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StartseiteKommentare und Themen der WocheMehr Corona-Tests alleine werden nicht reichen27.03.2020

Neue Strategie der RegierungMehr Corona-Tests alleine werden nicht reichen

Mehr Menschen auf eine Corona-Infektion zu testen wäre gut, aber entscheidend ist genauso, was nach einem positiven Testergebnis passiert, kommentiert Volkart Wildermuth die neuen Pläne der Bundesregierung. Am Ende komme es mehr auf starke Gesundheitsämter an als auf Labormaterial oder Technologien.

Von Volkart Wildermuth

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Ein Arzt in Schutzausrüstung nimmt an einem Corona-Testzentrum auf dem Gelände einer Berufsschule den Abstrichtest auf das Coronavirus Sars-Cov-2 von einem Autofahrer entgegen. (picture alliance / dpa / Patrick Pleul)
Die Corona-Tests in Deutschland massiv auszuweiten, wird nicht leicht, kommentiert Volkart Wildermuth (picture alliance / dpa / Patrick Pleul)
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"Testen, testen, testen" empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation und "Testen, testen, testen" will jetzt wohl auch die Bundesregierung. Für Politiker beginnt gerade eine schwere Phase der Epidemie. Sie haben im Grunde alles nötige veranlasst – danke dafür. Jetzt heißt es ein, zwei Wochen abwarten, ob sich auch Erfolge einstellen, die Zahlen wirklich sinken. Aber Nichtstun, das fällt den Machern offensichtlich schwer.

Aktuell werden in Deutschland zwischen 300.000 und einer halbe Millionen Corona-Tests pro Woche ausgewertet. Dieser Durchsatz soll laut Süddeutscher Zeitung bis Ende April fast verdreifacht werden. Schlagzeilenmaterial.

Die Tests in Deutschland so dramatisch auszuweiten, wäre eine Herausforderung. Weltweit fahren Länder ihre Kapazitäten hoch und das heißt auch, dass die nötigen Chemikalien begehrt sind und langsam knapp werden. Noch stehen die nur in den großen Laboren, aber sie werden wohl überall gebraucht, wenn diese Testlawine erst einmal ins Rollen kommt.

Menschen sind wichtiger als Laborausrüstung

Der ganze Aufwand dient dem Ziel, das leuchtende Beispiel Süd-Korea zu kopieren. Doch dort hängt der Erfolg der Eindämmung von SARS-CoV-2 nicht allein mit den vielen, vielen Tests zusammen. Entscheidend ist, was nach einem positiven Ergebnis passiert. Am Ende kommt es deshalb weniger auf Chemikalien und Geräte an, als auf Menschen.

Menschen in den Gesundheitsämtern, die mit den positiv Getesteten sprechen, die letzten Tage genau durchgehen und feststellen, an wen könnte das Virus weitergereicht worden sein. Jens Spahn scheint sich vorzustellen, dass die Suche nach den Kontakten auch digital gelingt, über den Zugriff auf die Handydaten, ausgewertet vielleicht per künstlicher Intelligenz. Das klingt hipp, aber wenn diese Epidemie eines gezeigt hat, dann dass High-Tech weniger entscheidend ist, als die bewährten aber wenig glamourösen Strategien des öffentlichen Gesundheitsdienstes. Den zu stärken wird entscheidend sein. Kurzfristig, in dem Mitarbeiter aus anderen Behörden aushelfen, langfristig mit mehr Planstellen. Das wäre dann sinnvoller Aktionismus. Testen, testen, testen bliebe dagegen bloße Beschäftigungstherapie.

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