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NahostWie Israel sich der arabischen Welt annähert

Das Foto zeigt Benjamin Netanjahu (links), Ministerpräsident von Israel, bei einem Treffen mit Qabus bin Said, Sultan von Oman. (dpa-Bildfunk / GPO / Topaz Luk)
Israel und die arabische Welt nähern sich ein wenig an - auch wegen des gemeinsamen Rivalen Iran. (dpa-Bildfunk / GPO / Topaz Luk)

Offiziell unterhält Israel nur zu zwei arabischen Staaten diplomatische Beziehungen. Doch das Verhältnis von Israel zur arabischen Welt verbessert sich seit einiger Zeit. Aus zwei Gründen.

Wie ARD-Korrespondent Benjamin Hammer aus Tel Aviv berichtet (Audio-Link), ist es zwar seit Jahren ein offenes Geheimnis, dass mehrere arabische Länder enge Kontakte zu Israel pflegen - abseits der offiziellen Diplomatie. Denn diplomatische Beziehungen unterhält Israel nur mit Ägypten und Jordanien.

Doch sei es eine neue Entwicklung, dass in arabischen Ländern jüngst so viele israelische Minister herzlich und vor laufender Kamera empfangen wurden, erläutert Hammer. Das habe zwei Gründe: der eine sei ein gemeinsamer Gegner, der Iran; der andere das Interesse arabischer Länder an Hightech aus Israel.

Ein paar Beispiele für das diplomatische Tauwetter, das viele Palästinenser alarmiert.

-Premierminister Benjamin Netanjahu zu Gast im Oman, für ein Treffen mit dem Sultan, das auch die BBC aufmerksam beobachtet hat. Sie schreibt, das sei der erste Besuch dieser Art sei mehr als zwei Jahrzehnten.

-Verkehrsminister Israel Katz ebenfalls zu Gast im Oman - und während der Reise spricht er im israelischen Radio über eine mögliche Bahnlinie, um die Golfstaaten und Jordanien mit Israel und dem Mittelmeer zu verbinden.

-Sportministerin Miri Regev zu Gast in Abu Dhabi, wo auf einem Judo-Turnier die Hatikva ertönte - die israelische Nationalhymne. Miri Regev weinte.

Die BBC zitiert den früheren israelischen Diplomaten Dore Gold mit den Worten, all diese Besuche seien extrem wichtig, "weil sie das Eis tatsächlich zum Schmelzen bringen." Und da sei die reine Symbolik durchaus ein Schlüsselelement. Hinzu kommt, dass der Oman auch als Vermittler im Nahostkonflikt in Frage kommt - durch seine engen Kontakte zu den Palästinensern.

Auch in den USA wird all das wahrgenommen. So twitterte Ende Oktober Jason Greenblatt, bei Präsident Trump zuständig für "internationale Verhandlungen" über das Thema. Er schrieb, zuletzt habe man gesehen, wie "unsere regionalen Partner Oman, Bahrein und die Vereinigten Arabischen Emirate" mit Gesten und Stellungnahmen freundlichere Beziehungen ("warmer ties") zu Israel bekundet hätten.

Auf Seiten der Palästinenser stößt all das auf Ablehnung. So sagt etwa die PLO-Funktionärin Hanan Ashrawi, es sei "kontraproduktiv und gefährlich", dass Israel nicht gleichzeitig seine Beziehungen zu den Palästinensern normalisiere. Sie sieht dadurch auch Gefahren für eine arabische Friedensinitiative im Nahost-Konflikt, die seit 2002 auf dem Tisch liege.

Das US-Magazin "The Atlantic" sieht das ähnlich: "Netanjahu scheint sich einzulassen auf die arabische Welt und ihre Bereitschaft, schrittweise auf Israel zuzugehen - obwohl ein Friedensvertrag nicht in Sicht ist."