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StartseiteUmwelt und VerbraucherNatur statt Acker06.08.2013

Natur statt Acker

Die Wiedervernässung des Ahrenviölfelder Westermoores - Teil 2 der Serie: "Der umstrittene Nutzen der Wildnis"

Weniger Landwirtschaft, mehr Natur: Darauf zielt die Wiedervernässung des Ahrenviölfelder Westermoores im Norden von Schleswig-Holstein. Durch Anhebung des Wasserspiegels will man zurück zur typischen Moorlandschaft mit Heiden. Landwirte jedoch betrachten das Projekt kritisch.

Von Dietrich Mohaupt

Im Ahrenviölfelder Westermoor sollen Torfmoose, Glockenheiden und Moorlilien wieder einen Lebensraum finden.  (dpa / picture alliance / Julian Stratenschulte)
Im Ahrenviölfelder Westermoor sollen Torfmoose, Glockenheiden und Moorlilien wieder einen Lebensraum finden. (dpa / picture alliance / Julian Stratenschulte)

Es klingt so gar nicht nach Moor, wenn der Naturschutzbeauftragte des Ahrenviölfelder Westermoores, Dieter Petersen, in dem ehemaligen Hochmoor unterwegs ist. Unter seinen Schuhen bricht das knochentrockene Gras, nasse Füße bekommt hier niemand mehr, die Landschaft hat sich drastisch verändert – und mit ihr auch die Lebensbedingungen für viele Pflanzen.

"Wir haben vor allem dieses Bentgras oder Pfeifengras, das nimmt einfach überhand und drängt die Heiden zurück. Das Pfeifengras ist ein Trockenanzeiger, genauso wie der Gagelstrauch, der etwas höher wächst. Und wir versuchen jetzt durch diese Vernässungsmaßnahme, dass wir wieder die typische Moorlandschaft haben mit Heiden."

Seit ein paar Tagen rollen hier die Bagger – Entwässerungsgräben werden zugeschüttet, überall entstehen Erdwälle. Das Ahrenviölfelder Westermoor ist recht uneben, es gibt höhere und niedrigere Bereiche, erläutert die Projektleiterin Jutta Walter von der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein. Vor allem die höher gelegenen Bereiche sind viel zu trocken.

"Unser Ziel ist jetzt, auf den höheren Flächen den Wasserspiegel anzustauen, das Wasser wieder hochzuholen bis an die Oberfläche, damit die Torfmoose wieder wachsen können und andere typische Arten wie Glockenheide und Moorlilie und dass diese Arten eben auch mit den Schmetterlingen und allen, die dazugehören, wieder einen Lebensraum finden."

Ein paar Meter weiter hat der Baggerfahrer inzwischen angefangen, die obere Schicht des ehemaligen Hochmoors etwa 30 Zentimeter tief abzutragen – es entsteht eine mehrere Meter breite Schneise in der Gras- und Gestrüppschicht, die kräftig dunkelbraune Torfschicht wird hier vollständig freigelegt, nur so lässt sich ein vernünftiger Wall errichten, der das Wasser auch hält.

"Die Vegetationsschicht muss abgezogen werden, weil das sonst durchlässig wäre. Es muss Torf auf Torf, es muss die Verwallung auf gewachsenen Torf gebaut werden, damit das dicht ist hinterher."

Pure Begeisterung lösen die Bauarbeiten für die Moorvernässung übrigens nicht überall aus – vor allem Landwirte betrachten die Projekte häufig eher kritisch. Zurück zur Natur statt intensiver Landwirtschaft – das schmeckt nicht jedem, beim Ahrenviölfelder Westermoor hat man sich aber mit den Landwirten in der Region bestens arrangiert, betont der Naturschutzbeauftragte Dieter Petersen.

"Alles wird im Einklang mit der Landwirtschaft abgesprochen, damit da keine Differenzen entstehen. Früher waren die Moorwiesen fast unpassierbar, und ich kann mich noch als Kind erinnern, dass das Heu im Sommer im Wasser schwamm – so wollen wir das nicht wieder zurückführen. Ich bin persönlich der Meinung: Es muss intensive Landwirtschaft geben, aber wir brauchen auch Naturschutzgebiete, die für unsere Nachwelt erhalten bleiben."

Und es geht bei der Vernässung ehemaliger Moorflächen nicht nur um den Naturschutz – Moore speichern auch große Mengen Kohlendioxid, allerdings nur so lange sie intakt sind. Werden Moorflächen entwässert, dann wird auch das klimaschädliche Gas freigesetzt. In Schleswig-Holstein stammen rund 9 Prozent der von Menschen verursachten CO2-Emissionen aus trockengelegten Mooren, erläutert Jutta Walter.

"Gerade diese entwässerten Hochmoortorfe, die sacken enorm. Da haben wir Beispiele – im Hartshooper Moor, da ist vor 100 Jahren eine Eisenstange bis auf den mineralischen Grund geschlagen worden – die guckt heute 2 Meter raus, die Moorböden sacken und sacken."

… und setzen dabei große Mengen CO2 frei. Um genau das zu verhindern, sollen im Ahrenviölfelder Westermoor insgesamt drei Kilometer Wallanlagen errichtet werden, dazu Spundwände auf gut 130 Metern Länge. Überall im Land sind solche Projekte bereits entstanden – und es sind weitere geplant, kündigt Projektleiterin Jutta Walter an.

"Wir haben auf Stiftungsflächen in den letzten Jahren schon 300 bis 400 Hektar ehemaliges Hochmoor, Grünland, das inzwischen brach gefallen war, nicht mehr nutzbar war, wieder vernässt. Und auch in anderen Mooren unterstützt das Landesamt Vernässungsmaßnahmen – also wir starten jetzt gerade richtig durch."

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