alliance/Geisler-Fotopress/Christoph Hardt)

Es gibt viele Gründe, sich freiwillig und ohne Symptome oder Verdacht auf eine Corona-Erkrankung testen zu lassen. Doch wie geht das? Welche Tests sind auf dem Markt, was kosten sie und wo kann man sich testen lassen? Ein Überblick.

Kürzlich sind die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts an Ärzte, wer auf Sars-CoV-2 getestet werden soll, geändert worden. Dies wurde auch mit der Zunahme von banalen Erkältungskrankheiten im Herbst und Winter begründet - es könne angesichts begrenzter Kapazitäten in den Laboren nun nicht jeder Patient mit Schnupfen getestet werden. Nun liegt ein besonderer Fokus auf Patienten mit Symptomen wie etwa Lungenentzündung oder Geruchs- und Geschmacksverlust.

Die Bundesregierung hat eine für die Herbst- und Wintermonate aktualisierte nationale Teststrategie vorgelegt.

Coronavirus (imago / Rob Engelaar / Hollandse Hoogte)Übersicht zum Thema Coronavirus (imago / Rob Engelaar / Hollandse Hoogte)

Welche Coronatests gibt es, und wie laufen sie ab?

Es gibt weltweit mehr als 350 verschiedene Tests, die sich grob in drei Kategorien gliedern lassen: PCR-, Antigen- und Antikörpertest.

1. PCR-Test: Der PCR-Test gilt als "Goldstandard" unter den Tests. Die Proben werden in speziellen Laboren ausgewertet und weisen das Erbgut des Erregers SARS-CoV-2 direkt nach. PCR-Tests gelten als sehr empfindlich, aufwändig, teuer, aber auch als langsam. Schneller geht es mit mobilen Geräten vor Ort als Schnelltest.  

2. Antigentest: Ein Antigentest funktioniert wie ein Schwangerschaftstest: Er forscht nach bestimmten Eiweiß-Molekülen, die charakteristisch für die Viren sind, und zeigt das Ergebnis auf einem Teststreifen an. Das geht schneller als bei einem PCR-Test. Antigentests werden schon als Schnelltests in Kliniken eingesetzt und können etwa auch in Seniorenheimen zum Einsatz kommen.

3. Antikörpertest (serologische Tests, ELISA): Ein Antikörpertest sucht Antikörper im Blut, die spezifisch gegen ein Virusprotein gerichtet sind. Dadurch lässt sich feststellen, ob der Körper eine Infektion durchgemacht hat. Die Blutprobe wird im Labor ausgewertet, kann als Schnelltest aber auch auf eine Testkassette gegeben werden, die sich bei positivem Befund verfärbt.  

Krankeschwester und Röhrchen für PCR-Tests auf COVID-19 (imago / ANE) (imago / ANE)PCR, Antigen, Antikörper - Vor- und Nachteile der Coronatests
Es gibt derzeit sehr viele Tests auf SARS-CoV-2. Manche sind sehr empfindlich und schlagen möglicherweise auch dann an, wenn Patienten gar nicht mehr ansteckend sind. Neue Varianten sind schneller, aber auch ungenauer.

Abstrich, Gurgeln, Blutprobe

Bei PCR- und Antigentest werden Proben aus dem Rachen entnommen: Geschultes, medizinisches Fachpersonal entnimmt Sekret aus dem Rachenraum, indem es spezielle Wattestäbchen weit in den Mund und beide Nasenlöcher einführt. Eine angenehmere Alternative bietet die Gurgel-Methode mit Kochsalzlösung, bei der das wieder ausgespuckte Gurgelwasser untersucht wird. Beim Antikörpertest wird eine Blutprobe entnommen.

Eine Frau trinkt einen Schluck Wasser (gestellte Szene) (picture alliance/ Christin Klose) (picture alliance/ Christin Klose)Coronatest: Gurgeln statt Rachenabstrich
Angenehm ist der Coronatest nicht, bei dem einem mit einem Wattestäbchen ein Abstrich aus Nase und Rachen genommen wird. Bequemer wäre es zu gurgeln - und das Gurgelwasser auf SARS-CoV-2 testen zu lassen. 

Wie zuverlässig sind die Coronatests jeweils?

Die Tests, allen voran der PCR-Test, gelten laut RKI als sehr zuverlässig. Die Hersteller geben eine Genauigkeit von über 99 Prozent an - ganz fehlerfrei sind sie damit nicht. 

Der PCR-Test ist so empfindlich, dass er selbst geringste Bruchstücke von SARS-CoV-2 nachweisen kann - selbst wenn der Patient nicht mehr ansteckend ist. Der unempfindlichere Antigentest liefert dagegen vor allem die Antwort auf die Frage, ob der Patient zum Testzeitpunkt ansteckend ist oder nicht. Sich gerade erst anbahnende Infektionen könnte er aber übersehen. Ein Antikörpertest könnte auch bei Antikörpern Alarm schlagen, die der Körper gegen ein anderes Coronavirus gebildet hat. Auch der Zeitpunkt ist entscheidend: Der Körper weist erst nach einiger Zeit Antikörper auf. 

Auf dem Markt tummeln sich zudem viele Schnelltests, die mit dem europäischen CE-Zeichen versehen sind, obwohl es kaum klinische Studien gibt, die ihren medizinischen Nutzen belegen. Zudem können bei der Probeentnahme, der Lagerung oder dem Transport (menschliche) Fehler passieren.  

Coronavirus-Testauswertung in einem Labor in Geesthacht in Schleswig-Holstein. Eine Person mit blauen Schutzhandschuhen befüllt Teströhrchen. (dpa/Daniel Bockwoldt) (dpa/Daniel Bockwoldt)COVID-19-Erkennung: Was Schnelltests können und was sie wirklich aussagen
Dlf-Wissenschaftsexperte Joachim Budde erklärt, welche Corona-Schnelltests es gibt, wo die Unterschiede liegen und wie zuverlässig solche Tests überhaupt sind.

Wo kann man sich testen lassen?

Wer typische Symptome oder Kontakt zu Infizierten hatte, sollte sich telefonisch beim Hausarzt, unter der Nummer 116 117 (ärztlicher Bereitschaftsdienst) oder beim Gesundheitsamt melden. Nicht alle Arztpraxen führen Coronatests durch. Alternativ gibt es Corona-Testzentren und andere örtliche Test- und Abstrichzentren etwa an Flughäfen, Bahnhöfen, Universitätskliniken. Auch Gesundheitsämter und bestimmte Labore führen Tests durch. Diese bieten teilweise sogar "Drive-in-Testungen" an, bei denen man im Auto sitzen bleiben kann.

Im Internet kursieren ebenfalls etliche Angebote für Produkte für den Hausgebrauch. Diese Test-Kits erhalten Tupfer für den Abstrich oder auch Blutlanzetten für die Blutprobe. Von solchen "Do-it-yourself-Tests" raten das Bundesgesundheitsministerium und die Verbraucherzentrale ab. Die Fehlerquote bei selbst entnommenen Tests ist hoch, das Ergebnis könnte durch unsachgemäßen Transport oder den falschen Zeitpunkt der Probeentnahme verfälscht werden.

Antigen-Schnelltests gibt es mittlerweile auch in der Apotheke. Sie sind aber dort nicht frei verkäuflich: Das Infektionsschutzgesetz besagt, das alle Infektionskrankheiten wie COVID-19 gemeldet werden müssen - und zwar durch medizinisches Personal.

Schnelltests könnten in Zukunft aber auch vor Ort eingesetzt werden - in Seniorenheimen, bei Konzerten, vor Fußballstadien oder an Flughäfen. 

Wer bezahlt den Coronatest?

Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt laut der Testverordnung des Bundesgesundheitsministers die Kosten für bestimmte Personengruppen. Die genauen Personengruppen finden sich auf der Internetseite des Bundesgesundheitsministeriums.

Lässt man sich freiwillig testen, muss man die Kosten von um die 100 Euro selbst tragen. In der Praxis bieten Labore, die viele Tests gleichzeitig untersuchen können, günstigere Preise an. Es gibt allerdings auch deutlich teurere Angebote.  

Wie lange dauert es, bis man ein Ergebnis bekommt?

In den meisten Fällen erhält man innerhalb von 24 Stunden ein Ergebnis. Klassische PCR-Tests müssen in Laboren ausgewertet werden, das dauert drei bis vier Stunden. Ein Bluttest dauert ungefähr eine Stunde.

Die Labore übermitteln das Ergebnis dann an die jeweiligen Arztpraxen, Abnahmestellen oder Kliniken, diese wiederum informieren den Patienten. Das kann insgesamt je nach Probenaufkommen - vor allem bei negativen Ergebnissen - mitunter Tage dauern. Eine schnellere Kommunikation bietet das Internet: Testergebnisse sind mittlerweile oft online abrufbar, werden per SMS an das Handy geschickt oder sogar in Echtzeit per App übermittelt. 

Biologin mit Schutzkleidung bei einem COVID-19-Test im Labor (Eyepix / Cover Images) (Eyepix / Cover Images)Corona-Schnelltests: Kein Umweg mehr übers Labor
Antigen-Schnelltests sind weniger empfindlich als die diagnostischen PCR-Tests aus dem Labor. Nach Einschätzung des Kölner Medizinprofessors Bernhard Schermer könnten sie aber eine schnelle und kostengünstige Alternative sein.

Noch schneller geht es mit dem PCR-Schnelltest, dort könnte das Ergebnis theoretisch innerhalb einer Dreiviertelstunde vorliegen. Der Schnelltest ist allerdings nicht massentauglich. Antigentests könnten bereits innerhalb einer Viertelstunde ein Ergebnis liefern und sind damit auch vor Ort gut einsetzbar.

Ein US-Unternehmen kündigte im November einen Selbsttest an. Der soll so funktionieren: Man steckt sich einen Tupfer in beide Nasenlöcher und reibt damit über die Schleimhäute. Dann rührt man mit der Tupferspitze in einem Fläschchen mit Flüssigkeit und steckt den Behälter in ein batteriebetriebenes Testgerät. Der kleine Apparat vervielfältigt mit dem sogenannten LAMP-Verfahren das Viren-Erbgut – unsichtbar im Innern. Nach 30 Minuten zeigt das Gerät das Ergebnis mit einem Lämpchen an: Grün, wenn es fündig wurde, rot bei Fehlanzeige.

Die Methode ähnelt zwar dem PCR-Verfahren, doch der neue Schnelltest ist deutlich weniger empfindlich, verspricht der Hersteller. Vom Frühling 2021 an soll der Test überall in den USA für 50 US-Dollar erhältlich sein. Ob der Test auch in Deutschland erhältlich sein wird, ist noch unbekannt.

 

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