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StartseiteMusikjournalMit Haydn in die ungarische Musikgeschichte 11.10.2021

Neue Stiftung in Budapest HaydneumMit Haydn in die ungarische Musikgeschichte

Joseph Haydn hat lange im heutigen Ungarn gewirkt. Er ist Namenspatron einer neuen Stiftung, dem Haydneum, die seine ungarischen Kollegen, Vorgänger wie Nachfolger in den Fokus nimmt. Entdeckte Musik aus Klassik bis Frühromantik wird dann in Konzertreihen vorgestellt.

Von Friedrich Uwe

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Stilistisches, modernes Portrait von Joseph Haydn mit typischer Lockenperücke. (imago / stockillustrations / AlexeixTalimonov)
Joseph Haydn war Jahrzehnte dem Hof der ungarischen Familie Eszterházy als Hofkomponist verbunden. (imago / stockillustrations / AlexeixTalimonov)
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Joseph Haydn ist der berühmte Namensgeber des neuen ungarischen Zentrums für Alte Musik. Denn seine Musik war Ausgangspunkt für den neuen Forschungswillen, sagt György Vashegyi, Dirigent und Gründer des Budapester Purcell-Chors, des Originalklangensembles Orfeo Orchestra und zentrale Figur der ungarischen Alte-Musik-Bewegung. 

"Durch Joseph Haydn haben wir die Handschriften von Michael Haydn gefunden und dadurch Joseph Werner und dadurch Albrechtsberger und dann sehen wir rund um uns ein riesengroßes Repertoire, und das muss erforscht werden."

Zoom aufgezogen

"Wir haben für diese neue Stiftung Haydneum als Forschungsobjekt solche Komponisten gewählt, die hier geboren wurden oder lebten zwischen 1630 und 1830." 

Vashegyi weist auf große Kenntnislücken hin: "Dieses Repertoire von 200 Jahren bedeutet einen sehr weiten Kreis von Stücken. Wenn wir nur über das heutige Ungarn sprechen, die Musikarchive, die im heutigen Ungarn zu finden sind, wissen wir nicht ganz genau, ob wir über 25.000 oder 30.000 Handschriften sprechen." Es bedarf also eines großen Forschungsaufwandes.

Mikrofon auf einer Konzertbühne, Text: Unsere Mikros, Ihre Konzerte

Denn ein Überblick über sämtliche Archivbestände im Land fehlt. Das soll nun angeschoben werden. Auch mit Hilfe der Regierung, die im kommenden Jahr vier Millionen Euro der Stiftung zur Verfügung stellt.

Musikboom mit den Habsburgern

Nach der endgültigen Vertreibung der Türken aus Ungarn im Jahr 1687 wurden die österreichischen Kaiser auch als Könige von Ungarn installiert, der Beginn der Habsburgischen Doppelmonarchie.

Die neuen Herrscher nutzten auch die Musik ganz bewusst für ihre Zwecke, erläutert Katalin Kim, Spezialistin für ungarische Musikgeschichte.

Archiv-Schätze in Bischofssitzen und Adelsresidenzen

Sie sagt zudem: "Im Musikleben wurden sehr viele neue Vokal- und Instrumentalensembles gegründet, denn die Musik war ein Mittel der Rekatholisierung. Und das passierte sehr schnell, denn es war Geld dafür da. Die katholische Kirche war die Basis dieses institutionellen Musiklebens."

Die geistliche Musik befindet sich heute in Eisenstadt. In der Ungarischen Nationalbibliothek werden hingegen viele Haydn-Autographe weltlicher Werke verwahrt, während einige hundert Meter weiter im Ungarischen Nationalarchiv die Pläne für das Esterházysche Opernhaus in Fertöd und die Liste der dort aufgeführten Marionettenopern liegen.

Der österreichische Komponist Joseph Haydn (1732 - 1809) in einer zeitgenössischen Darstellung (picture-alliance / dpa) (picture-alliance / dpa)Joseph Haydn - Meine Sprache versteht die ganze Welt
Joseph Haydn lebte in einer schillernden, revolutionären Ära und läutete zusammen mit Mozart und Beethoven eine neue musikalische Epoche ein, die der Wiener Klassik. Er ist Komponist der österreichischen Kaiser- und späteren deutschen Nationalhymne.

Beim Eröffnungsfestival der Stiftung Haydneum in Budapest traten ungarische Ensembles wie der Purcell Chor und das Orfeo Orchester neben dem Freiburger Barockorchester und den Talens lyrique unter Christophe Rousset auf.

Er dirigierte zum Beispiel zum ersten Mal seit 1748 "Job" von Georg Joseph Werner, dem Vorgänger Joseph Haydns am Hof der Esterházy. Ebenso wurde eine unbekannte Messe von Benedek Istvánffy wiederaufgeführt. Mit Hilfe der Stiftung werden nun weitere Namen und Werke wieder ans Licht kommen.

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