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StartseiteSonntagsspaziergangMit dem Rad durch die Eifel26.05.2019

NaturtourismusMit dem Rad durch die Eifel

Mit dem Fahrrad vorbei an Burgen, Felsen und Flüssen: In der Eifel gibt es viele Strecken, auf denen Aktivurlauber die Gegend erkunden können. Wer etwa auf einer der vielen Brücken des Rur-Ufer-Radweg Halt macht, kann im Fluss Wasseramseln und Biber beobachten.

Von Gerd Michalek

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Die Burg Hengebach steht in Heimbach ( Eifel ), einer Stadt in der Nordeifel, oberhalb der Rur im Kreis Düren, Nordrhein-Westfalen.  (picture alliance / dpa / Ralph Goldmann)
Die Burg Hengebach steht im malerischen Eifel-Ort Heimbach (picture alliance / dpa / Ralph Goldmann)
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In knapp 40 Minuten erreiche ich vom Kölner Hauptbahnhof aus die Stadt Düren. Ich packe mein Rad aus dem Zug und lasse den Stadtlärm nach wenigen Kilometern hinter mir. In Kreuzau finde ich die Rur, die sich durch eine flache Flusslandschaft schlängelt, und sehe eine Steilstufe.

Allmählich wird das Rurtal enger, der Weg führt teilweise an Felsen vorbei - schmal und holprig, dann wieder breit und asphaltiert, meist leicht ansteigend. Ich erreiche die Biologische Station Nideggen-Brück, wo mir Lutz Dahlbeck die Tierwelt der Rur erklärt.

"Wenn man sich nur auf die Rur bezieht, ist so eine Art, die man wirklich sehr gut beobachten kann, die Wasseramsel beispielsweise, die ganz typisch ist für Fließgewässer wie die Rur. Er ist der einzige Singvogel, der tauchend seine Beute fängt und deswegen an Fließgewässer gebunden ist. Die kann man hier sehr schön beobachten – und zwar durch das ganze Jahr, vor allem, wenn man als Fahrradfahrer auf irgendwelchen Brücken stehen bleibt und schlichtweg mal für fünf Minuten wartet oder auch zehn."

Biber gibt es in der gesamten Rur

Der Radweg wechselt ab und an die Rurseite – dank vieler Fußgängerbrücken. Unter ihnen schwimmen ein paar große Forellen. Im Fluss finden sich auch Biberspuren:

"Biber gibt es an der gesamten Rur - kann man sagen - quasi von der Quelle bis zur Mündung in die Maas. Die Spuren kann man natürlich auch sehen, das sind insbesondere benagte Bäume oder angenagte Sträucher und ähnliches. Dämme, die die Biber ja traditionell bauen, bauen sie in der Rur natürlich nicht, die ist zu groß."

Zwei Kilometer vom Radweg entfernt thront hoch oben auf einem Rurtalberg Burg Nideggen. In der Nähe leben Greifvögel. Ihr Revier sind vor allem die Buntsandsteinfelsen.

"Das sind schon sehr mächtige Felsformationen für den Mittelgebirgsraum. Und die werden besiedelt unter anderem eben auch von Uhus. Wer hier abends oder nachts unterwegs ist, der kann auch Uhus hören durchaus und zwar an verschiedenen Stellen im gesamten Rurtal kann einem das passieren. Typischerweise im Herbst, also Oktober und November oder auch im Frühjahr. Wanderfalken brüten in der Umgebung des Rurtals erfolgreich seit einigen Jahren. Im Rurtal brüten zum Beispiel Rotmilane jetzt in diesem Abschnitt oder Schwarzmilane, die man regelmäßigen sehen kann. Und was hier auch gelegentlich auftaucht und eher sensationell ist für die Region: sind solche Arten wie Schlangenadler, den man mehrmals gesehen hat, oder auch Gänsegeier."

Blick auf die Buntsandsteinfelsen im Rurtal in der Rureifel  (picture alliance / dpa / Hans-Joachim Rech)An den Buntsandsteinfelsen im Rurtal können Greifvögel beobachtet werden (picture alliance / dpa / Hans-Joachim Rech)

Vorsicht vor Reptilien auf dem Weg

Dahlbeck hat noch zwei Tipps für den Radweg. Zunächst die Warnung, dass es das folgende Radwegstück südlich von Nideggen in sich hat: mit satten 15 Prozent Steigung über ein paar 100 Meter Weg. Und er rät, die Augen oft auf den Weg zu richten!

"Was in der Region relativ häufig vorkommt, sind überfahrene Reptilien, also Schlangen, die von Radfahrern überfahren werden. Das ist mir selber fast auch schon passiert. Das geht sehr schnell, manchmal liegen die einfach rum und im ersten Moment bemerkt das gar nicht!"

Heute jedoch lassen sich weder Kreuzottern noch Ringelnattern auf dem Weg sehen. Dafür entdecke ich nach weiteren zwölf Kilometern den malerischen Ort Heimbach mit einer imposanten Burganlage aus rötlichem Stein. In Heimbachs Bahnhof treffe ich Rene Wissgott vom Rur-Eifel-Tourismus.

"Es ist schon so, dass Sie die Strecke gegen den Strom gefahren sind. Machen die wenigsten, die meisten fahren wirklich mit dem Fluss, das ist es etwas entspannter. Gegen den Strom - da muss man schon ein bisschen Kondition mitbringen. Tourenrad ist schon zu empfehlen. Für die, die es mehr genießen wollen natürlich mittlerweile mit dem E-Bike unterwegs sein, das ist die entspannteste Variante. Der Rur-Ufer-Radweg hat für uns als Grenzregion natürlich den ganz großen Charme, dass er durch drei Länder führt, mit dem Beginn in Belgien im Hohen Venn. Dann ein relativ großes Stück im Westens Nordrhein-Westfalens mit den Altstädten Monschau, der Papierstadt Düren und dann rüber nach Roermond in den Bereich der Rur-Maas-Mündung."

Nach meiner Tagestour im Rurtal starte ich am nächsten Tag - erneut von Köln mit dem Zug - in Richtung Kylltal und steige nach gut einstündiger Fahrt in Dahlem aus. Auf knapp 500 Höhenmetern liegt das obere Kylltall. Ähnlich wie beim Rur-Ufer-Radweg[*] führt der Weg nicht immer nahe am Fluss entlang, sondern schlängelt sich auf oft holprig durch hübschen Mischwald über einige Anhöhen. So kommen schnell einige 100 Höhenmeter zusammen. Wen das zu sehr ermüdet, kann alle sechs bis acht Kilometer einen Bahnhof ansteuern, um mit dem stündlich fahrenden Eifel-Express Etappen zu überspringen.

Zunächst halte ich in Birgel, einem hübschen 500 Seelen-Dorf, und stärke ich mich mit Kuchen im Gartenlokal von Erwin von der Mühle: stolzer Besitzer vieler Mühlen-Anlagen.

"Der Grundstein ist eine Getreidemühle aus dem 13.Jahrhundert und eine Sägemühle aus dem Jahre 1917. Ich habe mir auf diesem Gelände fünf voll funktionsfähige Mühlen angeschafft. Habe insgesamt 17 historische Gebäude auf dieses Gelände gebaut und habe das alles in meiner Freizeit gemacht."

Der gelernte Sanitär- und Heizungsfachmann hat sein Hobby zum Beruf gemacht.

"Nachdem ich die Getreidemühle restauriert habe, bin ich in einen Wahn geraten. Und habe mir zuerst mal ein Backes angeschafft, natürlich mit Holz befeuert wie früher. Die nächste Aktion war eine Senfmühle, dann kam eine Ölmühle dabei. Ich bin zu den Mühlen gekommen wie die Jungfrau zum Kind, weil andere Menschen diese Mühlen hatten, nicht mehr gebrauchen konnten, und ich hab einfach das Interesse dran gefunden, die alten Mühlen weiter zu betreiben. Habe sie mir anderswo abgebaut, hier wieder aufgebaut, und habe mir selber gelernt Senf zu machen, ein spannendes Thema."

Besuch bei Großmutter Karls des Großen

Bei der Weiterfahrt nach Süden erfrische ich mich an der stark natriumhaltigen Lindenquelle. Sie liegt nur wenige Meter vom Radweg entfernt und war bereits den Römern bekannt. Wenige Kilometer südlich von Birresborn möchte ich die Bertradaburg besuchen. Ich trete fest in die Pedale, um den Burghügel bei Mürlesbach zu erklimmen. Der Blick übers Kylltal ist reizend. Hier oben soll vor gut 1.300 Jahren Bertrada, die Großmutter Karls des Großen, gelebt haben. Doch weder Museumsführer noch Burgherr sind da, um mir mehr über Bertrada zu berichten, so dass ich weiter radle.

Muerlenbach: Die Bertradaburg in der Eifel  (picture alliance / dpa / DUMONT Bildarchiv / Rainer Kiedrowski)In der Bertradaburg soll vor gut 1.300 Jahren Bertrada, die Großmutter Karls des Großen, gelebt haben (picture alliance / dpa / DUMONT Bildarchiv / Rainer Kiedrowski)

Im Süden wird das Kylltal enger und einsamer. Der Radweg führt zweimal sogar - durch kleine Eisenbahntunnel - durch einen hohen Zaun vom Gleisbett getrennt. Schließlich beende ich nach einem heftigen Anstieg schweißgebadet in Bitburg meine Tagesetappe. Die Stadt liegt rund 150 Höhenmeter über dem Kylltal. Mitten im Ort - in der Trierer Straße - steht eine mächtige fast sakral anmutende Halle im Gründerzeitstil. "Restaurant in der Halle" genannt, so Inhaber Lukas Notte:

"Ne alte Mehrzweckhalle, die 1906 errichtet wurde, steht unter Denkmalschutz, die über die Jahre mehrere Funktionen hatte. Sie hat im Krieg gedient als Mehrzweckhalle und war Veranstaltungsraum. Und die letzte Nutzung war die Turnhalle des alten Bitburger Gymnasiums, woraufhin sie dann brach lag und Ende der 90er-Jahren wieder komplett saniert wurde für gastronomische Zwecke."

Gemeinsam mit seinem Vater, der Schreiner ist, hat Lukas Notte vor ein paar Jahren ein schmuckes holzvertäfeltes Lokal mit eindrucksvoll hohen Decken errichtet.

"Die meisten Bitburger Gäste kennen das Gebäude. Die Generation meiner Eltern hat hier auch tatsächlich Sport betrieben. Viele Leute, die von der Ferne kommen, die sagen: "So etwas sieht man nicht oft."

Nichts ist hier zu spüren vom einstigen Turnhallen-Mief. Ich setze mich hin und bekomme Appetit. Den Kylltal-Radweg kenne ich nun etwa zur Hälfte. Das höchstgelegene Stück - im Quellgebiet der Kyll, auf gut 600 Metern Höhe, hebe ich mir für nächstes Jahr auf.


[*] An dieser Stelle ist im Audio fälschlicherweise vom Rurtalweg die Rede. Dieser befindet sich jedoch nicht in der Eifel.

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