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StartseiteWirtschaft und GesellschaftProkon sieht mehr Chancen als Risiken15.04.2016

Neuanfang als GenossenschaftProkon sieht mehr Chancen als Risiken

Es war eine der spektakulärsten Pleiten am Grauen Kapitalmarkt, die Prokon-Pleite. Anleger hatten dem Geschäftsmodell des Windparkbetreibers vertraut und Hunderte Millionen Euro verloren. Inzwischen gilt Prokon als saniert und sieht sich als Energie-Genossenschaft gut gerüstet für die Zukunft.

Von Axel Schröder

Ein Windrad dreht sich in der Nähe von Schönberg (Mecklenburg-Vorpommern). (Jens Büttner, dpa)
Will mit mehr Windrädern wieder wachsen: die neue Prokon eG. (Jens Büttner, dpa)
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Vor gerade mal 14 Tagen haben Henning von Stechow und Heiko Wuttke ihre neuen Posten eingenommen. Sie führen als Vorstände die Prokon eG, die Energie-Genossenschaft, die im August letzten Jahres aus der insolventen Prokon GmbH entstanden ist. Vergessen sind die Zeiten, in denen über Arbeitsplatzverluste oder - auch diese Möglichkeit stand im Raum - über eine Übernahme durch den baden-württembergischen Stromversorger EnBW nachgedacht wurde. Und die Belegschaft ist hoch motiviert, erzählt Heiko Wuttke: "Ich bin wirklich in der Form begeistert, dass nach einer recht schwierigen Zeit, die da war, die Mitarbeiter frohen Mutes sind und voller Engagement, sich auf das Neue einzulassen."  

Bilanzpressekonferenz der Prokon eG: (v.l.) Henning von Stechow (Vorstand), Heiko Wuttke (Vorstand), Udo Wittler (Ausichtsrat) und einer der beiden alten Vorstände, Kai Peppmaier.  (Deutschlandradio / Axel Schröder)Prokon-Bilanzpressekonferenz: (v.l.) Henning von Stechow, Heiko Wuttke, Udo Wittler und einer der beiden alten Vorstände, Kai Peppmaier. (Deutschlandradio / Axel Schröder)

Hinter Prokon liegt ein harter Schnitt: Die Bilanzsumme des Unternehmens hat sich von 1,6 Milliarden auf 800 Millionen Euro halbiert. Einstige Unternehmensteile wurden abgetrennt, die kaum ins Portfolio passten, zum Beispiel die riesigen Waldflächen in Rumänien. Die Prokon-Genossenschaft wird sich nun auf das Kerngeschäft konzentrieren, so Vorstand Henning von Stechow: "Die Fokussierung auf das Kerngeschäft betrifft die Projektentwicklung im Windbereich, die technische und kaufmännische Betriebsführung unserer Anlagen im Betrieb, die Wartung und die Instandhaltung von Windparks im Bestand sowie den Energiehandel."

Im Herbst soll eine erste 3,5-prozentige Ausschüttung kommen

39 Millionen Euro Umsatz machte die von derzeit 38.000 Mitgliedern getragene Genossenschaft allein von August bis Dezember 2015. Zum einen durch den ins Netz eingespeisten Windkraftstrom aus den eigenen Anlagen zu den Vergütungssätzen des Erneuerbare Energien-Gesetzes, des EEGs, durch den Verkauf des Ökostroms an 34.000 Privathaushalte und durch Serviceleistungen für andere Windparkbetreiber. In Zukunft soll der Umsatz vor allem durch noch mehr Windräder steigen, um jährlich 100* Megawatt installierte Leistung. Damit die Unternehmensstrategie aufgeht, erklärt Henning von Stechow, sei es allerdings nötig, dass die Vergütungssätze des EEGs stabil bleiben.

Gerade arbeitet die Bundesregierung an der Novellierung des Gesetzes und will dann ein neues System, das sogenannte Ausschreibungsverfahren, einführen. Diese Änderung wird aus Sicht der Branche die Entwicklung von Bürger-Windparks erschweren. Hier könnte, so Heiko Wuttke, die Prokon eG helfen. "Das wird mit den neuen Ausschreibungen, die kommen werden, mit dem neuen EEG sicherlich anspruchsvoller werden für kleinere Gesellschaften. Wir selbst sehen uns da gut aufgestellt, weil wir auch relativ viel Erfahrung haben in diesem Bereich. Aber wir sehen uns da auch als Partner eben von diesen Kleineren, um die Risiken, die sie da sehen dann auch mit denen zu tragen oder zu übernehmen."

Auf lange Sicht, das hoffen die beiden Chefs der Prokon-Genossenschaft, soll die Zahl der Mitglieder auf 100.000 steigen. Geplant ist, im Sommer eine Anleihe über 500 Millionen Euro herauszugeben, verzinst mit 3,5 Prozent. Die Anleihe ist Teil des Insolvenzplans und geht an die ehemaligen Inhaber der Genussrechte. Voraussetzung ist, dass sie mehr als 1000 Euro in die alte Prokon investiert haben*.

In den mit * gekennzeichneten Textpassagen wurden nachträglich inhaltliche Korrekturen vorgenommen.

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