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StartseiteUmwelt und VerbraucherErste deutsche Hersteller nutzen die Lebensmittelampel11.02.2019

Nährwertkennzeichnung Nutri ScoreErste deutsche Hersteller nutzen die Lebensmittelampel

Auf den Produkten von Iglo, Danone und bofrost wird bald die Nutri Score-Kennzeichen zu sehen sein. Diese neue Lebensmittelampel zeigt dem Verbraucher auf einen Blick, wie es um den Nährwert des Joghurts oder Fischstäbchens bestellt ist. Leider nur auf freiwilliger Basis.

Von Anja Nehls

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Eine Packung Cornflakes, ein Zeigefinger deutet auf die Farbflächen des Nutri-Score-Aufdrucks. Die mittlere Kategorie "C" (gelb) ist hervorgehoben.  (imago/Reporters)
Das wissenschaftlich begleitete Modell Nutri Score wurde vergangenes Jahr in Frankreich auf freiwilliger Basis eingeführt (imago/Reporters)

Das Nutri Score Kennzeichen auf den Iglo Fischstäbchen ähnelt dem für den Energieverbrauch eines Kühlschranks. Eine Skala von Grün über gelb nach rot, unterlegt mit Buchstaben von A bis E. Auf den Fischstäbchen ist das hellgrüne B hervorgehoben. Noch besser wäre nur ein grünes A, bei einem roten E sollte man zumindest nicht zu oft zugreifen, sagt Luise Molling von Foodwatch:

"Also der Nutri Score funktioniert so, dass er eher günstige Nährwertbestandteile, also wie Ballaststoffe, wie Eiweiß mit eher ungünstigen Nährwerten verrechnet, also zum Beispiel Zucker, Fett und Salz und daraus ergibt sich dann ein Gesamtscore, der wiederum übersetzt wird in eine farbliche mit einem Buchstaben unterlegte Kennzeichnung. Man sieht quasi auf einer Farbskala wie gut das gesamte Nährwertprofil eines Produktes ist."

Iglo, Danone und bofrost wollen Ampel übernehmen

Sowohl Iglo als auch Danone und der Tiefkühlgerichtelieferant bofrost wollen ab Beginn dieses Jahres nach und nach die sogenannte Nutri Score-Ampel auf ihren Produkten verwenden, erklärt Stefan Stohl von Danone:

"Wir werden innerhalb der nächsten zwei Jahre, das ist auch Vorgabe von dem Lizenzgeber, also von Nutri Score, werden wir alle Produkte kennzeichnen, wir tun das einfach sukzessive sobald eine Packung überarbeitet wird oder ein neues Produkt eingeführt wird, dann kommt automatisch Nutri Score drauf. Hintergrund ist einfach der, wir wollen nicht Packungen, die schon existieren, wegwerfen, da hat niemand was davon - am wenigsten die Umwelt."

Das wissenschaftlich begleitete Modell wurde vergangenes Jahr in Frankreich auf freiwilliger Basis eingeführt und dort bereits von zahlreichen Unternehmen übernommen. Nun ziehen die ersten Anbieter in Deutschland nach, der Wunsch der Verbraucher sei ausschlaggebend gewesen, so heißt es bei Danone. In diesem Berliner Supermarkt ist heute noch kein Produkt mit der Nutri Score Kennzeichnung zu finden, aber eine Dame, die Joghurt am Kühlregal sucht, findet die Idee gut:

"Weil man da zumindest einen groben Überblick hat, ob das Lebensmittel für einen infrage kommt oder nicht, weil man da zumindest ungefähr weiß, wieviel Fett und Zucker da drin ist, ob es ganz ungesund ist oder ob es halbwegs gesund ist. Und ich finde es total wichtig, denn so wie es jetzt in Deutschland hier läuft, muss ich mir regelmäßig die Lesebrille rausnehmen und genau nachgucken, was da nun eigentlich drin ist und ich habe auch keine Lust, sämtliche Lebensmittel immer zu vergleichen."

Foodwatch für Einführung in ganz Europa

Auch Foodwatch begrüßt den Vorstoß der ersten Hersteller in Deutschland, fordert aber, dass nun alle Anbieter nachziehen, damit der Verbraucher am Regal leichter vergleichen kann. Eine verbindliche Einführung des Nutri Scores auf europäischer Ebene sei wünschenswert. Nur das Kleingedruckte mit den Nährwerten auf der Verpackungsrückseite sei für Laien wenig hilfreich, so Luise Molling:

"Also Sie wissen ja gar nicht, was ist denn nun ein hoher Zuckergehalt in meinem Fruchtmüsli und was ist ein niedriger Zuckergehalt. Und mit dem Nutri Score können Sie nun auf einen Blick sehen zum Beispiel, oh der Joghurt hat ein B und der andere hat ein D, sind beide Erdbeerjoghurts, sehen beide gleich aus, aber Sie können auf einen Blick erkennen, dass der eine eben ausgewogener ist als der andere einfach, weil er weniger Zucker und weniger Fett enthält."

Ein reiner Naturjoghurt hätte zum Beispiel ein A, aber auch die früher mitunter heftig kritisierten Fruchtzwerge Joghurts für Kinder bekommen in Zukunft eine Kennzeichnung, betont Stefan Stohl. Die Idee sollte konsequent umgesetzt und die Produkte dann entsprechend verbessert werden:

"Fruchtzwerge ist ein ganz spannendes Beispiel weil wir in den letzten Jahren, Jahrzehnten das Produkt erheblich überarbeitet haben, wir haben den Zuckergehalt extrem gesenkt, wir haben den Fettanteil extrem gesenkt und das würde genau aus diesem Grund ein B bekommen, also eine gute Bewertung."

Nutri Score funktioniert auf freiwilliger Basis

Der Dany Schokopudding mit Sahne bekommt je nach Sorte dann ein C oder D. Der Iglo Blattspinat mit Frischkäse hat ebenfalls ein C, genauso wie die Teigtaschen Käse Schinken Plätzli. Viele Produkte seien zu recht relativ gut bewertet, weil zum Beispiel Fett erst beim Zubereiten hinzugefügt wird, z.B. beim Frittieren von Pommes oder beim Braten von Fischstäbchen, sagt Luise Mollig von Foodwatch.

Selbst der Riesengermknödel aus Hefeteig mit Pflaumenmus, Mohn und Zucker von Iglo bekommt ein B. Ein wenig empfehlenswertes E gibt es bei den Herstellern, die bei Nutri Score mitmachen, bisher nicht. Und wer zum Beispiel Schokoriegel produziert, die ein E bekommen müssten, verwendet den Nutri Score bisher eben lieber gar nicht.

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