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StartseiteUmwelt und VerbraucherUmgang mit den Problem-Bären09.07.2014

Nationalpark SlowakeiUmgang mit den Problem-Bären

Schroffe Felsen, lange Täler, kristallklare Gewässer – der Nationalpark Hohe Tatra im Norden der Slowakei ist eigentlich ein beliebtes Urlaubsziel. Doch in den vergangenen Monaten sind dort mehrfach Menschen von wild lebenden Braunbären angegriffen worden. Bei der Suche nach den Gründen herrscht aber große Uneinigkeit.

Von Andreas Kolbe

Blick auf einen Bergsee in der Hohen Tatra/Karpaten (Stock.XCHNG / Janusz Gawron)
Immer wieder gibt es Bären, die in der Hohen Tatra Besucher angreifen. (Stock.XCHNG / Janusz Gawron)
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Die Schüsse hallen noch lange nach in den Bergen um Tatranska Lomnica. Wieder einmal hat sich ein Braunbär aus den tiefgrünen Nadelwäldern bis in den kleinen Kurort vorgewagt. Mit Warnschüssen und Sirenengeheul versuchen die Polizisten das Tier zu verscheuchen.

Schätzungsweise 600 - 900 Braunbären leben in der Slowakei, streng geschützt. Die Hohe Tatra ist ihr natürlicher Lebensraum. Doch immer häufiger kommt es zu Zusammenstößen mit Menschen. Erst vor wenigen Tagen ist in Tatranska Lomnica ein 45-jähriger Mann von einem Bären angegriffen und verletzt worden. Im Mai musste ein Waldarbeiter nach einer Bärenattacke im Krankenhaus operiert werden.

"Noch ist zum Glück kein Tourist angegriffen worden", sagt Lenka Matasovska, die Chefin des Tourismusverbands. "Aber wir können doch nicht zusehen, bis jemand verletzt wird oder es – noch viel schlimmer – zu einer Attacke mit tödlichen Folgen kommt. Dann ist alles zu spät."

Die Ferienregion Hohe Tatra ist in Aufruhr. Ausgerechnet zum Start der wichtigen Sommersaison sind Einheimische wie Besucher verunsichert. Gastwirte und Hoteliers haben Sorgen, dass die Touristen ausbleiben.

"Fast die Hälfte der Besucher sind Familien mit Kindern. Sie fragen sich jetzt, ob sie in Sicherheit sind und ob den Kindern hier auch nichts passiert. Das Umweltministerium und der Tatra-Nationalpark müssen das Bären-Problem umgehend lösen."

Abschießen – das wäre aus Sicht des Tourismusverbandes wohl die einfachste Lösung, auch wenn Matasovska das so direkt nicht sagen will. Sie spricht lieber davon, die Bärenpopulation zu regulieren, was unter dem Strich auf dasselbe hinausläuft.

Suche nach den Ursachen

Die Bären hätten sich zu sehr vermehrt. Deshalb kämen sie aus den Wäldern immer häufiger auch in bewohnte Gebiete. Das sieht auch Jan Mokos so, der Bürgermeister der Stadt Hohe Tatra. Schon seit Jahren fordert er einen freizügigeren Abschuss der Tiere.

"Viele Leute wollen das Problem einfach nicht wahrhaben: Es gibt zu viele Bären bei uns. Dass sie nur wegen des Mülls kommen ist doch Quatsch. Früher gab es hier viel mehr Container und nicht ansatzweise so viele Übergriffe. Jetzt sortieren wir den Müll sogar. Aber es wird immer schlimmer und schlimmer."

Juraj Ksiazek ist da ganz anderer Meinung. Nicht die Bären seien das Problem, sondern die Menschen, sagt der Parkwächter des Tatra Nationalparks. Immer tiefer würden sie in den Lebensraum der Bären eindringen, sodass die Tiere die Scheu vor den Menschen verlieren. Und dann sei da eben doch das Problem mit dem Müll.

"Die Bären sind nicht hungrig, sie suchen in den Containern nicht nach Essen, sondern nach Fettresten. Das sind echte Leckerbissen für sie. Vor allem junge Bären sind süchtig danach, sodass sie jede Scheu ablegen und auch am helllichten Tag die Mülltonnen durchwühlen."

Deshalb die Tiere nun reihenweise abzuknallen, sei völlig sinnlos, meint Ksiazek. So lange die Müllcontainer nicht vernünftig gesichert sind, würde auch der letzte verbliebene Bär unweigerlich zum Problembären. Die bisher erteilten Abschussgenehmigungen seien völlig ausreichend, um die Bärenpopulation in der Slowakei in Grenzen zu halten.

Tatsächlich aber wird die Abschussquote von mehreren Duzend Bären pro Jahr nur etwa zur Hälfte erreicht. Denn die begehrten Jagdlizenzen werden oft an zahlungskräftige Ausländer verhökert. Die liegen dann wochenlang im Wald auf der Lauer – während die Bären gerade einen Ausflug machen über die Grenze nach Polen.

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