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Neue MobilfunktechnikWas bringt 5G?

Das Foto zeigt Mobilfunkmasten auf einem Hausdach in Berlin. (imago / Dirk Sattler)
Was bringt die neue 5G-Technik? (imago / Dirk Sattler)

Es war die längste deutsche Mobilfunkauktion: Nach rund drei Monaten ist die Versteigerung der 5G-Frequenzen zu Ende gegangen. 6,5 Milliarden Euro hat die Auktion eingebracht. Was passiert jetzt mit dem Geld? Und warum ist 5G so wichtig? Welche Vorteile haben Verbraucher? Fragen und Antworten.

Der Bund nimmt mit der Versteigerung mehr Geld ein als gedacht. Vier Unternehmen haben den Zuschlag für die 5G-Lizenzen bekommen: Telefónica Germany, die Deutsche Telekom, Vodafone und der Markt-Neueinsteiger Drillisch Netz.

Was ist 5G?

Das Kürzel 5G steht für die 5. Mobilfunkgeneration. Der Standard ist der Nachfolger von 4G, das auch LTE genannt wird. 5G ist wesentlich schneller im Download, und zwar etwa zehn bis 100 Mal schneller als der aktuelle Standard 4G. Ein kompletter Spielfilm in hoher Qualität kann mit 5G innerhalb weniger Sekunden übertragen werden. Zudem verfügt 5G über eine geringere Reaktionszeit (Latenz). Das heißt: Daten werden praktisch in Echtzeit verarbeitet.

Wofür ist 5G wichtig?

Ums einfache Telefonieren geht es schon lange nicht mehr, und der neue Mobilfunkstandard ist auch nicht einfach nur ein schnelleres "4G". Vor allem die schnellen Reaktionszeiten und der geringe Energieverbrauch sind wichtig für neue Technologien und Dienstleistungen. Die Industrie will mit der neuen Technik Maschinen vernetzen und dadurch Produktionsabläufe effizienter machen. Beim "Smart Farming" setzen Landwirte 5G-Technik ein, um Felder zu überwachen, Wetterdaten auszuwerten und Düngung zu steuern.

Und auch das vernetzte Fahren soll durch 5G möglich werden, schließlich müssen selbstlenkende Autos während der Fahrt Unmengen an Daten in kürzester Zeit verarbeiten, wenn sie mit anderen Autos und den Sensoren in ihrer Umgebung kommunizieren. Weitere Anwendungsgebiete sind Telemedizin, Energieversorgung, Logistik und Handel. 5G soll auch Augmented Reality (AR) und Virtual Reality (VR) zum Durchbruch verhelfen.

Wie gefährlich ist die Strahlung?

Viele Menschen schieben Leiden wie Kopfschmerzen oder Schlafstörungen auf die Nähe von Sendemasten. Die gesundheitlichen Risiken durch den neuen Mobilfunkstandard sind noch nicht vollständig erforscht. Das Bundesamt für Strahlenschutz will die Auswirkungen nach dem Netzausbau untersuchen - was der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland als zu spät kritisiert. Zahlreiche Studien haben sich bereits mit den Auswirkungen elektromagnetischer Strahlung beschäftigt. Eindeutig nachgewiesen sei bislang aber nur, dass die hochfrequenten Felder eine wärmende Wirkung haben. Um gesundheitsrelevante Folgen auszuschließen, gibt es Grenzwerte, wie den sogenannten SAR-Wert, dessen empfohlener Höchstwert von 2 Watt pro Kilogramm am Kopf/Ohr nicht überschritten werden sollte.

Was hat die 5G-Auktion gebracht?

Mehr Geld als gedacht. Die Versteigerung der insgesamt 41 Frequenzpakete spült rund 6,5 Milliarden Euro in den Bundeshaushalt. Experten hatten im Vorfeld mit drei bis fünf Milliarden gerechnet. Das ist allerdings wenig im Vergleich zur Versteigerung der UMTS-Lizenzen im Jahr 2000. Sie erbrachte damals knapp 100 Milliarden Mark, also etwa 50 Milliarden Euro.

Das Geld aus der 5G-Auktion soll in den Ausbau der digitalen Infrastruktur fließen, das hat Finanzminister Scholz versichert. Mit einem Großteil des Geldes soll der Festnetz-Breitbandausbau gefördert werden, mit 30 Prozent sollen besseres Internet und neue Technik an Schulen bezahlt werden.

Die 5G-Frequenzpakete gehen an die Deutsche Telekom, Vodafone, Telefónica und den Neueinsteiger Drillisch. Künftig wird es in Deutschland also Funkmasten von vier und nicht nur von drei Unternehmen geben, denn Drillisch hat bisher kein eigenes Netz. Verbraucherschützer freuen sich über den zusätzlichen Konkurrenten und rechnen mit mehr Wettbewerb und günstigeren Preisen etwa bei Handyverträgen. Außerdem können Nutzer auf eine bessere Abdeckung bei 4G und dem schnelleren Internet per Kabel hoffen.

Was wird kritisiert?

Was den Finanzminister freut, sorgt auch für kritische Töne. Der Grünen-Abgeordnete Krischer kritisierte die Einnahmen aus der Versteigerung als "viel zu hoch". Weil die Konzerne so viel Geld ausgäben, führe das nun zu einem langsameren Ausbau des Mobilfunkes. Ähnliche Kritik äußerte auch der FDP-Politiker Sitta. Auch die Deutsche Telekom spricht von einem bitteren Nachgeschmack: "Wir hätten es deutlich früher und deutlich günstiger haben können", sagte Unternehmenssprecher Schindera der ARD.

Eine Sprecherin von Telefonica nannte die Frequenzvergabe über eine Auktion sogar kontraproduktiv für den Mobilfunkausbau in Deutschland. Die Netzbetreiber ärgert vor allem, dass ein Fünftel des Frequenzspektrums für die Industrie freigehalten wird. Die Industrie wiederum kritisiert die aus ihrer Sicht langwierigen Vergabe- und Genehmigungsverfahren, an denen eine Förderung nur wenig ändere. Sowohl Telefónica als auch Freenet erklärten, dass sie ihre Klagen vor dem Verwaltungsgericht Köln gegen die Versteigerung aufrecht erhalten wollen. Sollte das Gericht den Klagen der Mobilfunkanbieter stattgeben, könnte das Ergebnis der Auktion zumindest in Teilen ungültig werden.

Wie geht es jetzt weiter?

Die Netzbetreiber haben die Rekordsumme allein für die Erlaubnis gezahlt, 5G-Frequenzen nutzen zu dürfen. Für das neue Netz werden die Konzerne nun Tausende neue Funkmasten aufstellen und an ihr Glasfasernetz anschließen müssen - das sie wiederum ausbauen müssen.

Die Frequenzen sind an die Auflage gebunden, dass die erfolgreichen Bieter bis Ende 2022 jeweils 1.000 Basisstationen für den neuen Funkstandard errichten. Der Bedarf ist deutlich höher, da 5G-Sendestationen eine deutlich geringere Reichweite haben als 4G-Funkmasten. Der Branchenverband Bitkom hatte den Bedarf Ende vergangenen Jahres auf mindestens 800.000 Stationen geschätzt. Allerdings können schon bestehende LTE-Masten auch erweitert werden. Die Industrie plant eigene 5G-Netze.

Die Bundesnetzagentur noch weitere Auflagen gemacht. Unter anderem, dass die Netzbetreiber bis Ende 2022 mindestens 98 Prozent der Haushalte je Bundesland, alle Bundesautobahnen, die wichtigsten Bundesstraßen sowie die wichtigsten Schienenwege mit mindestens 100 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) versorgen müssen. Diese Geschwindigkeiten sind allerdings auch mit dem aktuellen LTE-Standard erreichbar.