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StartseiteHintergrundHoffnungslos in Gaza, verloren in Israel15.08.2015

NahostHoffnungslos in Gaza, verloren in Israel

2004 beschloss der damalige israelische Premierminister Ariel Sharon, jüdische Siedler aus dem Gazastreifen zu evakuieren. Viele waren damit nicht einverstanden und protestierten dagegen. Der sogenannte Trennungsplan war ausdrücklich einseitig, ohne Absprache und ohne Zusammenarbeit mit der palästinensischen Autonomiebehörde. Ein Blick zurück - und in die Zukunft des Gazastreifens.

Von Bettina Marx und Christian Wagner

(dpa/picture alliance/Jim Hollander)
Soldaten bei der Zerstörung eines von jüdischen Siedlern bewohnten Hauses in Gush Katif (dpa/picture alliance/Jim Hollander)
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Unterwegs im südlichen Gazastreifen. Zu beiden Seiten des Feldwegs erstrecken sich Obsthaine und Gemüseanbauflächen.

"Hier werden Paprika angepflanzt. Das hier war mal die Siedlung Gadid; dort drüben sind Mangobäume."

Fast nichts mehr erinnert hier an den Gush Katif, den israelischen Siedlungsblock im südlichen Gazastreifen. Nichts ist übrig von den hübschen und gepflegten kleinen Siedlungen mit ihren schmucken Einfamilienhäusern, Schulen, Schwimmbädern und Synagogen. Da, wo sie einst standen, breiten sich heute Felder aus: Obstbäume, Hühnerfarmen und Kuhställe. Am Straßenrand erheben sich die neuen Gebäude von drei Universitäten und in der Ferne die halb fertig gestellten Wohnblocks von Hamad City. Dieses Wohnviertel, das der Emir von Katar den Palästinensern geschenkt hat, soll tausenden Bewohnern Unterkunft bieten.

Früher lebten hier, im fruchtbarsten Teil des winzigen Gazastreifens, zwischen 5.000 und 8.000 israelische Siedler, die hauptsächlich in der Landwirtschaft beschäftigt waren. Doch im Jahr 2004 entschied der damalige Ministerpräsident Ariel Sharon die Siedlungen im Gazastreifen aufzugeben und in einer einseitigen Operation zu evakuieren.

"Wir haben uns entschieden, den Gazastreifen zu verlassen. Das ist eine Gegend, in der wir keinerlei Aussicht haben, eine jüdische Mehrheit zu etablieren. Es ist allen klar, dass der Gazastreifen in keiner endgültigen Lösung ein Teil des Staates Israel sein wird. Ich habe diese Trennung initiiert, denn sie ist das beste Mittel, die nationale Lage Israels zu verbessern."

Proteste von jüdischen Siedlern beim Rückzug aus Gush Katif 2005 (dpa/picture alliance/Stefan Zaklin)Proteste von jüdischen Siedlern beim Rückzug aus Gush Katif 2005 (dpa/picture alliance/Stefan Zaklin)

Gazastreifen: Keine Aussicht jüdische Mehrheit zu etablieren

Im August 2005 wurden die insgesamt 17 Siedlungen des Gazastreifens innerhalb von nur zwei Wochen geräumt, gegen den erbitterten Widerstand ihrer Bewohner.

Muhammad El Shaaer, heute 38, erinnert sich an die aufwühlenden Tage, als die Siedler verschwanden und die Palästinenser erstmals das Gebiet der ehemaligen Siedlungen betreten durften.

"Das war ein unvergesslicher Tag, es war ein unbeschreibliches Gefühl. Ich war damals 28 Jahre alt und hatte nie eine Siedlung von innen gesehen. Die Leute sind um 6 Uhr morgens in die geräumten Siedlungen gestürmt, denn wir wollten alle das sehen. Wir haben drei Kilometer entfernt gewohnt und wussten nicht, was da los war. Es war unbeschreiblich."

Heute ist Muhammad El Shaaer Generaldirektor der "Behörde für die befreiten Gebiete". Er sitzt an seinem Schreibtisch im ehemaligen Kindergarten, einem der wenigen Gebäude, die nicht abgerissen wurden. Er bedauert, dass die Siedlungen damals zerstört wurden. Wir hätten doch die Gebäude gut gebrauchen können, sagt er.

"Es wäre besser gewesen, wenn man die Siedlungen nicht zerstört hätte. Man hätte das nutzen können. Hier, wo wir jetzt sitzen, war der Kindergarten. Ja, es wäre besser gewesen, man hätte die Gebäude erhalten."

Doch die Israelis weigerten sich ihren Abzug mit den Palästinensern zu koordinieren. Der sogenannte "Trennungsplan" war ausdrücklich ein einseitiger Plan, ohne Absprache und ohne Zusammenarbeit mit der palästinensischen Autonomiebehörde, die bis zu den Wahlen von 2006 noch von Fatah dominiert war. Nur mit Mühe gelang es dem damaligen Sondergesandten des Nahostquartetts, James Wolfensohn, die zurückgelassenen Gewächshäuser des Gush Katif für die Palästinenser zu retten. Er setzte dafür sogar sein Privatvermögen ein.

"Viele der Gewächshäuser werden heute noch genutzt. Aber viele stehen auch leer, weil die Bauern, die sie gepachtet haben, sie aus wirtschaftlichen Gründen nicht nutzen können. Es lohnt sich für sie nicht, denn sie können nichts exportieren. Die Gewächshäuser nutzen wir nur für den Gemüseanbau; auf dem freien Land betreiben wir Obstanbau, hauptsächlich Mango, Zitronen und verschiedenes anderes Obst."

Das meiste Land, das durch den Abzug der Siedler frei wurde, wird heute von Kleinbauern oder Genossenschaften bewirtschaftet. Sie pachten es von der Regierung und bauen dort Gemüse und Gewürze an. Der Obstanbau dagegen liegt in staatlicher Hand. Produziert wird nur für den lokalen Markt, denn die Grenzen sind zu und die Produkte können nicht exportiert werden.

Zur Bewässerung zapfen die Bauern den sogenannten Küstenaquifer an, die Wasserader unter dem Gazastreifen. Er ist jedoch durch Übernutzung und durch Eindringen von Meerwasser weitgehend versalzen und daher fast unbrauchbar.

Boden im Gazastreifen unfruchtbar

Die Bauern von Mawassi, dem Marschland am Meer, spüren das am eigenen Leib, so wie der Familienvater Wael.

"Nach ein paar Jahren kann man den Boden nicht mehr benutzen, denn der Salzgehalt nimmt ständig zu. In dieser Gegend haben wir ungefähr 600 Dunam verloren."

Wael zeigt auf das ausgelaugte und öde Stück Land neben seinem Haus. Hier wächst nichts mehr. Heute eignet sich das Land nur noch als Bauland.

Doch auch Beton und Eisen werden von dem Salz stark angegriffen. Die meisten Häuser sind schon nach kurzer Zeit wieder abbruchreif. Welche Zukunft haben die Menschen hier vor Augen? Gar keine, sagt Wael resigniert.

"Landwirtschaft geht nicht mehr. Wir haben nicht mal Wasser zum Trinken. Die Kinder haben keine Zukunft, Null."

Landwirtschaftliche Produkte anzubauen ist im Gaza-Streifen kaum möglich (Deutschlandradio/Landov Mohamad )Landwirtschaftliche Produkte anzubauen ist im Gaza-Streifen kaum möglich (Deutschlandradio/Landov Mohamad )

Wie also soll es weitergehen mit dem Gazastreifen, zehn Jahre nach dem Rückzug der Israelis? Mit einer wachsenden Bevölkerung und schwindenden Ressourcen? Die Vereinten Nationen sagen voraus, dass das schmale Gebiet ab dem Jahr 2020 nicht mehr bewohnbar sein wird. Der Journalist Talal Okal ist überzeugt, dass Israel schon einen Plan hat.

"Ich denke Katar, die Türkei und Saudi-Arabien werden mit Finanzspritzen dafür sorgen, dass der Streifen überlebt. Im politischen Denken Israels gibt es schon lange eine Idee, den Gazastreifen Richtung Sinai zu erweitern. Diese Idee war mit den Moslembrüdern in Ägypten abgestimmt. Nach dem Sturz der Moslembrüder wurde dieser Plan zwar eingefroren, aber er bleibt im politischen Denken vorhanden."

Schon seit dem einseitigen Rückzug aus Gaza habe Israel geplant, den palästinensischen Staat im Gazastreifen zu verwirklichen. Dies sei der eigentliche Grund für die Räumung der Siedlungen gewesen.

"Die Israelis haben das von Anfang an so geplant. Der Westen hat das nicht verstanden, aber wir haben es verstanden, dass der Rückzug zu einem Staat Gaza führen wird. Es war Sharons Absicht – schon im Jahr 2001 - und es leitet die israelische Politik bis heute, dass Gaza dauerhaft vom Westjordanland getrennt wird. Israel wird 60 Prozent der Westbank annektieren werden und der Rest soll zum Teufel gehen."

Das sei der Eckpfeiler der israelischen Politik im Gazastreifen, so Okal. Auch der Krieg im Sommer 2014 habe letztlich diesem Ziel gedient. Er sei mit so großer Brutalität geführt worden, um die Palästinenser in die Unterwerfung zu bomben. Sie sollten mürbe gemacht werden, damit sie jede Lösung akzeptierten.

Gaza soll vom Westjordanland getrennt werden

Vered passt auf die Kinder der Nachbarn auf, und auf deren Hunde. Sie hat ja sonst nichts zu tun, sitzt auf dem abgewetzten Sofa vor ihrem Container-Fertighaus. Ein Windspiel klingelt unter dem Wellblechdach. Seit zehn Jahren wohnt die Mutter von sechs Kindern jetzt schon hier in Nitzan, seit sie und ihr Mann Peat Sadeh verlassen mussten. Ihr altes Zuhause liegt gerade mal 50 Kilometer weiter südlich im heute abgeriegelten Gaza-Streifen.

Ich vermisse immer noch so vieles. Wenn ich in den Supermarkt gehe und ich die frisch geernteten Tomaten rieche, dann kommen alle Erinnerungen in mir hoch. Ich habe den Geruch der Tomaten in unserem Gewächshaus in der Nase. Dann habe ich Sehnsucht.

Tomaten und Paprika hat die Familie von Vered Tartex im Gush Katif angebaut, dem Siedlungsblock im Gaza-Streifen, der die "Ernte" schon im Namen trug. Vered und ihr Mann kamen gar nicht aus der Landwirtschaft, sie haben lange ums wirtschaftliche Überleben gekämpft, sagt sie. Ihr eigenes Haus war gerade erst fertig geworden, als sie mit dem israelischen Abzug aus Gaza alles hinter sich lassen mussten.

Wenn sie heute Bilder oder Filmaufnahmen vom israelischen Gaza-Abzug sieht, muss sie weinen, sagt Vered, und sitzt auf der Kante ihres Sofas. Drüber hinweg sei sie noch längst nicht.

Das ist in Nitzan auch nicht leicht. Es ist ein tristes Wohnviertel, das 2005 mit Fertighäusern im Container-Format am Rand von Nitzan aus dem Boden gestampft wurde. Auf den Parkplätzen vor den "Caravillas" stehen große Beton-Rohre, drinnen zwei Bänke: Improvisierte Unterstände, in die die Bewohner flüchten sollen, wenn die Sirenen vor Raketen aus dem Gaza-Streifen warnen.

Die Häuser sind baufällig, Vereds Nachbar Aviel Eliah zahlt umgerechnet 700 Euro im Monat Miete an den Staat. Eine Frechheit, schimpft er.

"Ursprünglich sollten wir hier höchstens zwei Jahre bleiben. Jetzt sind es schon zehn. Hier schau, die Betonplatte als Fundament, das ist auch nur provisorisch gemacht. Strommasten und Zäune fallen um, niemand repariert das. Alles morsch, die Zeit hier ist abgelaufen."

Aber eine zähe Bürokratie und der Streit um Entschädigungszahlungen halten die Menschen fest, viele der versprochenen Häuser in neu gegründeten Ortschaften werden noch immer gebaut. Aviel muss noch immer zurückschauen: Er ist keiner, der aus religiöser Berufung im Gush Katif gelebt hat. Und das Wort Siedler gefällt ihm gar nicht.

"Wir sind nach unserer Hochzeit in den Gush gezogen, nach Nitzanit. Im Wehrdienst war ich dort immer wieder stationiert. Mir hat der Ort sehr gefallen. Und auf der Suche nach einem Ort für die Familie haben wir gehört, dass dort neu gebaut wird. Also haben wir dort ein Haus gekauft."

Aviel Eliah hat damals als IT-Experte bei HP gearbeitet, ist zur Arbeit nach Tel Aviv gependelt. 40 Minuten hat er mit dem Auto gebraucht, und abends wieder zurück in den Gush, in den Gaza-Streifen.

Rund 8.000 jüdische Israelis, umgeben und gehasst von damals rund anderthalb Millionen palästinensischen Bewohnern, geschützt von israelischen Soldaten, mit Stacheldraht, Wachtürmen, Kontrollposten.

Günstige Wohnungen waren aber kaum der Antrieb für das Siedlungsprojekt im Gaza-Streifen zu Beginn, sagt der britische Politikwissenschaftler Jonathan Rynold von der Bar-Ilan-Universität in Tel Aviv. Angefangen hat es 1967, nach dem Sechs-Tage-Krieg.

"Die Überlegung war, dass die Siedlungen im Süden des Gaza-Streifens eine Barriere bilden könnten, sollte das ägyptische Militär im Kriegsfall auf Tel Aviv vorrücken. Aber das ist mit der Zeit in den Hintergrund getreten. Stattdessen hat die Besiedelung aus religiösen Motiven eine immer wichtigere Rolle gespielt. Diese Siedler waren schlicht der Überzeugung, dass auch Gaza Teil der Heimstätte ist, die ihnen zusteht. Ihr Traum war es, dass durch sie auch Gaza ein Teil des Staates Israel wird, irgendwann einmal."

Traum der Siedler: Gazas als Teil des israelischen Staates

Und dann, 38 Jahre später, der Abzug. In der Nacht vom 14. auf den 15. August 2005 schließt die israelische Armee den Übergang Kissufim. Der Gaza-Streifen ist damit offiziell Sperrgebiet für israelische Staatsbürger. Der Abzug beginnt, den Ministerpräsident Ariel Sharon rund anderthalb Jahre zuvor, Anfang 2004, mit einem Beschluss des Parlaments eingeleitet hatte.

Israelische Soldaten beim Rückzug der jüdischen Siedler aus Gush Katif (dpa/picture alliance/epa Hollander)Israelische Soldaten beim Rückzug der jüdischen Siedler aus Gush Katif (dpa/picture alliance/epa Hollander)

"Das ist kein leichter Tag und es ist kein froher Tag. Die Evakuierung der Siedlungen in Gaza ist ein enorm schwieriger Prozess. Aber er ist lebensnotwendig für die Zukunft des Staates Israel."

Sharon selbst hat es in einer Rede gesagt, schon 1988: "Wir müssen entscheiden, wo die Grenzen liegen." Und es wird schon lange vorher über einen Abzug aus Gaza diskutiert. Und dabei ist ein Frieden kein Argument, die Politiker glauben einfach nicht daran. Ganz ähnliche Diskussionen gab es in der Opposition, der Arbeitspartei.

2001 war der bis dahin laufende Friedensprozess zwischen Israel und den Palästinensern zusammengebrochen. Es war die Zeit der zweiten Intifada, Palästinenser verübten Selbstmordanschläge. Der Politikwissenschaftler Rynhold beschreibt diese Zeit aus israelischer Sicht als Vakuum-Zustand, in dem einseitige Schritte notwendig erschienen. Sharon und große Teile seines Likud waren längst der Überzeugung, dass es in Gaza niemals eine jüdisch-israelische Mehrheit geben würde: Die arabisch-palästinensische Bevölkerung wuchs deutlich schneller. Und sicherheitspolitisch waren die Siedlungen kein Gewinn. Aber die meisten der 1.600 Siedler-Familien konnten trotz der langen Vorlaufzeit nicht glauben, dass Israels Armee sie aus ihren Häusern vertreiben würde.

"Über Entschädigung und andere Regelungen wollten die Siedler mit der Regierung erst gar nicht verhandeln. Sie wollten ja auf keinen Fall den Eindruck erwecken, sie würden den Abzug akzeptieren, sondern ihn mit aller Macht verhindern. Die Möglichkeit, Einfluss zu nehmen auf die Abzugs-Politik ist dadurch enorm zusammengeschrumpft. Die Siedler haben es verpasst, mitzureden und mitzuentscheiden - das wäre nur vor dem Abzug gegangen."

Die ehemaligen Bewohner des Gush Katif erinnern in einem Museum in Nitzan an den Abzug, an ihr Trauma. Es gibt Videos zu sehen und inszenierte Filme. Das ist emotional so aufgeladen, dass es allen in dem abgedunkelten Vorführraum die Tränen in die Augen treibt, auch den älteren Männern.

An diesem Tag ist Bildungsminister Naftali Bennett in das kleine Museum gekommen. Mit seiner Partei "jüdisches Heim" versteht er sich als Vertreter der Siedler im Westjordanland. Für den Schmerz der ehemaligen Gaza-Siedler zeigt er großes Verständnis und er lässt keinen Zweifel: Sharons Entscheidung sei ein Fehler gewesen.

"Was die israelische Regierung vor zehn Jahren getan hat, ist eine Katastrophe, menschlich, sicherheitspolitisch und auch eine Katastrophe für Israels Ansehen in der Welt. Heute bereiten die Terroristen in den zerstörten Häusern ihren nächsten terroristischen Anschlag vor. In den Gärten werden Tunnel nach Israel gegraben, und sie verstecken dort Geschosse, die auf Israel gefeuert werden. Seit dem Abzug aus dem Gush Katif hatten wir drei militärische Operationen, immer wieder internationale Untersuchungen dazu. Das werden wir niemals wiederholen!"

Aviel Eliah hat einen neuen Job in Nitzan gefunden, immerhin. Er berät seine Nachbarn in Entschädigungsfragen. Die Kommunalverwaltung hat ihm die Stelle gegeben. Unter anderem bemüht sich Aviel, dass die ehemaligen Bewohner zusammenbleiben können, Nachbarn sollen Nachbarn bleiben, auch an einem neuen Ort. Aber viele können sich nichts mehr leisten, schon gar kein eigenes Haus:

Nach der Vertreibung waren viele von uns in einem Schockzustand. Niemand wusste ja so richtig, was mit uns passiert und wie es weitergehen soll. Vielen ist das bis heute nicht bewusst, dass sie ein Trauma erlitten haben. Sie haben versucht, sich zu trösten. Die einen haben die Entschädigung genommen und ein teures Auto gekauft. Die anderen sind auf Reisen gegangen. Na ja, weil es mit dem Bau von neuen Häusern eben nicht voranging, ist das Geld in vielen Familien auf diese Art verloren gegangen.

Aviels Nachbarn haben es geschafft. Sie sind vor ein paar Monaten aus ihrem Container-Haus nebenan ausgezogen, endlich. Und Aviel erzählt, dass gleich am nächsten Tag der Bagger kam und die Behelfsunterkunft abgerissen hat. Nur die Betonplatte, auf der das Haus stand, ist noch da.

Der ganze Gaza-Abzug sei ein Fehler gewesen, sagt Aviel Eliah heute. Es sei doch klar, dass nicht die Siedler der Grund waren, dass es keinen Frieden mit den Palästinensern geben konnte. In einem Kübel vor seinem Haus steht seit zehn Jahren ein Olivenbaum,- das einzige, was er von seinem alten zuhause mitgenommen hatte. Wenn sein Haus in Beer Ganim, einem neu gegründeten Ort, fertig ist, will er ihn endlich in die Erde setzen -und nichts mehr vom Gaza-Abzug wissen.

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