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StartseiteWirtschaft am MittagAuch private Sparer zahlen manchmal drauf17.02.2021

NegativzinsenAuch private Sparer zahlen manchmal drauf

Im Durchschnitt müssen deutsche Sparer nun auch Negativzinsen zahlen. Zwar gilt das meist erst ab einer gewissen Einlagenhöhen, aber der Trend ist da. Es gibt noch Banken die positive Zinsen zahlen, doch nicht alle davon sind seriös und sicher.

Von Brigitte Scholtes

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Ein Stapel von Euro-Münzen, am Rand sieht man die Aufschrift "Einigkeit, Recht und Freiheit". (imago / Westend61)
Auch deutsche Privatpersonen sparen mittlerweile im Durchschnitt mit Negativverzinsung (imago / Westend61)
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Was für Firmenkunden schon lange gilt, hat nun im Dezember auch erstmals die privaten Sparer in Deutschland getroffen. Sie müssen Gebühren zahlen, wenn sie Geld kurzfristig, also bis zu einem Jahr anlegen wollten. Das zeigt der Zinsradar des Internetportals "Weltsparen".

Das gilt zwar nur für den Durchschnitt, und dieser negative Zins liegt auch nur bei 0,01 Prozent, sagt Tamaz Georgadze, Chef der Raisin Bank, die das Internetportal "Weltsparen" betreibt:

"Es ist tatsächlich noch ein sehr leichtes Phänomen oder leicht negative Verzinsung, wo man noch nicht Alarm schlagen muss. Aber in der Tat, das hat im Durchschnitt die Privatkunden erreicht."

Unverzinste Gelder sind ohnehin die Regel

Basis für die Erhebung sind die Daten, die die Banken an die Europäische Zentralbank (EZB) melden. So sind etwa zwei Prozent der gesamten Sparvolumina betroffen, der Rest wird gar nicht verzinst, erklärt Hendrik Buhrs vom Verbraucherportal "Finanztip":

"Gerade ältere Tagesgeldkonten haben im Laufe der Zeit immer wieder Zinsen gesenkt und bieten halt jetzt  auch 0,0 nur noch an. Und so kommt dann eben auch so ein Durchschnittswert zustande. Wenn eben viele Kunden unverzinste Gelder haben, dann fallen diejenigen, die schon Negativvinsen tragen, natürlich statistisch noch stärker ins Gewicht."

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Aber der Trend geht nach unten, das bestätigt auch die Finanzberatung Max Herbst, die seit vielen Jahren die Zinsentwicklung auch bei Tages- und Festgeldkonten von 1.200 Banken in Deutschland vergleicht. Bei vielen Geldhäusern werden zwar nur Sparanlagen von einer bestimmten Höhe an negativ verzinst, inzwischen aber erheben einige Institute Gebühren fürs Sparen auch vom ersten Cent an. Das gilt oft nur für Neukunden, aber inzwischen werden auch Bestandskunden nicht mehr unbedingt verschont.

In Europa bitten nur noch Banken in Dänemark und Luxemburg ihre Sparer im Durchschnitt zur Kasse. Dass es auch die Deutschen trifft, hat auch damit zu tun, dass sie viel sparen:

"Mehr als die Hälfte des privaten Haushaltsvermögens liegt nämlich auf Gehaltskonten, Tagesgeldkonten, Festgeldkonten oder Sparbücher. Das heißt, die Last, die auf den Banken liegt, und in diesem Fall ist es nämlich eine Last, die ist in Deutschland besonders groß", sagt Tamaz Georgazde von Weltsparen.

Bei Alternativen auf Seriosität achten

Es gibt aber noch einige Banken, die auch positive Zinsen zahlen. Die wären eine Alternative, aber auch da gilt es genau hinzuschauen, sagt Hendrik Buhrs von "Finanztip":

"Ich muss immer darauf achten, dass die Einlagensicherung vernünftig ist. Dass mir also im Fall, dass die Bank in Schieflage gerät, wirklich ein Anspruch auf Entschädigung daraus entsteht. Und dass ich auf keinen Fall in irgendwelche dubiose oder unbekannte Kanäle da mein Geld stecken darf."

Wer längerfristig auf sein Geld verzichten kann, für den gibt es eine andere Alternative, meint Buhrs:

"Wenn ich höhere Rendite haben möchte, dann würden wir immer zum Aktienmarkt raten und einen breit gestreuten Aktienfonds. Aber da kann es mir halt passieren, dass ich in einem Jahr an das Geld möchte und dann sind die Kurse in Norm gesunken und ich habe ein großes Minus."
 

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