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StartseiteCorso"Man hat sich für Norberts Nähe entschieden" 29.08.2016

Neue Stimme für Homer Simpson"Man hat sich für Norberts Nähe entschieden"

Am 30. August startet die 27. Staffel der Fernsehserie "Die Simpsons". Nach dem Tod von Norbert Gastell, bisherige deutsche Synchronstimme von Homer Simpson, wartet die Fan-Gemeinde gespannt auf dessen Nachfolger. Anke Engelke ist die Stimme von Homers Frau Marge. Sie weiß, wer der Nachfolger ist, verrät im DLF aber nur so viel: "Man hat sich für Norberts Nähe entschieden."

Anke Engelke im Corso-Gespräch mit Thekla Jahn

Anke Engelke ist seit 2006 die deutsche Synchronstimme von Marge Simpson. (imago / United Archives)
Anke Engelke ist seit 2006 die deutsche Synchronstimme von Marge Simpson (imago / United Archives)
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Thekla Jahn: Bei mir im Studio ist nun Anke Engelke, die man kaum vorstellen muss. Eigentlich reichen Stichworte: Die  Wochenshow, Ladykracher, Ladyland, Sketche und Parodien auf Fernsehshows, mit Bastian Pastewka, Eurovision Song Contest 2011, Jurymitglied des ESC 2012, Fernsehrollen – immer komisches Fach – und daneben immer wieder Synchronarbeiten. Schön, dass sie bei uns ist, Anke Engelke.

Anke Engelke: Danke Frau Jahn.

Jahn: Es kennt sie  nicht nur jeder, sie sind auch mit Auszeichnungen reichlich bedacht worden, darunter der deutsche Fernsehpreis, die Goldene Kamera, mehrfach der Deutschen Comedypreis und mehrfach der Grimmepreis. Wissen Sie eigentlich, wie viele Auszeichnungen sie bislang bekommen haben?

Engelke: Nein. Es mag jetzt arrogant wirken, es nicht zu wissen aber ich glaube arroganter wäre, es zu wissen oder und sie regelmäßig zu putzen - und beides tu ich nicht.

Jahn: Welcher war denn der Letzte?

Engelke: Oh das Letzte war der Ernst-Lubitsch-Preis, der mir auch sehr viel bedeutet hat weil, unter anderem weil Dieter Kosslick mir den überreicht hat in Berlin, der Chef der Berlinale, mit dem ich sehr eng verbunden bin.

Orientierung am Original

Jahn: Ein Preis fürs Synchronsprechen gibt es nicht, obwohl man als Synchronstimme ja einiges leisten muss. Sie sprechen die Marge, also die Ehefrau von Homer Simpson. War das eine Rolle, wo Sie am Anfang gedacht haben, ja die passt irgendwie zu mir, da kann ich mir vorstellen, wie ich die anlege?

Engelke: Nein, dann wäre man ja den ganzen Tag als Schauspieler oder Synchronsprecher unterwegs und würde denken, das kann ich, das kann ich, das kann ich, oh das kann ich nicht. Nein, stand gar nicht zur Debatte. Als dann die Anfrage kam hab ich mir interessanterweise sofort das Original nochmal angehört, das ich zwar in den Ohren hatte, aber das ich mir nochmal hervorrufen wollte und habe von Anfang an gewusst, dass, wenn ich denn die Rolle bekommen sollte, ich mich am Original, am amerikanischen, orientieren würde und nicht an der Kollegin, an der Elisabeth Volkmann.

Jahn: Warum sie sich überhaupt anlegen? Ist das nicht eigentlich so ein Impuls, sie ganz komplett neu zu erschaffen? Also Anke Engelke als Marge?

Engelke: Das bin ich gar nicht. Ich bin ganz ungern Anke Engelke, ich bin ganz gerne jemand anderes. Ich bin top-besetzt für solche Sachen, ich kann auch super Fische und Kängurus und andere Menschen kann ich super sein, kann ich viel besser sein, als ich selber, beruflich.

Jahn: Jedenfalls nach draußen nicht die Anke Engelke, die ist privat dann, ganz privat?

Engelke: Ja.

"Nicht ganz unvoreingenommen"

Jahn: Ja, soll ja auch so sein. Norbert Gastell ist im vergangenen November gestorben, er hat 574 Folgen lang den Homer gesprochen, nun musste für die 27. Staffel, die morgen startet, eine neue Synchronstimme gefunden werden. Sie stehen mit der neuen deutschen Homer-Stimme aktuell im Synchronstudio, wir haben eben einen kleinen Schnipsel gehört. Ist es ein guter Ersatz für den alten Sprecher? Oder ist es ein neuer Homer, den wir da morgen hören werden?

Engelke: Ich weiß leider zu viel über die lange Casting-Phase, die lange Suche. Insofern bin ich nicht ganz unvoreingenommen, denn da müssen Kompromisse eingegangen werden. Ich habe es ja selber erfahren, wie ein kleiner Kern sogenannter Simpsons-Fans reagiert, wenn ihm irgendwas nicht passt. Als ich die neue Marge-Stimme wurde, gab es so ein paar Dödel, die gesagt haben, das ist nicht gut, die kann das nicht, wir wollen lieber jemanden nehmen, der das wirklich kann. Ich mach das aber seit ich 11 bin. Also die Schauspielerei kam erst viel später dazu erstens. Und zweitens, als es dann eine Petition gab gegen mich und man forderte, man möge bitte Elisabeth Volkmann zurückholen - die da schon lange unter der Erde war - da wurde es grotesk. Insofern kenne ich diese ganzen Überlegungen, sowohl von Senderseite, als auch von Regieseite, von Redaktionsseite: Geht man auf das Original?

Jahn: Das englische Original?

Engelke: Ja, was so gut wie unmöglich ist. Oder macht man was Neues, es gibt immer drei Optionen in solchen Fällen. Und jetzt ist man in Norberts Nähe, hat man sich für Norberts Nähe entschieden.

"Die wissen alle, was sie tun"

Jahn: Sie haben es gerade schon gesagt, es gab starke Proteste, als Sie die Marge übernommen haben. Geben Sie ihrem neuen Partner schon einige Tipps, wie man damit umgeht?

Engelke: Nein. Wer bin ich? Nein, um Gottes Willen, der ist ein erwachsener Mann, der weiß was er tut und da sind erwachsene, kluge Menschen um ihn herum und Matthias von Stegmann hat mitentschieden - das ist der Regisseur, der auch die Drehbücher übersetzt, kongenial - wir sind gerade im Studio und machen die neue Staffel zu Ende. Die wissen alle, was sie tun.

Jahn: In der vergangenen Woche konnte man ja schon Mal Sie beide hören, also Marge und Homer, die deutschen Stimmen. Da gab es eine Präsentation in Berlin in einem Kino, danach ging es auf twitter ganz ordentlich los, in sozialen Netzwerken wurde dann spekuliert, wer ist denn das? Und welche Stimme könnte das sein? Man hat dann verschiedene Abgleiche gemacht. Und es gab dann schon einen Namen, Christoph Jablonka. Ist er das?

Engelke: Da kann ich nichts zu sagen. Weil ich auch in diesen sogenannten Netzwerken nicht unterwegs bin. Und mich auch hüte, das alles ernst zu nehmen. Wenn man ein wirklicher Fan einer Sache ist, in diesem Fall einer Fernsehserie, in Klammern, wo sind wir eigentlich, dass das so einen Alarm gibt, Klammer zu. Dann sollte man sich freuen, wenn Menschen sich Mühe geben, das Ding hier sauber rüber zu fliegen und das gut zu machen. Und das ist genial, was Matthias von Stegmann da übersetzt, was ich heute wieder schon wieder erzählt habe. Die Folge - freuen Sie sich drauf - die Folge in der Lisa zum Mars fliegen will.

Jahn: Das ist die Tochter.

Engelke: Ja. Und Marge möchte sie davon abhalten und Homer schlägt vor: "Unterstütze sie, dann wird sie es nicht tun, das ist eine super Methode". Und da merkt man wieder, Homer hat einfach keinen Schimmer von Erziehung und Marge, diese gute Seele, sagt: "Meinst du? Oh, dann mach ich das so". So, und es kommt zu einem wunderbaren Ende und es ist eine meiner Lieblingsfolgen bis jetzt.

Krise bei Marge und Homer?

Jahn: Man hat ja schon gehört, dass die neue Folge, dass Marge und Homer da gar nicht mehr so gut miteinander klarkommen. Wer geht denn da zuerst fremd? Marge oder Homer?

Engelke: Ich werde mich hüten, das zu verraten. Ich möchte natürlich, dass Deutschland geschlossen schaut. Aber das ist nicht das erste Mal, dass es bei denen kriselt, das tut es ja im Monatstakt mehr oder weniger und vor allen Dingen der Kinofilm thematisierte das ja auch, dass es da Probleme gibt, insofern.

Jahn: Geht es denn gut aus?

Engelke: Auch das ist mir total entfallen. Gut, ich habe es gerade eben synchronisiert, aber schon vergessen. Nein, ich werde es nicht verraten.

Jahn: Ein bisschen Spannung muss ja sein.

Engelke: Es ist auf jeden Fall eine sehr sehenswerte Folge, weil die wieder diesen sogenannten Spagat schafft, dass Kleine das gucken können und sich enorm freuen, andererseits die Erwachsenen herrlich miteinander - wenn sie denn hoffentlich nicht bei Twitter und Facebook sind - sich miteinander unterhalten können über die Inhalte.

"Unglaublich Zeitgemäß"

Jahn: Auch was davon haben. Möglicherweise, so heißt es, soll es die Simpsons nicht bis in alle Ewigkeit geben. Der Erfinder der Serie, Matt Groening, hat angekündigt, dass er möglicherweise nach der 30. Staffel dann mal aufhören wird. Er ist offenbar auch schon mit dem Streamingdienst Netflix in Verhandlungen über eine neue Cartoonserie, die er fertigstellen will. Alles hat irgendwann mal ein Ende, die Simpsons haben 1989 begonnen. Ist es auch Zeit, dann irgendwann mal, kommen die Simpsons möglicherweise dann nicht mehr mit?

Engelke: Nein. Ich glaube, dass das eine mitwachsende und eine Serie ist, die am Puls der Zeit ist, die nie, die nie nicht up-to-date ist. Die sind sogar immer noch ein wenig voraus, also es wurde ja auch spekuliert, ob, zum Beispiel eine Trump-Rede nicht schon antizipiert worden sei durch die Simpsons, also Matt Groening und seine Kumpanen. Ganz im Gegenteil, die ist so unglaublich zeitgemäß und auch noch zeitgemäßer, als man es aktuell sein kann. Diese Serie, die kann und muss weiterbestehen. Wer da jetzt die Macher im Hintergrund sind, das ist fast sekundär. Wenn der Geist stimmt, dann bleiben auch Intelligenz und Witz. Boah, das klang echt super, oder? Wir sind echt live, sagen Sie mal eine Uhrzeit, damit die Menschen wissen, es wurde mir nicht geschrieben. Ich flipp aus, und jetzt: Matt Groening, live zugeschaltet. Oder? Nicht?

Jahn: Genau so.

Engelke: Ach das wär so schön, man könnte ihn fragen. Ich kenne den Mann nicht, aber, viele Grüße.

Geübte Sängerin

Jahn: Wir werden sehen, was passieren wird. Auf jeden Fall haben wir jetzt erst einmal die 27. Staffel vor uns. Wenn wir schon bei der Stimme sind und Sie sprechen synchron, machen das ja gerne, Sie haben auch gesungen. Immer schon von klein auf?

Engelke: Immer.

Jahn: Im Chor und Sie haben sogar auf der Bühne bei Peter Frankenfeld glaube ich, "Musik ist Trumpf", Heino begleitet und Udo Jürgens begleitet. Und dann sind Sie natürlich in den Achtzigerjahren, viele werden es wissen, mit Fred Kellner und den famosen Soul Sisters auf der Bühne gewesen.

Engelke: Sie sind 13 Frau Jahn, kein Mensch kennt diese Band. Das  ist die bekannteste, unbekannteste Band der Welt.

Jahn: Doch, doch. Ich glaube hier im Rheinland kennt man die Band doch ganz gut.

Engelke: Also so Nordrhein-Westfalen und Rheinland Pfalz, da räumen wir regelmäßig ab.

Jahn: Aber Sie sind jetzt nicht mehr dabei?

Engelke: Bin nicht mehr dabei, weil meine Stimme bei der letzten Ladykracher-Staffel einen abgekriegt hat. Da war es zu kalt wo wir drehten und wir konnten aus Produktionsgründen nicht so lange pausieren, wie mir der Stimmdoktor mir das empfohlen hat und dann kam es, wie es kommen musste: Das ist jetzt eine chronische Stimmbandver-something-Verdungung und da die hohen Töne kommen da nicht mehr raus. Ich kann wunderbar tief singen, aber das braucht niemand.

Jahn: Die müssen erstmal ausheilen? Also es kann wieder was kommen gesangsmäßig?

Engelke: Das weiß ich nicht. Wenn ich Céline Dion wäre, dann wär das ein Problem, ich bin es aber nicht.

Jahn: Herzlichen Dank, Anke Engelke, bei uns im Corso-Studio im Deutschlandfunk. Danke fürs Kommen.

Engelke: Danke.

Jahn: Morgen Abend ist sie als Marge neben der neuen Stimme von Homer Simpson zu hören und dann in vier Wochen startet auch "Findet Dori", das ist der zweite Teil von "Findet Nemo", den sie auch synchronisiert. Morgen Abend, wie gesagt, erst einmal "Die Simpsons auf Prosieben um 20:15, da startet die neue Staffel mit der ersten Folge und direkt danach auch der zweiten. Dankeschön.

Engelke: Danke.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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