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StartseiteKommentare und Themen der WocheEs geht um die Existenz des Konzerns 14.05.2019

Neue Milliardenstrafe für BayerEs geht um die Existenz des Konzerns

Die Schadenersatzstrafe von rund zwei Milliarden Dollar in den USA könnte im wirtschaftlichen Ruin für Bayer enden, kommentiert Mischa Erhardt. Konzern-Chef Baumann sei mit der Übernahme von Glyphosat-Hersteller Monsanto ein zu hohes Risiko eingegangen.

Von Mischa Erhardt

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Das Bild zeigt das Bayer-Werk in Leverkusen im August 2016. Die Anlage ist beleuchtet, denn es ist Abend. (dpa-Bildfunk / Oliver Berg)
Bayer ist nun selbst ein potentieller Übernahmekandidat (dpa-Bildfunk / Oliver Berg)
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Bayer-Chef Werner Baumann ist schon jetzt ein Platz in den Geschichtsbüchern sicher: Er war es, der die größte Übernahme der deutschen Wirtschaftsgeschichte durchgezogen hat. Und er hat dies gegen allen Widerstand getan, der von Anfang an die Fusionsverhandlungen begleitet hat: Zu schlecht der Ruf von Monsanto gerade hierzulande; zu strittig die Gentechnik des Konzerns; zu rüde der Umgang mit seiner Marktmacht, der Bauern weltweit in Abhängigkeit des Konzerns gebracht hat. Und allzu bekannt die Methoden Monsantos, möglichst direkt Einfluss auf Politik und Gesetzgebung zu nehmen. All dies und noch mehr fliegt Bayer nun mit Getöse um die Ohren.

Erst gestern musste Bayer eingestehen, dass die Macher von Monsanto höchstwahrscheinlich in ganz Europa Listen von unliebsamen Kritikern erstellt haben. Im Zweifel werden auch das nun die Gerichte weiter verhandeln – und der Ruf von Bayer wird mit jedem Verfahren ein Stück weiter leiden, in dem der Name Monsanto fällt.

Tausende Klagen gegen Monsanto vor Gericht

Doch inzwischen geht es nicht mehr nur um den Ruf, es geht um die Existenz. Mit der Schadenersatzstrafe von rund zwei Milliarden Dollar für ein Rentnerehepaar in den USA kann die Monsanto-Übernahme im wirtschaftlichen  Ruin enden. Und auch hier muss man sagen: Baumann hat die Fusion abgeschlossen, obwohl gegen Ende der Verhandlungen klar war, dass sich tausende Klagen gegen Monsanto vor US-Gerichten angestaut hatten. Mittlerweile ist deren Zahl auf 13.400 in die Höhe geschossen - und sie dürfte weiter steigen. Zwar sind die drei bisherigen Urteile noch nicht rechtskräftig. Allerdings steht die grobe Richtung fest: Die Gerichte sehen Monsanto für die Krebsleiden der Kläger verantwortlich.

Werner Baumann kann gar nicht anders, als seinen einst eingeschlagenen Kurs nun konsequent zu verteidigen – alles andere wäre ein Schuldeingeständnis und würde weiteren Klagen die Tür öffnen.

Bayer ist selbst ein Übernahmekandidat 

Der Aktionsradius des Bayer-Vorstandes aber ist nun im Wesentlichen auf den Gerichtssaal beschränkt. Man hofft in Leverkusen, in zweiter Instanz würden die Urteile aufgehoben. Doch das ist nicht wahrscheinlich, vermutlich werden sie nur abgeschwächt. Was dann folgen müsste wäre die Quadratur des Kreises: Angesichts der vielen Klagen müsste Bayer die Vergleichszahlungen, mit denen der Konzern die anderen Kläger zufrieden stellen könnte, gering halten. Nur dürfte das Kläger ermutigen, weiter zu prozessieren. Hohe Vergleiche aber kann sich Bayer nicht leisten – schon bei einer Million Dollar pro Fall entstünden Kosten von über 13 Milliarden Dollar. Und die ersten beiden Urteile lauteten auf Schadenersatz von jeweils rund 80 Millionen Dollar.

Das ist eine düstere Perspektive für den Konzern und seine Mitarbeiter. Bayer-Chef Werner Baumann könnte also noch einen weiteren Platz in den Geschichtsbüchern einnehmen: Er könnte der sein, der das Traditionsunternehmen Bayer gegen die Wand gefahren hat. Bayer ist nun mit Monsanto weniger wert als der Kaufpreis von Monsanto, kurz: Bayer ist nun selbst ein potentieller Übernahmekandidat. Die einzige Versicherung aktuell gegen eine Übernahme ist Monsanto. Denn dieses Risiko wird sich niemand einkaufen, der klaren Verstandes ist.

Mischa Ehrhardt (©privat)Mischa Ehrhardt (©privat)Mischa Ehrhardt, geboren 1974 in Bayern, studierte Philosophie und Soziologie in Tübingen und Frankfurt. Nach seinem Studium absolvierte er ein Volontariat an der Evangelischen Journalistenschule in Berlin. Es folgten Moderationen und Planung von Wissenschafts- und Mediensendungen beim Hessischen Rundfunk, dort war er lange Jahre dann als Wirtschaftsjournalist tätig. Nach sechs Jahren im ARD-Börsenstudio für das Radio arbeitet er schließlich als Wirtschaftskorrespondent für den Deutschlandfunk in Frankfurt.

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