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StartseiteUmwelt und VerbraucherWie Deutschland zur Radnation werden könnte19.05.2015

Nationaler RadverkehrskongressWie Deutschland zur Radnation werden könnte

Die Deutschen sollen mehr radfahren: Das wünscht sich auch das Bundesverkehrsministerium und hat deshalb vierten Nationalen Radverkehrskongress eingeladen. Der Weg in die Fahrradzukunft scheint klar: Mehr Platz für Radfahrer, weniger für Autos. Doch häufig fehlt der Mut für die nötigen Maßnahmen.

Von Anja Nehls

In den Städten gibt es zu wenig Parkplätze für Fahrräder. (Constanze Lehmann )
Auch das Parken von Fahrrädern stellt Städte vor Herausforderungen. (Constanze Lehmann )
Weiterführende Information

Fahrradschlösser - Das U macht den Unterschied(Deutschlandfunk, Verbrauchertipp, 27.04.2015)

Fahrrad - Sicher durch Herbst und Winter radeln
(Deutschlandfunk, Verbrauchertipp, 04.11.2014)

Lastentransporte - Cargobike statt Auto
(Deutschlandfunk, Umwelt und Verbraucher, 27.06.2014)

Das Fahrrad auf dem Podest in der Ecke der großen Halle hat schon ein paar Tausend Kilometer auf den Reifen. Auf dem Lenker befinden sich eine Kamera und eine GPS-Einheit, ein Messinstrument am Rad registriert Stöße und zeichnet die zusammen mit dem Video auf. Stefan Oertelt fährt damit im Auftrag des Ministeriums für Infrastruktur in Brandenburg die Radwege im Land ab. 1.000 Kilometer allein im vergangenen Jahr.

"Ich mache eine vollständige Bilddokumentation, und ich messe die Schwingbeschleunigung, die sich dann auf den Fahrer möglicherweise negativ auswirkt in Form von eingeschlafenen Händen oder Rückenbeschwerden, und versuche dann, anhand dieser Daten eine Erhaltungsplanung zu realisieren, was dort repariert werden sollte."

Erhaltung der vorhandenen Radwege ist ein großes Thema auf dem vierten Nationalen Radverkehrskongress des Bundesverkehrsministeriums. Daneben geht auch um Ausbau und Neubau.

Die Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, den Radanteil am Verkehrsaufkommen bis 2020 von 10 auf 15 Prozent zu erhöhen. Burkhard Stork vom ADFC hält in den Städten sogar 25 Prozent für realistisch, aber dafür müsse mehr Geld in den Radverkehr investiert werden: statt 93 Millionen pro Jahr 400 Millionen Euro. Außerdem müsse der Bund mit vernünftigen Modellprojekten wie dem Ausbau von Radschnellwegen vorangehen:

"Radschnellweg von Potsdam nach Berlin, der Radschnellweg quer durchs Ruhrgebiet, es gibt Ideen für Radschnellwege, die von der Peripherie nach München reingehen. Das sind alles Modelle, die mal ausprobiert werden müssen. Wir wissen nicht, was in Deutschland funktioniert. Das kann nur der Bund gemeinsam mit Ländern und Kommunen."

Radverkehr hat sich verdoppelt

Gute Infrastruktur für Radfahrer gibt es bereits in den bewährten Fahrradstädten wie Münster oder Bremen und neuerdings auch in Karlsruhe, Kiel, Göttingen oder Potsdam. Dass sich der Radverkehr innerhalb eines Jahrzehnts verdoppelt hat, stellt die Städte und Gemeinden aber vor noch vor ganze andere Herausforderungen, meint Jörg Thiemann-Linden, freier Verkehrsplaner für die Stadt Köln:

"Das ist das Thema Parken. Denn wenn immer mehr Fahrräder geparkt werden, gerade wenn ich an die Elektrofahrräder denke, die boomen ja enorm, wir haben schon zwei Millionen Elektrofahrräder in Deutschland. Die dann in der Nähe der Wohnung oder am Bahnhof oder am Arbeitsplatz sicher abzustellen, das ist die ultimative Herausforderung für Verkehrsplaner wie mich."

In vielen anderen Ländern ist man da schon weiter. Fahrradparkhäuser gibt es zum Beispiel in den Niederlanden. In Kopenhagen gibt es eine grüne Welle für Radfahrer. Dänemark und Frankreich tun viel für den Radverkehr, aber auch die USA, allen voran San Francisco, Los Angeles und New York, sagt Burkhardt Stork vom ADFC:

"Die gehen mit viel Pragmatismus ran, und sagen als erstes ist es völlig eindeutig, dass Radfahrer Platz brauchen und gerade die amerikanischen Städte gehen massiv an die parkenden Autos ran, nehmen denen die ganze Spur weg und machen da schöne sich einfach sicher anfühlende Fahrradwege. Ich lebe in Berlin, da kenne ich jede Menge große Ausfallstraßen, die sechsspurig sind, wo eine Spur komplett zugeparkt ist, mir fallen in Köln, München sofort diese Straßen auch ein, Hamburg. Parkende Autos raus und auf dem Asphalt eine schöne Spur fürs Fahrrad, am liebsten, dass die so schön kniehoch noch baulich abgeteilt ist, dass man sicher fahren kann, dann fühlt sich das gut an und dann fahren die Leute auch."

Im zweiten Nationalen Radverkehrsplan 2020 des Bundesverkehrsministeriums heißt es, dass, "der Förderung des Radverkehrs als Teil eines modernen Verkehrssystems ein hoher Stellenwert beizumessen sei."

Was das praktisch heißt, darüber diskutieren die über 700 Teilnehmer auf dem Kongress in Potsdam. Neben Radverkehrskonzepten geht es dabei auch um den gewerblichen Einsatz des Fahrrades, um Elektroantriebe und Lastentransport und um Fahrradtourismus.

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