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StartseiteCorsoEine große Nase, Schwulenrecht und Montessori 05.09.2018

Neue Filme über Liebe und LernenEine große Nase, Schwulenrecht und Montessori

Von Jörg Albrecht

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Schauspieler Damian Hardung ( (dpa -Zentralbild / Jens Kalaene))
Premiere "Das schönste Mädchen der Welt" ( (dpa -Zentralbild / Jens Kalaene))
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"Bisschen spät! Wenigstens war deine Nase pünktlich, Mann!" - "Wo lässt du deine Nasenhaare mähen?"

So geht das jeden Tag. Der 17-jährige Cyril hat sich damit abgefunden, dass er von seinen Mitschülern ständig dumme Sprüche reingedrückt bekommt über seine zu groß geratene Nase. Längst hat ihn die Klasse zum Außenseiter abgestempelt.

"Eine große Nase ist das Zeichen eines geistreichen, ritterlichen, liebenswürdigen, hochherzigen, freimütigen Mannes."

Zum Außenseiter abgestempelt

Die fast 400 Jahre alten Worte des französischen Schriftstellers Cyrano de Bergerac, der ebenfalls unter seiner riesigen Nase gelitten hat, könnten auch perfekt das Wesen von Cyril beschreiben. Die Komödie "Das schönste Mädchen der Welt" von Aron Lehmann ist eine moderne Version des Versdramas Cyrano de Bergerac aus dem Jahr 1897. Aus Roxane, der weiblichen Hauptfigur der Vorlage, wird bei Aron Lehmann die Schülerin Roxy, die mitten im Schuljahr in Cyrils Klasse kommt.

"Lass uns ein Spiel spielen, okay? Ich stelle dir eine Frage und du hängst an deine Antwort auch eine Frage. Wie heißt du eigentlich? -Cyril. Warum bist du von der Schule geflogen? - Weil die Schulleitung findet, ich hätte ein Problem mit Autoritäten. Bist du noch Jungfrau? - Sieht man das? - Du hast eine Frage mit einer Frage beantwortet."

Tolle Frau, denkt sich Cyril. Aber auch eine, bei der er garantiert keine Chance hat. Zumal durch eine Verkettung unglücklicher Umstände mit dem gutaussehenden, aber verschlossenen und nicht gerade besonders schlauen Rick ein anderer Außenseiter Roxys Interesse weckt. Cyril wird zu einer Art Ghostwriter für Rick, um ihm Worte und Lieder in den Mund zu legen, die Roxy umhauen.

"Meine Lieder haben sie scharfgemacht. - Deine Lieder, ja? - Du hast mir gezeigt, was in mir steckt. Und die Liebe verleiht mir Propeller. - Oh Gott!"

Die Frage ist: Braucht die Welt den "Cyrano de Bergerac"-Stoff aufbereitet als romantische Teenie-Komödie? Die Antwort: Ja. Wenn sie so gut geschrieben, inszeniert und gespielt ist wie im Fall von "Das schönste Mädchen der Welt". Das ganze Ensemble spielt mit Herzblut. Neben noch größtenteils unbekannten Jungdarstellern sind in Nebenrollen Heike Makatsch und Anke Engelke zu sehen.

"Das schönste Mädchen der Welt" - empfehlenswert

Zunächst einmal, so der Moderator, möchte er sagen, dass dies die mutigsten Männer der Welt seien. Die Handvoll Männer, die er meint, tritt zu einer Wahl an. Wir befinden uns irgendwo in Istanbul in einem kleinen Veranstaltungssaal, in dem an diesem Tag Mr. Gay Syria gekürt wird.

"Mr. Gay Syria is Hussein."

Hussein, ein 24-Jähriger Frisör aus Aleppo, der aus Syrien geflohen ist, soll seine Heimat bei der bevorstehenden Wahl zum "Mr. Gay World" auf Malta vertreten. Hussein und der 40-jährige Mahmoud aus Damaskus, der den ersten syrischen Schwulen-Blog gegründet hat und der mittlerweile in Berlin lebt, stehen im Mittelpunkt des Dokumentarfilms "Mr. Gay Syria" von Ayşe Toprak.

Coming-Out unausweichlich

Die Lebensgeschichte Husseins handelt nicht nur von einem Flüchtlingsschicksal. Sie erzählt auch davon, wie es ist in einer homophoben Gesellschaft aufzuwachsen und von der Angst davor sich zu outen. Vor Jahren wurde Hussein von seinen Eltern verheiratet. Weder sie noch seine Frau, mit der eine zweijährige Tochter hat, ahnen etwas von dem Doppelleben, das er führt. Sein Leidensdruck wächst von Tag zu Tag. Die Wahl zum Mr. Gay Syria macht das Coming-Out unausweichlich.

Neben diesen Situationen der Verzweiflung gibt es in Ayşe Topraks Film, der eher einer journalistischen Reportage gleicht, auch leichte und heitere Momente. Dem starken Thema ordnet sich die nicht gerade ausgeklügelte formale Umsetzung völlig unter.

"Mr. Gay Syria" - akzeptabel

"Als meine Tochter geboren war, verbrachte ich, von plötzlicher Liebe erfüllt, Stunden damit sie zu betrachten. Ich fragte mich, wie ich mit dieser großen inneren Energie umgehen sollte."

Kinder steuern oder ihre Spontanität respektieren?

Für den frischgebackenen Vater Alexandre Mourot Grund genug, diese Frage zum Ausgangspunkt eines Films zu machen. Sollte er die Energie seiner kleinen Tochter steuern oder aber stattdessen ihre Spontanität respektieren? Auf der Suche nach Antworten ist Alexandre Mourot bei Maria Montessori fündig geworden. Der Name der 1870 geborenen Italienerin steht für ein pädagogisches Konzept, das "die Lust am Selber-Lernen" ins Zentrum stellt.

Eine Klasse mit 28 Kindern im Alter von zweieinhalb bis sechs Jahren im nordfranzösischen Roubaix hat Mourot über Wochen besucht, um die Montessori-Pädagogik zu schildern.

Das Besondere hier: Es ist nicht der Blick eines Erwachsenen auf die Abläufe in der Klasse. Mourots Kamera verharrt stets in der Perspektive der Kinder. So sind rein beobachtende Szenen entstanden. Die genauso aufschlussreiche wie oft auch berührende Würdigung des seinerzeit wie auch heute immer noch revolutionären pädagogischen Konzepts ist ganz seiner Erfinderin verpflichtet.

"Das Prinzip Montessori – Die Lust am Selber-Lernen" - empfehlenswert

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