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StartseiteInterview"Natürlich sind wir traurig"01.03.2011

"Natürlich sind wir traurig"

CSU-Europaabgeordneter lobt Arbeit von zu Guttenberg

Der CSU-Europaabgeordnete Markus Ferber bedauert den Rücktritt von Karl-Theodor zu Guttenberg. Seine Arbeit als Bundesverteidigungsminister sei "bis zum letzten Tag untadelig" gewesen. Die CSU habe zu Guttenberg stets unterstützt.

Markus Ferber im Gespräch mit Dirk Müller

Markus Ferber, CSU-Europaabgeordneter (picture alliance / dpa)
Markus Ferber, CSU-Europaabgeordneter (picture alliance / dpa)

Dirk Müller: Die ersten Eilmeldungen haben uns gegen 10:45 Uhr, also um Viertel vor 11, erreicht. Guttenberg will zurücktreten, hieß es da. Um 11:15 Uhr kommt dann die Bestätigung, durch den Verteidigungsminister selbst. Der Rücktritt des Verteidigungsministers, wir wissen das seit 11:15 Uhr heute Vormittag ganz genau. Am Telefon begrüße ich nun den CSU-Europaabgeordneten Markus Ferber.

Markus Ferber: Ja, guten Tag!

Müller: Wir sind auf Sendung. Ich grüße Sie herzlich! Herr Ferber, dass Sie für uns Zeit gefunden haben. Wir wollen über den Rücktritt von Karl-Theodor zu Guttenberg sprechen. Sie haben einen Megastar heute verloren. Sind Sie traurig?

Ferber: Natürlich sind wir traurig, nicht, weil wir einen Megastar verloren haben, sondern weil ein Politiker zurückgetreten ist, der bei den Menschen großes Vertrauen gefunden hat für seine politische Arbeit, der auch Vertrauen in die Politik geschaffen hat und der auch uns als CSU geholfen hat, uns zu stabilisieren, und deswegen auch ein wichtiger Faktor für die CSU in Bayern war.

Müller: Haben Sie bis zuletzt Vertrauen in ihn gehabt?

Ferber: Wir hatten gestern Vorstandssitzung und wir haben uneingeschränkt unser Vertrauen gegenüber Karl-Theodor zu Guttenberg ausgesprochen. Er war auch da, er war sehr bewegt, man hat gemerkt, dass es sehr an seinen Kräften zehrt, was mit ihm stattfindet. Aber ich glaube, er hat gespürt, dass die Partei wirklich zu ihm steht, und das hat ihm noch mal gut getan.

Müller: Ist das ein Grund, stolz darauf zu sein, dass die Partei zu ihm steht?

Ferber: Es geht ja nicht darum, ob man stolz ist oder nicht, sondern es geht darum, ist eine Partei in der Lage, auch so eine schwierige Situation miteinander durchzustehen oder nicht, und die Partei wäre bereit gewesen, es mit ihm durchzustehen. Es ist seine persönliche Entscheidung, die er heute getroffen hat. Wir bedauern das sehr. Aber es ist niemand in der Partei gewesen, der ihn hier gedrängt hat, so einen Schritt zu tun, und darauf bin ich stolz, dass die Partei hier wirklich Karl-Theodor zu Guttenberg bis zuletzt voll unterstützt hat.

Müller: Ist das gut, Markus Ferber, wenn eine Partei über der Tugend steht?

Ferber: Ich verstehe jetzt Ihre Frage nicht ganz.

Müller: Ich glaube schon! Soll ich sie noch mal wiederholen?

Ferber: Nein, nein!

Müller: Ist die Partei wichtiger als die Tugend?

Ferber: Natürlich habe ich Sie schon verstanden, aber hier werden Dinge miteinander verwoben, die ich in keinem Sachzusammenhang sehe.

Müller: Es ging darum, ob er tugendhaft gehandelt hat mit seiner Dissertation.

Ferber: Ja, aber das ist doch nicht die Frage, ob er als Bundesverteidigungsminister gute Arbeit gemacht hat, oder vorher als Bundeswirtschaftsminister gute Arbeit gemacht hat, und die hat er absolut gemacht und er hat dafür viel Zustimmung bei den Menschen gefunden.

Müller: Und sieben Jahre Täuschung spielt keine Rolle?

Ferber: Noch mal: Ich sehe diesen Sachzusammenhang nicht.

Müller: Herr Ferber, Sie sagen, man kann also unterscheiden zwischen dem Wissenschaftler, zwischen dem Mensch zu Guttenberg und dem Politiker?

Ferber: Ich glaube schon, dass wir auch etwas mit Demut an die Frage herangehen sollten, ob jemand, der in jungen Jahren in ein politisches Amt kommt, der nebenbei versucht, eine Dissertation zu machen, der in der Politik seine Spuren gelegt hat, der dann in Verantwortung gekommen ist, der eine Familie gegründet hat, ob das alles miteinander vereinbar ist. Es ist ein hohes Maß an Arbeit, die auf Karl-Theodor zu Guttenberg da zugekommen ist, und darum mag ich hier nicht Richter spielen.

Müller: Wollen wir auch nicht im Deutschlandfunk, wir sind auch nicht polemisch im Deutschlandfunk. Dennoch die Frage: Was Sie jetzt gesagt haben, könnte ich jetzt sagen, mir kommen die Tränen.

Ferber: Ich will nur mal darauf hinweisen, dass Karl-Theodor zu Guttenberg sowohl als Bundeswirtschaftsminister in der Großen Koalition als auch jetzt als Bundesverteidigungsminister sehr beherzt die Aufgaben angegangen ist, die in dieser Aufgabe anzugehen waren, und das ist das, was die Menschen an ihm geliebt haben. Da hat er niemanden betrogen und da hat er niemandem was vorgemacht, sondern er ist wirklich seinen Weg gegangen im Interesse der Bundesrepublik Deutschland, worauf er auch vereidigt ist. Das ist sein Kapital und das will ich auch jetzt nicht schmälern lassen.

Müller: Hat er die Wissenschaft betrogen?

Ferber: Das habe ich nicht zu bewerten, das hat zunächst mal die Uni Bayreuth zu bewerten.

Müller: Ihnen reicht das nicht, was Sie wissen?

Ferber: Noch mal: Das ist keine Frage, die die Partei oder die der Bundestag zu beantworten hat, sondern das ist eine Frage, die die Wissenschaft zu beantworten hat, hier insbesondere die Universität, an der Karl-Theodor zu Guttenberg promoviert hat, und das ist die Uni Bayreuth.

Müller: Also die Doktorarbeit ist aberkannt worden. Das ist ja schon mal ein guter Schritt!

Ferber: Ja, aber noch mal: Das ist keine Frage, die jetzt die Partei zu beantworten hat; das ist eine Frage, die den Wissenschaftsbetrieb zu interessieren hat und die der Wissenschaftsbetrieb beantwortet hat.

Müller: Das heißt, Sie hätten den Bayreuthern die Entscheidung in die Hand gegeben, darüber zu entscheiden, ob die CSU den Verteidigungsminister fallen lassen muss oder nicht?

Ferber: Nein. Jetzt stellen Sie aber eine Verknüpfung her, die ich überhaupt nicht gesagt habe.

Müller: Sie haben ja gesagt, die Uni muss das entscheiden.

Ferber: Nein! Ich versuche, nur zu unterscheiden zwischen der Frage der wissenschaftlichen Leistung und der politischen Leistung, und die politische Leistung ist uneingeschränkt positiv, die Karl-Theodor zu Guttenberg in seinen Zeiten jetzt als Minister, vorher auch als Generalsekretär, vorher als außenpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und als Außenpolitiker der CSU-Landesgruppe geleistet hat, unabhängig von der wissenschaftlichen Bewertung, die ich nicht vorzunehmen habe.

Müller: Haben Sie ihm denn gestern noch auf die Schulter geklopft?

Ferber: Ich habe ihm gestern auf die Schulter geklopft und ich werde es wieder tun.

Müller: Wenn wir mit Demut operieren – das haben Sie ja eben ins Gespräch gebracht, Markus Ferber -, hat die CSU zu lange an ihm festgehalten?

Ferber: Noch mal: Das ist keine Frage, die die CSU jetzt in erster Linie zu beantworten hat. Die CSU hat mit Karl-Theodor zu Guttenberg eine Persönlichkeit in ein verantwortungsvolles Amt gebracht, die Herr zu Guttenberg in hervorragender Art und Weise auch ausgefüllt hat. Und was seine Arbeit als Bundesverteidigungsminister betrifft, war die bis zum letzten Tag untadelig und unbestritten, und darauf möchte ich doch großen Wert legen.

Müller: Wie groß ist dennoch – weil viele machen diese Unterscheidung, die Sie machen, ja nicht -, wie groß ist dennoch der Schaden für die Partei?

Ferber: Das ist etwas, was ich überhaupt nicht bewerten will, weil ich noch mal sagen möchte, es gibt hier einen Unterschied zwischen der Frage der wissenschaftlichen Arbeit und der Frage der politischen Arbeit, und die politische Arbeit – und dazu stehe ich – von Karl-Theodor zu Guttenberg ist unbestritten eindeutig positiv.

Müller: Bei uns heute Mittag im Deutschlandfunk der CSU-Europaabgeordnete Markus Ferber. Vielen Dank für das Gespräch und auf Wiederhören.

Ferber: Auf Wiederhören!

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