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StartseiteVerbrauchertippWildobst für Vögel und Küche30.07.2020

Naturnaher GartenWildobst für Vögel und Küche

Tolle Blüten im Frühjahr, sagenhafte Herbstfarben, Grundlage für Schnaps und Eis: Wildobststräucher sind eine Bereicherung für den Garten und die Küche. Dabei schützen Holunder, Kornelkirsche oder Felsenbirne nicht nur vor Schädlingen, sondern sind auch eine wichtige Nahrungsquelle für Vögel.

Von Susanne Kuhlmann

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Eine Dorngrasmücke (Sylvia communis),  frisst Holunderbeeren (Fliederbeeren)(Sambus nigra).  (picture alliance / M.Varesvuo)
Wildobstgehölze werden in unseren Städten und Landschaften immer seltener - dabei brauchen Vögel wie die Dorngrasmücke die wilden Beeren (picture alliance / M.Varesvuo)
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"Ein Wildobst, was dieses Jahr im Frühjahr komplett ausverkauft war, ist der Holunder."

Das hat Oliver Fink von der Gartenbaumschule Becker in Bergisch Gladbach beobachtet.

"Alle Formen und Variationen des Holunders erfreuen sich höchster Beliebtheit, weil nicht nur die Beeren verarbeitet werden können, sondern auch die Blüten." 

Für den Schnaps oder zum Einmachen

Mit der Kornelkirsche beginnt das Wildobstjahr. 

"Die Kornelkirsche ist die erste, die gelb im März blüht und jetzt tolle rote Früchte bekommt, die oft als giftig verschrien sind, was gar nicht stimmt, sondern die werden gut zum Schnaps oder als Zuschlagsfrucht zum Einmachen verwendet."

Maikäfer sitzt auf Löwenzahn-Blüte (dpa / Patrick Seeger) (dpa / Patrick Seeger) Naturschutz - Insektenfreundlicher Garten mit heimischen Pflanzen
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Wenn man dazu kommt, sie zu ernten. Eric Neuling ist beim Naturschutzbund NABU zuständig für Vogelschutz.

"Man sieht öfter Amseln, aber auch Stare kommen gerne in solche Sträucher und plündern dort die Beeren und Früchte. Im Herbst sind auch kleinere Vögel wie Mönchsgrasmücken oder der Zilpzalp in Sträuchern zu sehen, weil sie dort für den Herbstzug ihre Reserven so stärken, dass sie den langen Zugweg schaffen. Die Früchte von den Sträuchern haben zum einen viele Vitamine und auch viel Zucker und liefern viel Energie."

Vögel brauchen mehr Wildobst

Auch die Felsenbirne gehört zu den Wildobstarten auf die Vögel fliegen und ist ein besonders spektakulärer Strauch, meint Oliver Fink.

"Wir haben eine tolle Blüte im Frühjahr, dann kommen die Beeren. Und bei der Felsenbirne haben wir auch eine sagenhafte Herbstfärbung, ins orange, gelb, teilweise ins lila herein, sodass wir zu jeder Vegetationsjahreszeit eine tolle Pflanze haben."

Ein Stieglitz, Distelfink (Carduelis carduelis), sitzt in blühender Felsenbirne. (imago / Blickwinkel)Wer etwas für Bienen und Singvögel tun möchte, sollte Wildobstgehölze pflanzen - nicht nur der Distelfink freut sich darüber (imago / Blickwinkel) 

Die dunklen Früchte locken im Frühsommer zahlreiche Vögel an und sind nach wenigen Tagen verputzt. Eric Neuling vom NABU: 

"Die Vögel brauchen das tatsächlich. Wir sehen das an vielen Stellen unserer Naturlandschaft, dass eben gerade solche großen Hecken und diese Gehölze in der freien Natur immer seltener werden. Leider sind die Mengen an Obst bei diesen Sträuchern ja nicht so groß."

Weitergezüchtete Wildobstsorten bilden meistens mehr Früchte aus, was die Chance auf die Ernte für Marmelade oder selbstgemachtes Wildobsteis erhöht. Gepflanzt werden Schlehe, Weißdorn und Co. am besten im Frühjahr oder Herbst.

Für naturnahe Gärten ein Muss

Wildobststräucher sind enorm robust, so Gärtnermeister Oliver Fink. Zwar können sie auch Schädlinge bekommen, zum Beispiel Blattläuse, wie der Holunder. Aber sie werden selbst damit fertig. Und wer Rosen vor einen Holunderstrauch pflanzt, schützt sie sogar vor Läusen.

Wildobst für den naturnahen Garten – einfach ein Muss, meint er.

"Wir haben bei Wildobst grundsätzlich eine schöne Blüte, wir haben eine sehr, sehr hohe Robustheit, und wir haben auf jeden Fall Beeren oder Früchte. Eine Sache, die mir dazu noch einfällt, wo es super funktioniert, ist mit Wildrosen, die auch zum Wildobst gehören, weil die Hagebutten auch verarbeitet werden können. So eine Wildrose ist ein Hingucker wenn sie blüht und auch, wenn sie Früchte hat."

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