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StartseiteKommentare und Themen der WocheAuf in eine grüne, prosperierende Zukunft10.06.2020

Neue Regierung Tschentscher in HamburgAuf in eine grüne, prosperierende Zukunft

Mit einer eigenständigen Verkehrsbehörde könnten in Hamburg die Weichen für eine Mobilitätswende gestellt werden, kommentiert Axel Schröder. Auch die Wasserstoffproduktion im Hafen könne starten. Ob der Hamburger Senat aber den Mut habe, die Ideen gegen Widerstände umzusetzen, müsse sich noch zeigen.

Von Axel Schröder

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Hamburg: Dirk Kienscherf (l-r), Fraktionsvorsitzender der SPD in der Hamburgischen Bürgerschaft, Melanie Leonhard (SPD), SPD-Landesvorsitzende in Hamburg, Peter Tschentscher (SPD), Erster Bürgermeister in Hamburg, Katharina Fegebank (Bündnis 90/Die Grünen), Hamburgs Zweite Bürgermeisterin und Senatorin für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung, Melanie Leonhard (SPD), SPD-Landesvorsitzende, Anna Gallina, Landesvorsitzende Bündnis 90/Die Grünen in Hamburg, und Anjes Tjarks, Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen in Hamburg, stehen bei einem Fototermin nach der Unterzeichnung des rot-grünen Koalitionsvertrags im Bürgermeistersaal des Rathauses.  (dpa/Christian Charisius)
Unterzeichnung des rot-grünen Koalitionsvertrages im Hamburg am 10.06.2020: Peter Tschentscher (SPD), Erster Bürgermeister in Hamburg und Katharina Fegebank (Bündnis 90/Die Grünen) (dpa/Christian Charisius)
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Eigenständige Behörde - geleitet von einem Grünen

Jetzt werden die Weichen neu gestellt. Der Verkehr und die Mobilitätswende werden in einer eigenständigen Behörde geplant und vom Grünen Anjes Tjarks geleitet. Wie er das Versprechen einlösen wird, das Radwegenetz doppelt so schnell auszubauen wie bislang, bleibt abzuwarten. Dringend nötig ist es aber, denn an viel zu vielen Hauptstraßen gibt es bis noch heute gar keinen Radweg oder einen, den sich die immer flotteren Radler mit Fußgängern teilen müssen.

Und natürlich muss der Straßenraum für Autos, Schritt für Schritt, beschnitten werden. Denn was nützt es, wenn Hamburg immer mehr Anbieter in die Stadt lockt, die alternative Mobilitätsangebote machen, diese dann aber kaum nachgefragt werden, weil viel zu viele Menschen noch immer, meistens ganz allein, das eigene Auto nutzen? Die Idee des Senats, Parkgebühren zu erhöhen, die Zahl der Parkplätze maßvoll zu reduzieren, geht in die richtige Richtung. Mit Autofeindlichkeit hat das nichts zu tun, sondern mit der Einsicht, dass in einer wachsenden Stadt auch immer mehr Menschen mobil sein wollen. Der motorisierte Individualverkehr bietet dafür keine Lösung.

Grüne Wasserstoffproduktion im Hamburger Hafen bringt Ökologie und Ökonomie zusammen

Wirklich zukunftsweisend ist die Idee, im Hamburger Hafen eine grüne Wasserstoffproduktion im großen Stil aufzuziehen. Das Gas hat das Potenzial, zu einem zentralen Energieträger der Zukunft zu werden und Autos, aber vor allem Schiffe, Bahnen und LKW emissionsfrei anzutreiben. Die Idee der Wasserstofffabrik im Hafen erkennt aber auch an, dass der Warenumschlag per Schiff längst nicht mehr so stark wächst wie gedacht. Dem Hamburger Hafen fehlt also die Entwicklungsperspektive. Die Wasserstoffproduktion könnte dieses Problem lösen und einen norddeutschen Wirtschaftsraum schaffen, in dem Ökologie und Ökonomie Hand in Hand gehen. In den kommenden fünf Jahren wird sich zeigen, ob der Hamburger Senat diese Chancen nutzt. Ob er tatsächlich den Mut hat, die eigenen Ideen auch gegen Widerstände wirklich umzusetzen.

Axel Schröder (©Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Axel Schröder (©Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Axel Schröder, geboren 1971 in Uelzen / Niedersachsen, hat in Göttingen und Berlin Soziologie, Politik, Jura und Publizistik studiert. Nach Stationen bei der "taz" und dem "Freitag" arbeitet er seit 2003 als freier Hörfunkjournalist. Seit vier Jahren berichtet er als Landeskorrespondent von Deutschlandradio aus Hamburg.

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