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StartseiteKommentare und Themen der WocheMillionen für die Aufforstung reichen nicht25.09.2019

Nationaler WaldgipfelMillionen für die Aufforstung reichen nicht

Wald schütze man am besten, indem man ihn in seiner Selbsterneuerung unterstütze und nicht zum Jagdrevier oder Holzlieferant degradiere, meint Britta Fecke. Die von Bundesagrarministerin Julia Klöckner in Aussicht gestellten Mittel für die Aufforstung reichten jedenfalls nicht aus, um den Wald zu retten.

Von Britta Fecke

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Die Drohnen-Aufnahme zeigt das Waldsterben im Taunus (imago / Jan Eifert)
Statt Gelder zur Rettung des Regenwalds nach Brasilien zu schicken, sollten die deutschen Waldbesitzer das Geld für eine zielführende Aufforstung bekommen, forderte Britta Fecke im Dlf (imago / Jan Eifert)
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Schweizer Wissenschaftler haben in diesem Jahr nachgewiesen, wie schnell die CO²-Emissionen gesenkt werden könnten, wenn nur an allen Ecken und Plätzen zusätzliche Bäume gepflanzt würden. Doch im Moment sterben auch noch die Bäume, die schon standen - einige viele Jahrhunderte. Die Wälder, die Kohlendioxid binden sollten und dabei helfen den Klimawandel etwas abzumildern, die vertrocknen nun eben wegen des Klimawandels.

Vielleicht die Herausforderung des Jahrhunderts

Bundesagrarministerin Julia Klöckner stellte auf dem nationalen Waldgipfel zusätzliche Mittel von bis zu 800 Millionen Euro in den kommenden vier Jahren in Aussicht. Das ist ein guter Anfang, reichen wird es wohl nicht: Von 110.000 Hektar vertrockneter Waldflächen war noch zu Beginn des Jahres die Rede, das war allerdings noch vor der Dürre dieses Sommers; von 250.000 Hektar - also mehr als doppelt soviel - geht der Bund der deutschen Forstleute bis zum Ende dieses Jahres aus!

Wenn wir den Wald als Naturgut, als Sauerstoffproduzenten, Luftfilter, Klimasenke und Naherholungsraum erhalten beziehungsweise erneuern wollen, dann wird das vielleicht die Herausforderung des Jahrhunderts. Klingt dramatisch, ist es auch! Wer das nicht glaubt, der sollte seinen Sonntagsspaziergang durch den nächsten Wald lenken. Eichen und Buchen, die jahrhundertelang Stürmen, Kriegen und auch schon Dürren trotzten hatten schon zu Beginn dieser Vegetationsperiode nicht mehr genug Kraft ihre Kronen zu beblättern. Bei den Eschen sterben die Triebe, bei den Birken wüten die Pilze, bei anderen Baumarten die Käfer...eine Apokalypse im Wald. Allerdings treibt zwischen toten Fichten neues Grün, wenn wir es lassen.

Plan der Ministerin müsste mutiger sein

Und da müsste der Plan der Ministerin mutiger sein. Klöckner will geschädigte Bäume schnell aus dem Wald räumen. Das ist völlig kontraproduktiv: Die Fichten lassen sich bei dem Überangebot ohnehin nicht mehr gewinnbringend verkaufen, also können sie doch besser als Windschutz und Nährstofflieferant für die nachwachsenden Bäume dienen. Es müsste nämlich gar nicht so viel aufgeforstet werden. Das macht das Ökosystem Wald schon selbst, nur nicht mit den Baumarten, die sich gerade-gewachsen verkaufen lassen.

  (Sean Gallup / Getty Images) (Sean Gallup / Getty Images)

Gebt das Geld den Waldbesitzern in Deutschland

Nun will Klöckner auch nicht in neue Fichtenforste investieren, sondern heimischen Laubbaumarten den Vorzug geben. Das ist in die richtige Richtung gedacht. Doch wie wäre es damit: Statt Geld gen Brasilien zu schicken, damit dort die Urwälder erhalten bleiben, gebt das Geld den Waldbesitzern in Deutschland für ihren Beitrag zum Klimaschutz. Und die investieren dann in einen strukturreichen Wald, mit Totholz, Sträuchern und den Baumarten, die mit Hitze und Dürre besser zurecht kommen, als Fichten in Monokultur. Welche Baumarten das seien werden, weiß jetzt noch keiner, doch sicher ist, dass wir den Wald am besten schützen, wenn wir ihn in seiner Selbsterneuerung unterstützen und nicht zum Jagdrevier oder Holzlieferant degradieren.

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