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StartseiteVerbrauchertippMehr Transparenz bei den Konto-Kosten31.10.2018

Neue EU-RegelungMehr Transparenz bei den Konto-Kosten

Seit heute greift eine neue EU-Regelung: Banken müssen ihre Kunden einmal im Jahr darüber informieren, wieviel ihr Konto kostet und wirklich alle Kosten auflisten. Verbraucherschützer begrüßen diese neue Regelung. Doch die Informationen werden bereits bestehenden Kunden nicht automatisch mitgeteilt.

Von Brigitte Scholtes

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Bildnummer: 53379985 Datum: 05.06.2009 Copyright: imago/blickwinkel Kontoauszug mit Haben und einem Edding bank statement with credit amount (imago stock&people)
Künftig müssen Banken ihre Kunden über die Kosten des Girokontos aufklären (imago stock&people)
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Die Zeiten kostenloser Girokonten sind wohl fast vorbei - es gibt nur noch einzelne Ausnahmen. Und auch die sind häufig nicht wirklich kostenfrei. Das ist den Betroffenen dabei oft gar nicht bewusst. Denn wie viele Kosten für die Kontoführung tatsächlich anfallen, das musste man sich bisher auf den Kontoauszügen zusammensuchen, eine mühsame Aufgabe, meint Josefine Lietzau vom Verbraucherportal Finanztip:

"Das ist vielleicht für viele Kunden nicht so ganz verständlich, die meisten Kunden gucken erst mal nur auf die Kontoführungsgebühr. Manche Banken verlangen zum Beispiel eine Gebühr, wenn man überweist und dafür die M-Tan benutzt, oder vielleicht fällt sogar eine Gebühr bei jeder Kontobewegung an. Das muss man dann halt im Auge behalten, und das ist nicht immer ganz so leicht."

Ein Vergleich mit den Angeboten anderer Kreditinstitute war deshalb kaum möglich. Von heute an aber müssen die Geldhäuser wegen der EU-Vorgabe einmal im Jahr sogenannte "Entgeltinformationen" zur Verfügung stellen. Dafür gibt es ein einheitliches Format, das die Finanzdienstleistungsaufsicht Bafin vorgibt, sagt Thomas Rienecker, Sprecher des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands:

"Dafür wurden 19 sogenannte maßgebliche Zahlungskontendienste definiert, also zum Beispiel Überweisungen oder Debitkarten. Dadurch sollen die Verbraucher die Entgelte der einzelnen Kreditinstitute besser vergleichen können."

Die Kosten transparent machen

So sollen die Kunden die tatsächlichen Kosten erkennen können, denn da nutzen die Banken die unterschiedlichsten Möglichkeiten, erklärt Josefine Lietzau von Finanztip. Den Verbrauchern sei etwa wichtig, wie sie kostenlos an Bargeld kommen:

"Zum Beispiel haben manche ein großes Automatennetzwerk, manche machen das über ihre Kreditkarte. Und dann kann es natürlich sein, wenn man verreist, dass man andere Karten benutzen muss, zum Beispiel, dass man mit der Girokarte in Deutschland kostenlos abheben kann, mit der Kreditkarte im Ausland. Oder dass zum Beispiel Gebühren entstehen, wenn man in einer anderen Währung bezahlt. Und dann gibt es immer wieder an kleinen Ecken so Kosten, mit denen vielleicht ein Verbraucher gar nicht rechnet."

Doch nun sollen den Verbrauchern diese Kosten transparent gemacht werden, sie können dann erkennen, dass sie monatlich vielleicht fünf Euro für die Kontoführung zahlen, dass jede nicht elektronische Überweisung sie einen Euro kostet und die Bargeldabhebung am Schalter womöglich zwei Euro. Und da könnte im Laufe eines Jahres sogar ein dreistelliger Betrag zusammenkommen.

An die Bank herantreten

Diese Kosteninformationen stellten die Banken den Kunden nun leicht zugänglich bereit, in welcher Form das geschehen wird, das erklärt DSGV-Sprecher Rienecker:

"Interessierte Kunden können anrufen, im Internet oder in der Filiale vorbeischauen oder auch eine E-Mail schreiben und dann bekommen sie die Entgeltinformationen für ein bestimmtes Kontomodell, um diese dann zum Beispiel mit den Informationen anderer Anbieter vergleichen zu können. Außerdem bekommen die Kunden die vorvertraglichen Entgeltinformationen natürlich vor dem Abschluss eines Girokontos übermittelt."

Das bedeutet aber auch: Wer schon ein Konto hat, der muss selbst an die Bank herantreten, automatisch werden die Informationen jedenfalls nicht zur Verfügung gestellt. Allerdings werden diese tagesaktuell bereitgestellt, erklärt DSGV-Sprecher Rienecker:

"D.h. ändert sich ein Dienst, ein Entgelt oder auch ein Zinssatz, muss auch die Entgeltinformation angepasst werden. Auf dem Dokument findet sich dann auch immer ein Datum, dass den Zeitpunkt der letzten Aktualisierung anzeigt."

Wirklich aussagekräftig werden die Informationen aber wohl erst in einigen Monaten sein. denn rückwirkend für das gesamte Jahr 2018 werden sie nicht zur Verfügung gestellt.

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