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StartseiteSport AktuellThibaut Pinot kann die Tour de France gewinnen23.07.2019

Naturbursche auf AngriffskursThibaut Pinot kann die Tour de France gewinnen

Thibaut Pinot ist derzeit der stärkste Bergfahrer bei der Tour de France. Der Tourdritte von 2014 steht vor dem ganz großen Coup: Er hat nicht nur seine Leistung verbessert, sondern verfügt auch endlich über ein starkes Team.

Von Tom Mustroph

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Der Franzose Thibaut Pinot jubelt über seinen Sieg bei der 14. Etappe der Tour de France auf dem Col du Tourmalet. (AFP / Anne-Christine POUJOULAT)
Der Franzose Thibaut Pinot jubelt über seinen Sieg bei der 14. Etappe der Tour de France auf dem Col du Tourmalet. (AFP / Anne-Christine POUJOULAT)
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Am Radsport liebt Thibaut Pinot vor allem das Draußensein. Um mehr zu haben von der Natur, hat er sich in den Vogesen eine kleine Farm aufgebaut. Er züchtet Esel, Ziegen und Schafe. Nicht, um ihr Fleisch, ihre Milch oder ihre Tragekapazitäten auszunutzen, sondern um sich an ihrem Anblick zu erfreuen und Ruhe und Gelassenheit zu finden. 

Bei dieser Tour de France ist er bislang der Stärkste in den Bergen. Das sieht auch Titelverteidiger Geraint Thomas so.

"Er sieht richtig gut aus. Wenn er so weiter macht, wird es ein sehr enger Kampf. Aber ich bin sicher, er wird einen Tag haben, an dem er nicht so stark ist, ok, vielleicht hat er so einen. Dann will ich bereit sein."

Thomas liegt vor den Alpenetappen in der Gesamtwertung zwar noch vor Pinot. Aber wegen dessen Leistung in den Pyrenäen – Etappensieg am Tourmalet, zweiter Platz in Foix – hat der Brite solchen Respekt vor dem Franzosen, dass er auf einen schwachen Tag seines Gegners hofft. Er glaubt nicht mehr, ihn bezwingen können. Er hofft nur noch auf eine Schwäche.

Verbesserte Helfertruppe

Das ist neu. Pinot galt bisher als einer, der an einem guten Tag mit seinem Antritt ein Peloton sprengen kann. So holte er Etappensiege auf den legendären Gipfeln von Tourmalet und l’Alpe d’Huez. Er hatte aber nicht die Nervenstärke, drei Wochen auf höchstem Niveau zu fahren. Die Nerven hat er jetzt. Die Kraft auch. Und vor allem eine stark verbesserte Helfertruppe.

Sebastien Reichenbach, langjähriger Berghelfer im Team: "In diesem Jahr haben wir im Unterschied zu den anderen Rundfahrten, die ich mit Thibaut machte, David Gaudu bei uns, ein exzellenter Kletterer. Wir sind jetzt drei gute Kletterer, die ihn unterstützen können. Das ist unsere Stärke. Und auch im Flachen und im Zeitfahren haben wir zugelegt. Ich denke, wir haben die beste Mannschaft der letzten Jahre."

Den neuen Superhelfer, David Gaudu, ein 22-jähriges Klettertalent, respektiert auch Deutschlands aufgehender Stern Emanuel Buchmann.

"Ja, der ist schon sehr stark gefahren. Aber ist schon das ganze Jahr so gut drauf. Das hat mich eigentlich nicht überrascht."

"Die Alpen, die dritte Woche, sind das, was zählt"

Gaudu sorgte dafür, dass in den Bergfinals in den Pyrenäen sehr viele Stars leiden mussten. Tritt er an, geht ein Ruck durch die Favoritengruppe. Sie zieht sich in die Länge. Und einige müssen gar abreißen lassen. Das ist die Startrampe für die Attacken des Chefs. Pinot selbst denkt noch nicht an den ganz großen Erfolg, sondern setzt sich Ziele Tag für Tag.

"Mit Thomas beschäftige ich mich gerade nicht so. Ich habe noch andere vor mir. Ich will da Schritt für Schritt vorgehen und meinen Rückstand verringern. Für den Moment klappt das gut. Aber die Alpen, die dritte Woche, sind das, was zählt.

Auf die dritte Woche hat Pinot, derzeit Gesamtvierter, sich ganz gezielt vorbereitet. Da will er noch besser sein als zuvor bereits in den Pyrenäen. Ganz Frankreich hofft, dass der derzeit beste Kletterer der Tour auch in Paris ganz oben steht.

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