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StartseiteVerbrauchertippWer nicht mehr Herr Fick heißen will, muss das nicht01.11.2018

NamensrechtWer nicht mehr Herr Fick heißen will, muss das nicht

Von heute an gibt es eine Neuerung im Personenstandsgesetz: Wer mehrere Vornamen hat, kann künftig seinen Rufnamen bestimmen – und das muss nicht mehr der erste sein. Aber es gibt auch noch weitere Möglichkeiten, den eigenen Vor- oder Nachnamen zu ändern - auch jenseits von Hochzeit oder Scheidung.

Von Astrid Wulf

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Fächer mit den Namen der Kinder in einer Kita in Berlin-Neukölln (dpa / picture alliance / Volkmar Heinz)
Bei mehreren Namen, kann man sich ab heute einen aussuchen (dpa / picture alliance / Volkmar Heinz)
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Namen als soziale Marker Kevin und Mohammed – Die Last der Vornamen

Der erste November ist ein gutes Datum für alle Jan Peters und Lea Maries – vorausgesetzt, ihre Vornamen sind nicht durch einen Bindestrich miteinander verbunden. Von heute an könnten sie nämlich ihren Rufnamen beim Standesamt oder im Bürgeramt festlegen lassen. Wird Jan Peter Schmidt zum Beispiel seit Ewigkeiten nur Peter genannt, könnte er so dafür sorgen, dass künftig eher "Peter Schmidt" im Flugticket steht. Mehrere Vornamen: Ein Luxusproblem für viele, die regelrecht unter ihrem Namen leiden - oder die eine jahrzehntelange Hassliebe zu ihrem Namen verbindet:

"Ich heiße Rebecca Piesenack, und meinen Nachnamen kann ich absolut nicht leiden. Erstens, weil ich damit sehr oft gemobbt wurde, weil man aus "Piesenack" sehr gut "pieselt nackt" machen kann, und weil der zu meinem Vater gehört und ich mich mit ihm nicht sehr gut verstehe.

"Benny ist ok, aber Benjamin sieht mir nicht ähnlich. Weil das für mich so ein kleiner Nachbarsjunge ist, der gern bei Oma ist - und so sehe ich nicht unbedingt aus. Aber ist nicht schlimm, die Abkürzung ist ja auch ok."

Wenn es vulgär klingt

Dank dem Namensänderungsgesetz gibt es Möglichkeiten, den eigenen Namen ändern zu lassen. Zum Beispiel, wenn der Nachname zu Hänseleien förmlich einlädt oder vulgär klingt, sagt der Lübecker Familienanwalt Gerd Gawlich, der sich in seinem Alltag besonders oft mit Namensänderungen nach Scheidungen beschäftigt. Wer zum Beispiel den in Norddeutschland nicht unüblichen Namen "Fick" trägt und darunter leidet, hat gute Chancen, ihn loszuwerden.

"Über die Instanzen hinweg würde man mit 'Fick' durch den aktuellen Sprachgebrauch kein Problem bekommen, diesen Namen ändern zu lassen."

Die Namensänderung beantragt man beim Standesamt oder Bürgeramt. Die Mitarbeiter prüfen, ob die Gründe für eine Namensänderung ausreichen. Falls ja, bekommt man eine Namensänderungsurkunde, mit der man wiederum neue Ausweispapiere, Führerschein und EC-Karte beantragen kann. Wie man heißen möchte, kann man sich theoretisch frei aussuchen, der neue Name muss nichts mit dem alten zu tun haben. Wer sich schon immer einen Allerweltsnamen wie Müller, Meyer, Schulz oder Schmidt gewünscht hat, sollte allerdings nochmal neu überlegen.

"Tatsächlich würde man, wenn man den Namen "Schmidt" trägt, wiederum berechtigt sein, diesen zu ändern, weil der, je nachdem, wo man wohnt, keine Unterscheidungskraft mehr besitzt."

Komplizierte Namen ändern

Auch wer einen schwer auszusprechenden oder kompliziert zu schreibenden Namen hat, kann sich einen neuen verpassen. Laut Anwalt Gerd Gawlich käme das beispielsweise häufiger bei vietnamesischen Namen vor. Auch bestimmte Vornamen aus dem arabischen Raum könnten problemlos abgelegt werden:

"Jihad, sowohl als Vor- als auch als Nachname, der in seiner Schreibweise dann nichts mehr mit dem heiligen Krieg zu tun hat, aber vom Klang immer noch danach klingt - und dann in der Tat der Name auch gewechselt werden kann und geändert werden kann."

Die meisten jedoch arrangieren sich mit ihrem Namen irgendwann. Dem Kölner Standesamt zufolge zum Beispiel waren unter rund einer Million Einwohnern im vergangenen Jahr gerade mal 400, die eine Namensänderung abseits von Hochzeit, Scheidung oder Adoption beantragt haben. Letztendlich ist es auch eine Kostenfrage. Einen neuen Vornamen zu beantragen, kann bis zu 250 Euro, ein neuer Nachname bis zu eintausend Euro kosten. Gebühren für neue Ausweise und Scheckkarten kommen dann noch obendrauf.

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