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StartseiteSport am Wochenende"Auf die Spieler wird nicht so viel Rücksicht genommen"25.08.2018

Nationalspieler Matthias Ginter"Auf die Spieler wird nicht so viel Rücksicht genommen"

Gladbach-Profi Matthias Ginter ist mit 24 Jahren schon Weltmeister, Confed-Cup-Sieger und Olympia-Medaillengewinner. Da komme es schon einmal vor, dass er den Bezug zur Außenwelt etwas verliere, sagte er im Dlf. Speziell die Zeit nach dem Anschlag auf den BVB-Mannschaftsbus habe ihm gezeigt, "dass Fußball ein Geschäft ist."

Matthias Ginter im Gespräch mit Matthias Friebe

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Matthias Ginter von Borussia Mönchengladbach  (imago sportfotodienst)
Matthias Ginter will in der neuen Saison mit Mönchengladbach vor allem weniger Gegentore kassieren (imago sportfotodienst)
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Man habe sich gut und fokussiert auf die Saison vorbereitet, sagte Matthias Ginter im Deutschlandfunk. "Die Testspiele haben gezeigt, dass wir eigentlich auf einem guten Weg sind." Auch nach einigen Wechseln bei Borussia Mönchengladbach macht sich Ginter keine großen Sorgen um das zukünftige Zusammenspiel. "Man trainiert ja jeden Tag zusammen, man kennt sich. Spätestens nach zwei Wochen im Training weiß man, wie der andere den Ball annimmt oder den Ball weiterspielt. Jeder weiß, was er dann auf der jeweiligen Position zu tun hat."

In der letzten Saison habe es mit Blick auf die Gegentore einige Spiele gegeben, "die nicht so erfolgreich waren für uns. Das sollte uns nicht passieren. Wir haben da die richtigen Schlüsse raus gezogen - zum Beispiel mit einer Systemumstellung, die wir jetzt auch die ganze Vorbereitung über gespielt haben. Ich glaube, dass wir da einfach kompakter sind als Mannschaft."

Zu Prognosen zur kommenden Saison äußerte sich Ginter zurückhaltend: Das Ziel der Mannschaft sei zunächst, "das erste Spiel zu gewinnen".  

Matthias Ginter, im Trikot von Borussia Mönchengladbach (imago )Matthias Ginter beendete die letzte Saison mit Borussia Mönchengladbach auf einem enttäuschenden 9. Platz (imago )

"Es macht Spaß, etwas zurückzugeben"

Neben der Profi-Karriere konzentriert sich der Nationalspieler auch auf die Arbeit in seiner Stiftung zur Förderung benachteiligter Kinder. Der Besuch in der Kinderklinik in Freiburg habe seine Frau und ihn dazu bewegt, Kinder, die Hilfe brauchten, zu unterstützen. "Es macht auch sehr viel Spaß, es ist überhaupt keine Pflicht oder zusätzliche Last. Es macht Spaß, etwas zurückzugeben." Er wolle mit dem Projekt auch seiner Heimat Freiburg etwas zurückgeben, so Ginter. Er unterstützt neben der Klinik auch eine Schule, die mit Hörgeschädigten zusammenarbeitet. Ginter selbst sagte, er habe bisher immer Glück gehabt - sowohl gesundheitlich als auch familiär. Auch das sei ein Grund, warum er versuche, Kindern ein besseres Leben zu ermöglichen.

Ginter gab im Deutschlandfunk zu, dass man im Bundesliga-Alltag den Bezug zur Außenwelt manchmal etwas verliere - man müsse sich um nichts kümmern. "Zu Hause darf man dann nicht den König spielen, sondern muss sich dann schon wieder ordentlich eingliedern." In der Jugend sei ihm von seinen Eltern und in der Freiburger Fußballschule vorgelebt worden "dass es auch andere Werte gibt, als nur auf dem Platz." Dazu gehörten Bodenständigkeit, Demut und auch Dankbarkeit, für das, was man habe. 

Nicht so sehr unter Druck setzen lassen

Nach den Spieltagen versuche er "so gut wie möglich die Blase zu verlassen". Zwischendurch müsse man im Fußballbetrieb auch mal abschalten und von Ereignissen loslassen können. Ginter lobte in diesem Zusammenhang auch die Äußerungen des ehemaligen Nationalspielers Per Mertesacker, der im "Spiegel" über den großen Druck im Profi-Fußball gesprochen hatte. "Es ist in der heutigen Zeit so, dass sehr viel erwartet wird, natürlich immer mehr Spiele sind und man sich nicht so viele Fehler leisten soll - gerade wenn man in der Öffentlichkeit steht, ist es auch immer gefährlich." Ginter selbst versucht, sich nicht so sehr unter Druck setzen zu lassen. Er wolle den Spaß am Fußball nicht verlieren. 

Nach dem Anschlag auf den Mannschaftsbus des BVB habe er damals als Spieler kurzzeitig überlegt, die Profi-Karriere zu beenden. In den Wochen danach "wurde einem aufgezeigt, wie Fußball halt tickt, das es ein Geschäft ist und das nicht so viel Rücksicht genommen wird auf die Befindlichkeiten oder generell auf die Spieler. (...) Es hat nochmal verdeutlicht, dass man in der Fußball-Blase drin war."

Ein Seitenfenster des schwarz-gelben Busses mit dem BVB-Logo ist zerstört. (dpa-picture-alliance/Martin Meissner)Der Mannschaftsbus von Borussia Dortmund wurde im April 2017 Zielschiebe eines Sprengstoffanschlags (dpa-picture-alliance/Martin Meissner)

WM 2018: "Es war irgendwie immer etwas im Getriebe"

Mittlerweile habe er diese Gedanken aber "abgehakt". Im Gegenteil: Ausruhen will sich der Spieler von Borussia Mönchengladbach auch in Zukunft nicht. "Ich bin da sehr ehrgeizig, ich lebe jeden Tag für den Fußball." Dass er bei der letzten WM in Russland auf dem Platz nicht zum Einsatz kam, bewertet Ginter nicht negativ: "So hart die Entscheidungen dann auch sind, sich hinten anzustellen und alles dem Mannschaftserfolg unterzuordnen. Man gewinnt zusammen, man verliert zusammen."

Bei der WM sei allerdings von vornherein der Wurm drin gewesen. "Gerade in den Testspielen lief es noch nicht so, wie wir uns das vorgestellt hatten. Es war irgendwie immer etwas im Getriebe." Die Diskussionen rund um Mesut Özil hätten während der WM im Team keine Rolle mehr gespielt, sagt Ginter: "Wir haben da im Trainingslager schon viel drüber gesprochen. Für uns als Mannschaft war das dann auch so gut es geht abgehakt." Aus Fußballersicht habe die WM gezeigt, "wie sehr Freud und Leid beieinander liegen", aber auch, "wie viel Wert der Teamgedanke hat."

Timo Werner (M) jubelt mit seinen Teamkollegen Matthias Ginter (r) und Sebastian Rudy (l) über den Treffer zum 3:0 gegen Mexiko. (picture alliance / Christian Charisius/dpa)Timo Werner (M) jubelt mit seinen Teamkollegen Matthias Ginter (r) und Sebastian Rudy (l) über den Treffer zum 3:0 gegen Mexiko beim Confed-Cup-Halbfinale. (picture alliance / Christian Charisius/dpa)

Mit Blick auf mögliche Einsätze bei der nächsten WM in Katar sagte Ginter mit einem Augenzwinkern: "Ich könnte mich auch damit begnügen, wenn ich nicht spiele und wir Weltmeister würden - ich sehe das wirklich als Mannschaft und versuche so gut wie möglich meinen Teil dazu beizutragen."  

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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