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StartseiteKommentare und Themen der WocheDie Katastrophe geht weiter15.05.2018

Nakba-TagDie Katastrophe geht weiter

Es sei böse Ironie der Geschichte, dass dieses Massaker am 70. Jahrestag der Staatengründung Israels passierte, kommentiert Georg Schwarte die Eskalation an der Grenze zu Gaza. Israel sei gerade dabei, in blinder Allianz mit dem Präsidenten der USA, auch wohlmeinende Freunde nachhaltig zu verstören.

Von Georg Schwarte

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Blick vom israelischen Kibbuz Nahal Oz auf die Grenze zum Gazastreifen, wo sich Palästinenser zu Protesten am Grenzzaun versammelt haben (AFP/ Jack Guez)
Blick vom israelischen Kibbuz Nahal Oz auf die Grenze zum Gazastreifen, wo sich Palästinenser zu Protesten am Grenzzaun versammelt haben (AFP/ Jack Guez)
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Nakba - der Tag der Katastrophe. So nennen ihn die Palästinenser. 700.000 flüchteten damals 1948, wurden vertrieben, verloren Häuser, Heimat, Hoffnung. Nakba - Katastrophe. Heute begehen sie ihn. Der Tag gestern aber könnte ein neuer Tag des Unglücks werden. Während das Hochglanzpaar des Weißen Hauses - Jared Kushner und Ivanka Trump - in Jerusalem lachten, starben sie 60 Kilometer Luftlinie entfernt im Gazastreifen am Grenzzaun, dutzende.

Es ist die böse Ironie der Geschichte, dass dieses Massaker ausgerechnet am 70. Jahrestag der Staatengründung Israels passierte. Terroristen oder verzweifelte Palästinenser? Kinder oder Kanonenfutter, wie es die amerikanische UN-Botschafterin Haley nannte. Die Eröffnung der amerikanischen Botschaft in Jerusalem, sie wurde zur eigentlichen Botschaft an die Welt: Das Amerika dieser Tage schert sich weder um Resolutionen noch um Geschichte. Das Amerika des Präsidenten von Trumpland schert sich nicht um Recht und die Rolle, die dieses Amerika einst im sogenannten Nahostfriedensprozess spielte. Neutraler Vermittler - das ist Geschichte. Spätestens seit die amerikanische Fahne vor der Botschaft in Jerusalem weht.

Hier feiernde Amerikaner, twitternde Präsidenten, die von einem großen Tag für Israel und die USA reden, dort verzweifelte Mediziner, die mit den letzten Lumpen die blutenden Körper von über 1500 Verletzten im Gazastreifen vor dem Ausbluten retten wollen. Ihnen gehen Strom und Medikamente aus. Infusionen. Operationsbesteck. Übrigens auch, weil das Trumpland-Amerika dem Hilfswerk der UN für die Palästinenser das Geld zusammenstrich.

Der Sicherheitsrat kapituliert

Gaza ist ohnehin längst ausgeblutet. Eine Hölle sagen die UN-Helfer. Auch heute wieder im Sicherheitsrat. Allen, selbst dem größten Optimisten im Saal dieses ohnmächtigen Gremiums bei den Vereinten Nationen fehlt die Fantasie, wie aus Toten, Unrecht, gebrochenen Resolutionen, randalierenden Demonstranten, israelischen Scharfschützen, die mit Kugeln auf Steinewerfer schießen, am Ende zwei Völker werden können, die friedlich nebeneinander existieren. Hamas, die Terrororganisation, sie nimmt das eigene Volk als Geisel. Hetzt Kinder in den Tod am Grenzzaun. Keine Frage.

Israel aber ist gerade dabei, in blinder Allianz mit dem amtierenden Präsidenten der USA, auch wohlmeinende Freunde nachhaltig zu verstören. Die UN hatten einst als Gründungsauftrag, den Frieden zu schaffen im Nahen Osten. 73 Jahre später darf der Sicherheitsrat heute getrost vermelden: Wir geben auf. Kapitulation auf ganzer Linie. Diesem Hass ist keine Resolution gewachsen. Wo Siedlungen Unrecht in Stein bauen, wo Terroristen Verzweiflung ausnutzen, bleibt wenig Platz für Diplomaten.

Golda Meir, die vierte israelische Premierministerin sagte einst, dass Frieden zwischen den beiden Völkern erst möglich sei, wenn die Palästinenser ihre Kinder mehr lieben, als sie die Israelis hassen. Jeder neue tote Palästinenser aber ist das Kind einer Mutter und eines Vaters aus Gaza. Nakba. Die Katastrophe geht weiter.

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