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StartseiteCorsoLachen über Schmerz und Wahrheit12.11.2020

Neue Fernsehserie "Ethno"Lachen über Schmerz und Wahrheit

Müssen Schauspieler mit Migrationshintergrund im Fernsehen immer Döner braten oder Flüchtling sein? Die Serie "Ethno" spießt genau das jetzt auf, mit Benaissa Lamroubal vom Berliner Ensemble RebellComedy in der Hauptrolle. „Humor ist der beste gesellschaftliche Kleber“, sagte der Comedian im Dlf.

Benaissa Lamroubal im Gespräch mit Bernd Lechler

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ONE ETHNO – MADE BY REBELLCOMEDY, am Freitag (13.11.20) um 21:30 Uhr. Ben (Benaissa Lamroubal) und sein Migrationshintergrund (Waldemar Kobus). © WDR/RebellComedy, honorarfrei - Verwendung gemäß der AGB im engen inhaltlichen, redaktionellen Zusammenhang mit genannter Sendung bei Nennung "Bild: WDR/RebellComedy" (S2+). WDR Kommunikation/Redaktion Bild, Köln, Tel: 0221/220 -7132 oder -7133, Fax: -777132, bildredaktion@wdr.de (WDR/RebellComedy)
Ben (Benaissa Lamroubal) und sein Migrationshintergrund (Waldemar Kobus) (WDR/RebellComedy)

In der vierteiligen WDR-Serie "Ethno" braucht Ben, ein Sohn marokkanischer Eltern, dringend Geld, um seinen BaFöG-Kredit zurückzuzahlen. Unter anderem versucht er sich als Stand-Up-Comedian - über den das deutsche Publikum aber erst lacht, als er ganz klischeegerecht einen Sprengstoffgürtel als Requisite trägt: "Araber haben ja immer Bomben dabei!"

Ben-Darsteller Benaissa Lam­rou­bal sieht die Verantwortung für solche Zwänge zwar auch bei den Komikern selbst: "Der Comedian sucht sich das halt aus, das ist der einfachste Weg."

Allerdings kennt er die Erwartungen der Zuschauer auch von seinen eigenen Auftritten: "Man muss den Elefanten im Raum meistens benennen. Wenn man als sichtlicher Migrant auf die Bühne kommt, dann will das Publikum, dass man das thematisiert."

Es muss auch ohne Quote gehen

Eine diesbezügliche Quote in Film und Fernsehen - die dafür sorgen würde, dass Migranten häufiger ganz normale Rollen ohne ethnischen Bezug spielen - hält er aber nicht für nötig: "Ich glaube, das kriegen wir auch ohne Quote hin, das ist ein ganz natürlicher Prozess."

In der Serie "Ethno", die vom Stand-Up-Ensemble RebellComedy entwickelt wurde, wird der Migrationshintergrund tatsächlich zu Figur: Ein hünenhafter, bärtiger Kerl mit Bärenkostüm, der in vielen Situationen im Hintergrund steht oder sich auch nach vorn drängelt. Eine surreale Inszenierungsidee - und zugleich Abbildung eines Lebensgefühls, wie Benaissa Lamroubal bestätigt: "Manchmal merkt man: 'Okay, ich werde hier gerade nicht als Person angesprochen, sondern ich vertrete eine Person, die man als Klischee kennt'."

Gags für Biodeutsche und Migranten

Und richtet sich die Serie nun an die "Biodeutschen", die ihren subtilen Rassismus vorgeführt bekommen, oder an die migrantische Community, die all die Situationen nur zu gut kennt und sich in der Handlung wiederfindet? Beide, sagt Lamroubal, und alle dazwischen - so wie sie eben auch in seinen Comedy-Shows sitzen und sich etwa von einer Nummer über Rassismus, den es eben auch gegen Deutschen gebe, wechselweise angesprochen fühlen. "Da sieht man, dass sich die Gesichter ändern. Dadurch, dass ich mal die eine Seite und dann wieder die andere beleuchte, merkt man: 'Okay, im Publikum sitzen die und auch die, und in der Mitte sitzen welche, die beides verstehen'."

Im Vergleich zur Ethno-Comedy von "Erkan und Stefan" oder Kaya Yanar vor 20 Jahren sei das Genre heute viel authentischer. Vor allem aber habe sich - nicht zuletzt dank Lamroubals Stand-Up-Ensemble RebellComedy - das Publikum verändert, das damals vor allem aus deutschen ZuschauerInnen bestand. "Da sitzen auf einmal Frauen mit Kopftuch, Männer mit Bärten. Es ist ein sehr diverses Publikum."

Humor verbindet

Wenn man Benaissa Lamroubal bei seinen Auftritten sieht, wirkt er ungemein positiv und freundlich, als fände er manchen Alltagsrassismus nur halb so schlimm. Der Eindruck trügt natürlich. "Schmerzhaft" sei das immer. "Aber die Comedy hilft mir dabei, das Positive zu sehen und weiterzumachen."

Er möge keinen "Unterdrückerhumor", sagt er. "Man lacht ja eigentlich nur über zwei Sachen: Schmerz und Wahrheit. Und ich beleuchte gerne eine wahre Situation." 

Kann Comedy also nicht nur für ihn, sondern auch fürs Publikum und die Gesellschaft heilsam sein? "Absolut", sagt Lamroubal. "Auch als Kleber. Denn egal für wie unterschiedlich man sich hält, letztendlich lacht man gleich. Humor verbindet unheimlich."

Die vierteilige Serie "Ethno" läuft ab dem 13.11.2020 im ARD-Programm "One" und steht auch in den Mediatheken und bei YouTube.

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