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StartseiteNachrichten vertieftDer Ursprung des umstrittenen Steinbach-Tweets23.03.2016

NDR-RechercheDer Ursprung des umstrittenen Steinbach-Tweets

Ende Februar hatte sich die CDU-Bundestagsabgeordnete Erika Steinbach erhebliche Kritik mit einem umstrittenen Tweet eingefangen. NDR-Reporter haben jetzt den Fotografen des Bildes kontaktiert, auf dem ein kleiner blonder Junge inmitten von dunkelhäutigen Menschen steht. Er ist empört darüber, wie das Bild verwendet wird.

Die CDU-Politikerin Erika Steinbach (dpa / picture alliance / Adam Warzawa)
Die CDU-Politikerin Erika Steinbach steht unter anderem in der Kritik, weil sie Ende Februar ein umstrittenes Bild bei Twitter weiterverbreitet hat. (dpa / picture alliance / Adam Warzawa)
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Es war ein Tweet vom 27. Februar um 14:34, mit dem die CDU-Bundestagsabgeordnete Erika Steinbach einen besonders großen Sturm der Entrüstung auslöste. Die 72-Jährige teilte darin ein Foto. Zu sehen: Ein blondes Kind steht einer Gruppe dunkelhäutiger Menschen gegenüber. Problematisch wurde der Tweet durch den Text auf dem Bild: "Deutschland 2030" steht am oberen Rand, "Woher kommst du denn?" am unteren.

Steinbach erntete breite gesellschaftliche und parteiübergreifende Kritik. "Rassistische Entgleisungen", "widerlich", "eine Schande" waren nur einige Kommentare im Netz auf das Foto. Viele forderten ihren Rücktritt als menschenrechtspolitische Sprecherin der Unionsfraktion im Bundestag. In der "Bild"-Zeitung verteidigte sich die CDU-Politikerin und erklärte, ein besorgter Vater habe ihr das Bild geschickt, dessen Kind nur noch zwei deutsche Mitschüler in der Klasse habe.

Foto entstand in einem Kinderheim

Der NDR-Reporter Fiete Stegers hat sich für das Magazin ZAPP auf die Suche nach dem Urheber des Bildes gemacht und ist fündig geworden. Das Bild kursiere schon seit Jahren im Netz, auch unter anderen Titeln wie "Italien 2030" oder "Russland 2050". Und Stegers fand raus: Das kleine blonde Kind ist der Sohn australischer Eltern. Entstanden ist das Foto im Jahr 2011. Damals besuchte die Familie ein Kinderheim im südindischen Chennai.

Demnach wollte die Familie erreichen, dass das Kinderheim von der Aufmerksamkeit durch das Bild profitiert. "Das Foto entstand in einem sehr schönen Moment voller Liebe und Freude", zitiert ZAPP den Vater des Kindes. "Dass ein so schönes, vorurteilsfreies Aufeinandertreffen von Kindern in solcher Weise verdreht wird, zeigt, wie arm Rassismus ist."

Steinbach reagierte bisher nicht

Bisher hat die twitterfreudige Politikerin Steinbach nicht auf den Bericht der NDR-Reporter reagiert. Gegenüber der "Bild" hatte sie nach ihrem umstrittenen Tweet gesagt, das Bild sei nicht aggressiv: "Es sind auch keine arabischen Flüchtlinge darauf zu sehen, sondern freundliche Inder, die das Kind neugierig und interessiert ansehen."

Dann setzte sie es aber doch in einen anderen Kontext. Auf die Frage, ob Deutschland 2030 wirklich so aussehen könne wie auf dem verwendeten Bild, schob Steinbach nach: "Die Daten deuten darauf hin. In Großstädten gibt es jetzt schon einen erheblichen Anteil nichtdeutscher Bevölkerung."

(pr/sima)

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