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StartseiteVerbrauchertippOft nur Greenwashing statt Natur 12.09.2019

NaturkosmetikOft nur Greenwashing statt Natur

Granatapfel, Oliven, Mandelmilch: Drogerien und Parfümerien bewerben ihre Naturkosmetik-Produkte oft mit blumigen Worten und bunten Bildern. Verbraucher sollten dennoch auf die Inhaltsstoffe achten. Denn nicht überall, wo "bio" und Natur draufsteht, ist auch wirklich nur Gesundes drin.

Von Margret Bielenberg

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Kunden gehen am 15.04.2015 durch einen Drogeriemarkt dm in Stuttgart. (dpa/ picture alliance/ Daniel Naupold)
Der Begriff "bio" ist bei Kosmetik nicht geschützt (dpa/ picture alliance/ Daniel Naupold)
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Aloe Vera, Oliven, Kamille: Wer solche Abbildungen auf Kosmetikprodukten findet, glaubt Naturkosmetik in den Händen zu halten. Das ist oft nicht der Fall, sagt Silke Schwartau von der Verbraucherzentrale Hamburg. 16 Produkte hat die Verbraucherzentrale genauer unter die Lupe genommen.

"Wir haben sehr viele synthetische Stoffe in angeblicher Naturkosmetik gefunden. Dazu gehören Silikone, Mineralölverbindungen, Parabene, unterschiedliche Duftstoffe synthetischer Art.

Also man findet das ganze Spektrum, das auch in konventioneller Kosmetik enthalten ist. Vor allem hat uns gewundert, dass wir teilweise auch flüssige Polymere gefunden hatten. Also jetzt nicht unbedingt Mikroplastik, aber trotzdem flüssige Kunststoffe, die auch für die Umwelt äußerst problematisch sind."

Natur als Werbeverprechen

Auch sprachlich bemühen sich die Unternehmen sehr naturnah zu wirken, sagt die Verbraucherschützerin.

"Da habe ich ein Produkt 'nature box' vor mir stehen und das suggeriert natürlich, oh da kommt die ganze Natur drin vor. Oder es ist halt eine Avocado-Creme, Granatapfelcreme, so etwas gibt es alles, aber tatsächlich wird nicht der prozentuale Anteil für Verbraucher ersichtlich und es kann auch nur eine Miniminimenge sein."

Wer bewusst nach natürlichen Produkten sucht, steht oft hilflos vor den Kosmetikregalen. Das geht Cornelia Ellmer mittlerweile nicht mehr so. Die Hamburgerin hat helle empfindliche Haut und sich schon seit einiger Zeit mit Naturkosmetik beschäftigt. Shampoos und Duschgel kauft sie zum Beispiel in der Naturkosmetikabteilung der Drogeriemärkte oder in Bioläden, die meist auch Kosmetik führen. Aufs Haarefärben muss sie trotz ihrer empfindlichen Haut nicht verzichten.

"Ich benutze seit 30, 40 Jahren ein Tönungsmittel, das auf Hennabasis ist. Und das mache ich auch ganz bewusst, weil ich auch da keine Chemie an meine Haare und an meine Kopfhaut lassen wollte."

20.04.2018, Niedersachsen, Hannover: Verschiedene Sorten bunter Seife stehen in einer Filiale des britischen Unternehmens "Lush" auf einem Tisch. (Hauke-Christian Dittrich/dpa)Auch Naturkosmetik kann Allergien auslösen - daher immer auf die Inhaltsstoffe achten (Hauke-Christian Dittrich/dpa)

"Bio"-Bezeichnung hilft bei Kosmetik nicht weiter

Eine spezielle Gesichtscreme kauft sie in der Apotheke. Günstigere Cremes aus der Naturkosmetikabteilung der Drogeriemärkte müssen allerdings nicht schlechter sein. Nur die Bezeichnung "bio" hilft nicht weiter. Denn während bei Lebensmitteln die Bio-Kennzeichnung gesetzlich geregelt ist, ist der Begriff "bio" bei Kosmetikartikeln nicht geschützt.

"Für Verbraucher ist es zurzeit sehr schwierig, das richtige Label zu erkennen. Wir fordern ein staatliches und einheitliches, damit man mehr Orientierung hat. Zurzeit würden wir aber empfehlen, zum Beispiel NaTrue, BDIH, Ecocert. Das sind die, die man hauptsächlich hier findet."

Im Zweifelsfall beraten lassen

Manche Menschen reagieren allergisch auf bestimmte Naturkosmetikprodukte. Da gilt es auszuprobieren. Die Verbraucherzentralen beraten bundesweit zum Thema Kosmetik. Auch Testergebnisse der Zeitschrift "Ökotest" beispielsweise können Orientierung geben. Wer sich für Naturkosmetik entscheidet, tut auch etwas für die Umwelt.

"Traditionelle Naturkosmetikverbände haben auch Nachhaltigkeitskriterien mit auf ihrer Agenda. Viele beziehen Rohstoffe aus der Region, haben eigene Anbaufelder und das findet man halt bei den Marken, die auch bei Discountern vorkommen und auch sehr preiswert angeboten werden, eben häufig nicht.

Hier hilft es mal auf die Internetseiten zu schauen, zu gucken: Was ist eigentlich noch alles mit der Marke verbunden, denn Klimaschutz ist ja zurzeit ein sehr, sehr wichtiges Thema."

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