Samstag, 15.12.2018
 
StartseiteVerbrauchertippPaprika oder Pillen?22.10.2018

Nahrungsergänzungsmittel für KinderPaprika oder Pillen?

Jedes zehnte Kind in Deutschland bekommt täglich Nahrungsergänzungsmittel oder Lebensmittel, die mit Vitaminen und Mineralstoffen angereichert sind. Die Auswahl in Drogeriemärkten, Discountern und Apotheken ist groß. Doch der Vitaminbedarf bei Kindern ließe sich auch auf andere Weise decken.

Von Margret Bielenberg

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Teller mit bunten Pillen (imago)
Eine Vitamin D-Zugabe kann in der dunklen Jahreszeit gerechtfertigt sein (imago)
  • E-Mail
  • Teilen
  • Tweet
  • Drucken
  • Podcast
Mehr zum Thema

Pulver und Pillen aus Pflanzenresten Nahrungsergänzungsmittel in der Kritik

Gesunde Ernährung Nahrungsergänzungsmittel - sinnvoll oder Geldschneiderei?

Leistungssteigerung, Muskelaufbau, Doping Sind Nahrungsergänzungsmittel wirklich nötig?

Hohe Anforderungen in der Schule oder ständige Gemüseverweigerung, es gibt viele Gründe warum Eltern zu Nahrungsergänzungsmitteln für ihre Kinder greifen, sagt Silke Schwartau von der Verbraucherzentrale Hamburg. Doch häufig sind diese Produkte zu hoch dosiert.

"Wir haben durch eine Stichprobe hauptsächlich versucht, die Marktführer zu finden und dann haben wir untersucht: was ist eigentlich drin in diesen Produkten und was wird versprochen? Und wir haben festgestellt, dass die meisten ja sehr viele Vitamine und Mineralstoffe enthalten, wobei bei der Hälfte der Produkte auch Höchstmengen überschritten werden und das ist für Kinder auf gar keinen Fall gesund, denn so können sich Vitamin A oder Vitamin D auch im Körper anreichern und zu Kopfschmerzen, Übelkeit oder zu Müdigkeit führen."

Bestimmte Hinweise auf Verpackungen sind richtig 

Vitamin D-Zugabe kann in der dunklen Jahreszeit gerechtfertigt sein, wenn Kinder kaum draußen spielen. Hier sollten Eltern im Einzelfall ihren Kinderarzt fragen. In vielen Studien ist außerdem belegt, dass Vitamine beispielsweise, die natürlich in Lebensmitteln stecken, meist sehr viel besser vom Körper aufgenommen und verwertet werden, als wenn man sie isoliert in bunten Drops lutscht, erklärt Verbraucherschützerin Silke Schwartau. Auf Verpackungen wird Eltern trotzdem häufig suggeriert, dass zusätzliche Nahrungsergänzungsmittel für die gesundheitliche Förderung ihrer Kinder unabdingbar sind.

"Wenn Formulierungen vorliegen wie 'fördert die Konzentration', 'führt dazu, dass das Kind besser lernen kann', 'schützt vor Infektionen oder Erkältungskrankheiten', dann sind das keine Auslobungen, die gesetzlich erlaubt sind und die sind auch nicht richtig."

Allerdings gibt es erlaubte Hinweise, zum Beispiel dass bestimmte Fettsäuren zur Erhaltung einer normalen Gehirnfunktion beitragen. Das ist richtig und darf so auf der Verpackung stehen, sagt Silke Schwartau. Nicht erlaubt sind allerdings Formulierungsänderungen, zum Beispiel, dass bestimmte Fettsäuren eine herausragende Bedeutung für die Gehirnfunktion haben. Das lässt Eltern fälschlich glauben, dass solche Nahrungsergänzungsmittel für ihre Kinder wichtig und förderlich sind.

Einseitige Ernährung? Keine Panik

Greift in der kühleren Jahreszeit die Erkältungswelle um sich, sind viele Eltern verunsichert, ob ihre Kinder genug Abwehrkräfte haben. Das kennt auch Katharina Müsing. Die Mutter zweier Kinder setzt auf Gemüse und abwechslungsreiche Kost. Das ist nicht immer leicht.

"Mit dem Gemüse haben wir dann auch ein bisschen rum experimentiert, das Gemüse, was wir uns als Salat anmachen wir Großen, kriegen die Kinder nur roh und dann können sie ein bisschen Kräutersalz drauf machen oder auch nicht, damit sie den Geschmack kennen lernen und das hat bei uns ganz gut funktioniert."

Schon eine halbe Paprika pro Tag reicht aus, um den Vitamin C-Bedarf pro Tag zu decken. Wenn Kinder einseitig essen, sollte man Ruhe bewahren, empfiehlt die Ernährungsberaterin. Auch wenn das über viele Monate geht. Der Körper kann Vitamine und Mineralstoffe speichern und man braucht nicht jeden Tag von allem etwas.

"Häufig gehen diese Phasen wieder vorbei und sollten sie tatsächlich über eine lange Zeit, vielleicht mehrere Jahre gehen, dann ist auf jeden Fall eine Blutanalyse beim Arzt angezeigt, der kann dann gucken, gibt es einen Mangel. Wie ist die Entwicklung des Kindes und da kann man gezielt gegen steuern."

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk