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StartseiteWirtschaft am MittagSchöner Wohnen mit Flatrate02.04.2019

NebenkostenabrechnungSchöner Wohnen mit Flatrate

Kaltmiete, Warmmiete, Heiz- oder Stromkostenabrechnung – solche Begriffe kennen die Bewohner eines Wohnprojekts in Wilhelmshaven nicht mehr. In dem neuen Mehrfamilienhaus zahlen die Mieter eine Pauschalmiete. In der ist alles inklusive – Heizen, Strom, sogar eine Tankstation fürs E-Auto.

Von Felicitas Boeselager

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Ein Mehrfamilienhaus mit Solaranlagen auf dem Dach (Deutschlandradio / Felicitas Boeselager)
Es ist fast energieautark: In diesem Mehrfamilienhaus zahlen die Mieter die Nebenkosten per Flatrate. (Deutschlandradio / Felicitas Boeselager)
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Wohnidee Ein Haus für eine Warm-Miete von 100 Euro

"Hier sehen Sie dann auch im Grunde genommen ein Sechs-Familien-Haus, große Balkone, ein ganz normaler Zweispänner, eine Wohnung links, eine Wohnung rechts und der Grundriss ganz normal zum Wohnen, also nichts Außergewöhnliches."

Jedenfalls auf den ersten Blick nichts Außergewöhnliches, dabei versorgt sich  dieses Haus mit eigener Wärme und eigenem Strom. Dieter Wohler, der Vorstandsvorsitzende der Wilhelmshavener Spar- und Baugesellschaft steht vor dem großen, dunkelgrauen Neubau. Auf dem spitzen Dach des Hauses sind Solarmodule und Photovoltaik-Zellen angebracht, so wie auch an allen Balkonen. Das Besondere an diesem Haus wird erst drinnen sichtbar.

"Hier sind wir jetzt im Treppenhaus, wir haben sowohl links als rechts die ganz normale Wohnungseingangstüren, nur in der Mitte haben wir eine weitere Tür, und durch dieses Fenster können wir durchschauen und da sehen wir dann den 20.000 Liter Tank."

Der neun Meter hohe Wassertank dient als Wärmespeicher des Hauses. Über die Solarkollektoren am Dach wird er erhitzt.

"Der ist sehr, sehr gut gedämmt, also wie eine Art Wärmetresor und ist am Ende des Sommers auf 95°C und nimmt diese Energie mit in die Heizperiode hinein…."

Batterien speichern überschüssigen Solarstrom

…, sagt Energieexperte Timo Leukefeld, der das Energiekonzept des Gebäudes entworfen hat. Dieser Tank wärmt dann das Heizungs- und das Trinkwasser der Bewohner. Auch ihren eigenen Strom beziehen sie vom Dach. Was sie nicht sofort brauchen, wird in Batterien gespeichert. Die Lithium- Ionen-Batterien stehen auf dem Dachboden des Hauses und können den Strom bis zu zwei Tage lang speichern. So ist das ganze Haus energieautark – jedenfalls zu 70 Prozent.

"Wir gehen also bewusst in den Projekten nicht auf 100 Prozent. Das hängt mit der Wirtschaftlichkeit zusammen. Wir wissen heutzutage durch die vielen Projekte, die wir berechnet haben, dass die letzten 30 Prozent Autarkie genauso teuer sind wie die ersten 70. Und kaufen praktisch nur einen ganz kleinen Teil aus Gas und Strom aus dem Netz zu."

Insgesamt sind das im Jahr Strom und Wärmekosten von 2500 Euro – für sechs Mietwohnungen. Das ist nicht viel. Die Mieter dieses Gebäudes brauchen sich um solche Zahlen aber keine Gedanken zu machen, sie zahlen nämlich eine Pauschalmiete. Das heißt, in ihrer Miete sind Strom und Heizkosten schon inbegriffen. Sie zahlen in den nächsten zehn Jahren 10,50 Euro pro Quadratmeter. Das ist zwar etwas teurer  als der normale Quadratmeterpreis in Wilhelmshaven, dafür  aber haben sie keine zusätzlichen Kosten. Für den Vermieter lohnt es sich,  weil er die Baukosten zurückbekommt.  Und für den Mieter?

Für die Mieter gibt's ein Rundum-Sorglos-Paket

Der hat natürlich den Vorteil, dass er für zehn Jahre eine Preissicherheit hat, egal wie sich die Energiepreise entwickeln. Er hat ein rundum sorglos Packet, also er muss sich nicht mehr mit Betriebskostenabrechnungen rumplagen, wo er was rausbekommt, oder nachzahlen muss. Er muss nicht mehr drei Mal im Jahr schauen, wie er den Stromanbieter wechseln muss, um wieder etwas zu sparen."

Zu dem Haus gehört auch eine Tankstelle für Elektroautos, bei der Mieter umsonst tanken können. Jedenfalls theoretisch, bisher hat keiner der Mieter ein Elektroauto.

Auch von innen sehen die Wohnungen nicht anders aus als andere Wohnungen. Nur ein kleines Tablet im Wohnzimmer zeigt den genauen Energieverbrauch an. Nach den ersten drei Monaten in ihrer neuen Wohnung sind die Mieter sehr zufrieden, besonders weil das Haus so gut gedämmt ist und  dicke Wände hat.

"Das ist also richtig warm. Meine Frau die fühlt sich hier richtig wohl, weil die hat sonst immer gefroren, die kommt hier rein uns sagt, es ist top."

Die Küche, die Waschmaschine und ein Trockner werden vom Vermieter gestellt, alles stromsparende Geräte, damit die Mieter nicht zu viel Energie verbrauchen. Das Haus hat  2,47 Millionen Euro gekostet und bleibt wohl ein Einzelstück. Es war von vorne herein nur als Forschungsprojekt geplant.

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