Donnerstag, 01. Dezember 2022

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Nano-Engineering in Duisburg

Selbstreinigende Häuserfassaden und kratzfeste Autolacke - in solchen nützlichen Dingen steckt Nanotechnologie. Ihr umfangreiches Anwendungspotential kann aber nur dann genutzt werden, wenn die in der Grundlagenforschung entdeckten Nanoeffekte in industrielle Produkte umgesetzt werden. Neben der Universität Würzburg ist die Universität Duisburg-Essen derzeit die einzige, die ein grundständiges Studium zum Nanoingenieur anbietet.

Von Ingun Arnold | 09.01.2007

    "Mein Name ist Andreas, ich wollte eigentlich ursprünglich Physik studieren, nur fand's dann ganz gut, dass die Uni Duisburg eine konkretere Orientierung von Physik anbietet, nämlich Nanoengineering ... "

    ... und diese "konkretere Orientierung" heißt: Die Studierenden erfahren vom ersten Semster an, wozu das, was sie lernen, später im Berufsleben nützlich ist. Spaß an Physik, Chemie und Mathe ist Voraussetzung, ebenso ein Faible fürs Technische. Bei Professor Gerd Bacher lernen die Studierenden, was sie über die Werkstoffe der Elektrotechnik wissen müssen. Er ist einer der Ziehväter des Studiengangs:

    "Häufig ist es ja so, dass die Nanowissenschaften sich aus den Naturwissenschaften entwickeln, da fehlen alle ingenieurwissenschaftlichen Grundlagen. Der Studiengang beinhaltet sowohl Ausbildungsinhalte aus der Elektrotechnik, aus dem Maschinenbau, aus der Physik und aus der Chemie. Der Vorteil ist sicherlich, dass überflüssige Dinge nicht gelernt werden müssen, sondern wirklich nur das studiert werden muss, was auch später gebraucht wird. "

    Um eine Idee davon zu kriegen, sind fünfzehn Wochen Industriepraktikum Pflicht: acht Wochen zur Orientierung, am besten noch vor dem Studium, und sieben Wochen Fachpraktikum während des Studiums. Ein interessantes Unternehmen für die praktischen Arbeiten zu finden, sollte kein Problem sein: In der Lebensmitteltechnik, im Automobilbau, in der Halbleiter- und Optikindustrie wird zum Beispiel bereits mit Nanopartikeln oder Nanoeffekten gearbeitet, ebenso in Umweltlabors, in der Pharmazie oder in Textilbetrieben. Zulassungsbeschränkungen zum Studium in Duisburg gibt es keine, man muss auch nicht Mathe oder Physik als Abitur-Leistungskurse mitbringen:

    "Ich bin der Nils, bin 22 Jahre alt, hatte die Leistungskurse Deutsch und Geschichte, ich würde halt gerne im nanomechanischen Bereich arbeiten, quasi das Basteln von Maschinen mit kleinsten Bauteilen."

    Im Experimentierkurs "Werkstoffe der Elektrotechnik" fiept nicht nur eine Messapparatur. Die Ausstattung in den Laboren ist modern: Die Uni Duisburg besitzt unter anderem Elektronen- und Rastersondenmikroskope, Laserspektroskope und einen Reinraum für Elektronenstrahl-Lithografie - mit Partikel-Aufdampfanlage und Fotolackschleuder. Die Studierenden sind integriert in eine bunt gemischte Wissenschaftlergemeinschaft. Professor Markus Winterer ist einer davon. Sein Spezialgebiet ist Nano-Prozesstechnik, seine Doktoranden produzieren gerade eine Charge Nanopartikel. In der Hand hält er ein Fläschchen mit etwas, das könnten auch weiße Seifenspäne sein:

    "So sehen Nanopartikel aus. Wenn wir jetzt mal da draufgucken, das sind 100 ml und da ist aber nur 1 Gramm drin. Das liegt daran, dass die Partikel eben so fein sind, dass wie so einen Schaum bilden, wir nennen das Aerogel, also: Das entsteht als Schicht, und wir kratzen es dann sozusagen ab und schütten es in eine Flasche rein. "

    Am Ende kommen solche Nanopartikel in die Zahnpasta, ins Tomatenketchup oder in die Wandfarbe. Sie verhindern, dass die Pasta aus der Tube läuft oder die Farbe von der Wand trieft. Die Studierenden lernen so aus erster Hand, wie die Nanoeffekte in Industrieprodukte umgesetzt werden. Damit - so ist zumindest der Plan - können sie bereits nach sechs Semestern Studium in die Industrie wechseln. Ob das in der Praxis auch funktioniert, wird sich in drei Jahren zeigen, wenn die ersten Absolventen eine Stelle suchen. Das Studienkonzept jedenfalls kommt an:

    "Mein Name ist Kim Busch, ich bin 20 Jahre alt, die Beschreibung des Studiengangs hat mir im Internet sehr gut gefallen und dann war für mich klar: Das mache ich. "

    In Duisburg studieren derzeit fünfzig Erstsemestler im Bachelorkurs, im Herbst 2007 sollen dreißig Studierende im Masterstudium dazukommen. Zur Auswahl stehen Masterkurse in Nano-Prozesstechnologie und Nano-Elektronik.